Boomende Branche Deutsche Biotechnik im Aufwind

Eine aktuelle Studie belegt: Die deutsche Biotechnikbranche zieht deutlich an. Rechtzeitig zum diesjährigen Branchentreff - den Biotechnologietagen in Köln - legt Fachinformationsportal "biotechnologie.de" seine Zahlen für 2014 vor. Und die sind positiv wie nie zuvor. Egal ob Umsatz, Mitarbeiter oder Finanzierung, es gab von allem mehr.

Biotechnik-Forschungslabor Quelle: Fotolia

Alljährlich erstellt das Berliner Fachinformationsportal „biotechnologie.de“ einen Biotech-Branchenreport im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Noch nie waren die Zahlen so positiv: Der Umsatz kletterte im Jahr 2014 erstmals über die Marke von drei Milliarden Euro ­ ein Plus von 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum ersten Mal seit 2008 sind auch die Ausgaben für Forschung und Entwicklung wieder gestiegen: Um 6,2 Prozent auf 954 Millionen Euro.

Die Biotech-Branche schafft Jobs: In den hauptsächlich mit Biotechnologie beschäftigten Unternehmen zählten die Analysten Ende 2014 insgesamt 17.930 Arbeitsplätze. Das waren knapp 1000 Jobs mehr als im Vorjahr, was einem Plus von 5,8 Prozent entspricht. Die Zahl dieser Biotech-Firmen im engeren Sinne stieg um acht auf aktuell 578.

Auch aus der Pharma-, Chemie- und Lebensmittelindustrie ist die Biotechnologie nicht mehr weg zu denken: Für  insgesamt 131 Unternehmen aus diesen Branchen stellt sie einen Teil ihres Geschäfts dar. In den biotechnologisch ausgerichteten Bereichen dieser Firmen waren 19.200 Mitarbeiter beschäftigt ­ 2013 waren es nur 18.450. Macht unterm Strich 37.130 Arbeitsplätze in der kommerziellen Biotechnologie in Deutschland im Jahr 2014 - ein Plus von 4,9 Prozent.

Diese Konzerne sind Forschungsweltmeister
Platz 10 - Merck & Co - Forschungsausgaben: 7,5 Milliarden US-DollarBeim US-Pharmakonzern wurden die Forschungsausgaben im Vergleich zum Vorjahr zurückgefahren, machen aber immer noch 17 Prozent des Umsatzes aus. Quellen: Bloomberg, Thomson Reuters Quelle: AP
Platz 9 - Google - Forschungsausgaben: 8 Milliarden US-DollarDie einstige Suchmaschine ist innerhalb von zehn Jahren zum Internetriesen aufgestiegen - und forscht nun auch in Bereichen, die eigentlich nicht zum Kerngeschäft gehören. Mit dem Google Car (Foto) haben die Kalifornier bereits einen Prototyp für ein selbstfahrendes Auto entwickelt. Quelle: dpa
Platz 8 - Johnson & Johnson - Forschungsausgaben: 8,2 Milliarden US-DollarDer Pharma- und Konsumgüterkonzern verkauft auch in Deutschland seine Marken wie Penaten und Listerine. 11,5 Prozent des Umsatzes werden in die Forschung und Entwicklung neuer Produkte gesteckt. Quelle: AP
Platz 7 - Toyota - Forschungsausgaben: 9,1 Milliarden US-DollarAls erster Hersteller wollen die Japaner schon 2015 ein Wasserstoff-Auto auf den Markt bringen. Obwohl der Konzern nur 3,5 Prozent seines Umsatzes in die Forschung und Entwicklung steckt und die Ausgaben in diesem Bereich gekürzt hat, reicht das locker für die Top Ten. Quelle: AP
Platz 6 - Novartis - Forschungsausgaben: 9,9 Milliarden US-DollarDer Pharmariese aus der Schweiz kann damit an Toyota vorbeiziehen. Denn hier wurde bei den Forschungsausgaben nachgelegt, obwohl diese heute schon 17 Prozent des Umsatzes ausmachen. Quelle: AP
Platz 5 - Roche - Forschungsausgaben: 10 Milliarden US-DollarUnter den großen Pharmariesen gibt keiner mehr für Forschung und Entwicklung aus als die Schweizer. Satte 19,8 Prozent des Umsatzes fließen in den Forschungsetat. Quelle: REUTERS
Platz 4 - Microsoft - Forschungsausgaben: 10,4 Milliarden US-DollarOft gehasst, doch nie verschwunden - die Erben von Microsoft-Gründer Bill Gates haben den IT-Riesen bisher durch jede Krise gesteuert, auch weil das Unternehmen die Zukunft nicht vernachlässigt. 13,4 Prozent des Umsatzes fließen in die Forschung und Entwicklung. Quelle: REUTERS

445 Millionen Euro für deutsche Biotech-Firmen

Auch bei den Finanzierungen setzt sich ein Aufwärtstrend fort: Gut 445 Millionen Euro flossen in die deutschen Biotech-Firmen. 2013 waren es nur 401 Millionen Euro. Vor allem die privat finanzierten Unternehmen holten im Vergleich zum Vorjahr deutlich auf: In 18 Finanzierungsrunden warben sie Gelder in Höhe von 172 Millionen Euro ein. Das entspricht einer Steigerung um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ein Blick auf die drei Unternehmen mit den größten Finanzierungsrunden 2014:

Glycotope GmbH

55.000.000 Euro erbrachte im März 2014 eine Finanzierungsrunde für das Berliner Unternehmen Glycotope, das sich auf den Nachbau und die Optimierung von heilsamen Biomolekülen gegen Krebs spezialisiert hat. Mit dem Geld sollen bis Ende 2016 klinische Studien mit mehreren hundert Patienten in Europa und den USA abgeschlossen werden.

Geldgeber der sich inzwischen auf mehr als 130 Millionen Euro belaufenden Gesamtfinanzierung des Unternehmens sind die Münchener Jossa Arznei GmbH, die zur Strüngmann Gruppe gehört, sowie die Berliner ELSA GmbH, dem Eckert Life Science Accelerator.

46.260.000 Euro sammelte das Aachener Unternehmen Paion mit einer Kapitalerhöhung im Juli 2014 ein. Die an der Frankfurter Börse notierte Biotech-Firma hatte ursprünglich ein Präparat aus Fledermaus-Spucke gegen Schlaganfälle entwickelt – daher die Fledermaus im Firmenlogo.

Doch das anfangs sehr vielversprechende Präparat floppte zunächst in der letzten Runde der Tests am Patienten. Inzwischen hat sich Paion vor allem auf neue und nebenwirkungsarme Betäubungsmittel verlegt. Ein Präparat für Kurzzeitnarkosen startete in diesem März in die dritte und damit letzte Phase der klinischen Tests am Menschen.

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Affimed Therapeutics AG

43.500.000 Euro konnte die Heidelberger Ausgründung aus dem Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) im September mit ihrem Börsengang an der US-Technologiebörse Nasdaq verbuchen. Das Forschungsunternehmen hat sich vor allem auf hochmoderne Krebsmedikamente spezialisiert, die die körpereigenen Abwehrkräfte gegen die tödlichen Tumor-Wucherungen mobilisieren. Zwei dieser Anti-Krebsmittel testet Affimed bereits an Patienten.

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