30 bis 2030 | Philipp Staab: Ein scharfer Beobachter
Philipp Staab ist Professor für die Soziologie von Arbeit, Wirtschaft und technologischem Wandel an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Foto: LaifIm Sommer 2025 erscheint seine nächste Pflicht- und Kürlektüre. Und diesmal geht es Philipp Staab ums Ganze: „Systemkrise“ lautet der Arbeitstitel des Buches, in dem der Berliner Soziologe der Frage nachgeht, warum es den liberalen Demokratien so schwer fällt, die ökologische Modernisierung zu meistern.
Staabs Antwort in Kurzform: Weil wir uns die Fähigkeit zum vernünftigen Gespräch abtrainieren mit Blick auf sich schließende Zeitfenster. Weil wir Scheinkonflikte skandalisieren („Klimakleber“, Heizungsgesetz) und einem rationalen Zugriff aufs Thema opfern. Und weil die Gesellschaft auseinanderzufallen droht in Anhänger eines restaurativen Kapitalismus, denen die Transformation zu schnell geht – und Double-Down-Freunden, die den Umbau mit doppelter Geschwindigkeit voranbringen wollen.
Keine guten Aussichten? „Das Schlusskapitel ist noch nicht geschrieben“, sagt Staab, „aber ich bin skeptisch.“
Staab, Professor für die Soziologie von Arbeit, Wirtschaft und technologischem Wandel an der Humboldt-Universität zu Berlin und Co-Direktor am Einstein Center Digital Future ist ein begnadeter Seismograph unserer Wirtschaft und Gesellschaft.
Er beobachtet scharf, formuliert prägnant, weiß seine Diagnosen jargonfrei auf den Punkt zu bringen – und schreibt in Serie kleine Grundlagenwerke, sei es über „Anpassung“ als das Leitmotiv der nächsten Gesellschaft (2022) – oder einen „Digitalen Kapitalismus“ (2019), in dem Marktbesitzer zugleich Marktteilnehmer sind und damit tradierte Vorstellungen eines Wettbewerbs als Entdeckungsverfahren unterlaufen: ein System in der Krise halt.
Erstmals kürt die WirtschaftsWoche 30 Köpfe aus Deutschland, die unser Land bis Ende dieses Jahrzehnts prägen, verändern und nach vorn bringen werden. Denn es gibt viele Menschen und Projekte, die Mut machen. Eine Übersicht aller Preisträger finden Sie hier