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Die wichtigsten Fragen und Antworten Das ist über Sputnik V bekannt

Sputnik V ist besser als sein Ruf. Vielleicht wird der Impfstoff auch bald in der EU zugelassen. Quelle: AP

Das Misstrauen gegenüber dem russischen Impfstoff Sputnik V war groß – zu Unrecht? Die Ständige Impfkommission macht sich nun für eine Zulassung des Mittels in der EU stark. Was bisher bekannt ist, ein Überblick.

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Bislang ist Sputnik V noch nicht in der EU zugelassen. Doch das könnte sich ändern. Nun setzt auch die Ständige Impfkommission auf eine Zulassung des russischen Covid-19-Impfstoffs – auch in der Europäischen Union. „Das ist ein guter Impfstoff, der vermutlich auch irgendwann in der EU zugelassen wird“, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens. „Die russischen Forscher sind sehr erfahren mit Impfungen. Sputnik V ist clever gebaut.“ Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zum russischen Impfstoff:

Wie funktioniert der Corona-Impfstoff Sputnik V?

Ähnlich wie das Vakzin von AstraZeneca handelt es sich bei Sputnik um einen Vektorimpfstoff, der auf einem Adenovirus basiert. Dabei werden Fragmente des Erbmaterials von SARS-Cov-2 in abgeschwächte Viren, wie etwa die Adenoviren, gebracht. Diese transportieren das SARS-Erbmaterial in den Körper. Die Körperzellen nehmen die Erbinformationen dann auf, um selbst ein Eiweiß gegen das Virus zu produzieren. So „lernt“ das Immunsystem des Menschen die Strukturen des viralen Eiweiß kennen und entwickelt Abwehrstoffe gegen SARS-Cov-2. Anders als bei AstraZeneca wird bei der Impfung mit Sputnik V aber nicht nur ein bestimmtes Adenovirus als Transportmittel des Serums verwendet, sondern zwei verschiedene Stränge der Adenoviren in der ersten und zweiten Dosis. „Das ist sehr klug, denn dadurch kann er potenziell auftretende Wirksamkeitsverluste durch Immunantworten gegen die Vektoren verhindern“, sagt Stiko-Chef Mertens dazu.

Gibt es bereits Studien über die Wirksamkeit von Sputnik?

Laut einer im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlichten Studie ist Sputnik V zu 91 Prozent wirksam und scheint zu verhindern, dass geimpfte Personen einen schweren Krankheitsverlauf von Covid-19 haben. Auch bei Personen über 60 Jahre erreichte der Impfstoff eine hohe Wirksamkeit. Unklar ist aber, ob der Impfstoff die Ausbreitung des Virus verhindern kann.

Wann könnte eine Zulassung von Sputnik V in der EU erfolgen?

Noch ist offen, wann das Vakzin in der Europäischen Union genau zugelassen wird. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte in der Anfang März mitgeteilt, mit der fortlaufenden Überprüfung des Mittels zu starten. Mit diesem Verfahren kann sie eine mögliche Zulassung beschleunigen. Die EMA setzt das so lange fort, bis genügend Nachweise für den Antrag auf eine Marktzulassung vorliegen. Allerdings habe die EMA noch keine ausreichenden Unterlagen und Daten für eine EU-Zulassung erhalten. Eine jede Empfehlung basiere auf der Stärke der wissenschaftlichen Belege für die Sicherheit, Qualität und Wirksamkeit des Vakzins, „und nichts anderem“, so die EMA.

Wie oft muss der Sputnik-Impfstoff verimpft werden?

Um die hohe Wirksamkeit zu erreichen sind zwei Impfungen im Abstand von etwa drei Wochen nötig.

Unter welchen Bedingungen muss Sputnik V gelagert werden?

Laut der Studie aus dem Magazin „The Lancet“ lässt sich der Impfstoff bei -18 Grad einlagern. Das würde für viele Lieferketten praktikabel sein.



Ist Sputnik V schon in anderen Ländern zugelassen?

Ja und bei einigen von ihnen handelt es sich um europäische Länder, die nicht auf eine EMA-Entscheidung warten wollten: In Ungarn, der Slowakei und Tschechien ist Sputnik V bereits zugelassen oder es laufen nationale Zulassungsverfahren. Dieser Schritt sorgte allerdings schon für Ärger. EMA-Vertreterin Christa Wirthumer-Hoche warnte einzelne EU-Länder vor einer Notfallzulassung von Sputnik V. Ein solches Vorgehen sei teilweise vergleichbar mit „russischem Roulette“, mahnte sie. Zuerst müsse man die Impfdaten zu Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit analysieren. Kremlsprecher Dmitri Peskow zeigte sich am daraufhin verärgert: Die Kommentare seien „unangemessen“ gewesen und würden ernste Fragen über eine mögliche politische Einmischung in die laufende EMA-Prüfung aufwerfen. Wirthumer-Hoche müsse sich entschuldigen. Nach Angaben der Entwickler ist Sputnik V mittlerweile in 46 Ländern zugelassen.

Kann Sputnik V auch in EU-Ländern produziert werden?

Ja. Es gibt diesbezüglich sogar bereits Vereinbarungen. Von Juli an soll der russische Impfstoff in Italien produziert werden. Das teilte die italienisch-russische Handelskammer in Rom mit. Die Firma Adienne Srl. in der Lombardei – eine Tochter des Schweizer Pharma-Unternehmens Adienne Pharma & Biotech – solle den Impfstoff herstellen. Der Handelskammer zufolge wurde eine entsprechende Vereinbarung mit dem staatlichen russischen Direktinvestitionsfonds RDIF geschlossen, der an der Sputnik-V-Entwicklung beteiligt ist – die erste mit einem europäischen Partner.
Den Angaben zufolge könnten bis Ende des Jahres in Norditalien zehn Millionen Dosen produziert werden. Die italienische Botschaft in Moskau sei in die Verhandlungen eingebunden gewesen. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa zitierte den Präsidenten der Handelskammer, Vincenzo Trani, mit der Aussage, dass die Produktion nicht gleichbedeutend mit der Verteilung des Impfstoffs im Land sei. Italien wende sich nicht von der EU ab. Auch andere europäische Firmen würden sich in diese Richtung bewegen.

Weshalb war das Misstrauen gegenüber dem Impfstoff erst so noch?

Das lag vor allem an der frühen Zulassung. Russland erteilte Sputnik V schon im August vergangenen Jahres die Zulassung und begann mit den Impfungen. Erst im Dezember bekamen in der EU und den USA erste Impfstoffe ihre Zulassung. Daher kritisierten viele Wissenschaftler, dass Russland bei Sputnik V wichtige Tests nicht- oder nur unzureichend durchführte. Der renommierte Mediziner Alexander Chuchalin prangerte etwa „grobe Verstöße“ gegen medizinethische Grundsätze an und verließ aus Protest den Nationalen Ethikrats Russlands.

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Ist die Debatte um Sputnik auch politisch aufgeladen?

Sputnik V war aus russischer Sicht von Anfang an mehr als nur ein Impfstoff. Schon die vorzeitige Registrierung im August stilisierten staatliche Medien zu einem Sieg der russischen Wissenschaft. Später versuchte der Kreml, Sputnik V als eine Art Soft-Power-Instrument zu nutzen. Die Regierung bot das Vakzin vor allem befreundeten Staaten wie Ungarn, Venezuela oder Indien an.

Mehr zum Thema: Die Russen selbst sind skeptisch gegenüber Sputnik V, dabei hat das Vakzin zuletzt gezeigt, dass es besser ist als sein Ruf.

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