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Einfacher, aber auch zuverlässiger? Neuer Corona-Schnelltests: Atemanalyse statt Nasen-Abstrich

Ein Mann demonstriert in Amsterdam, wie ein neuartiger Corona-Atemtest funktioniert. Quelle: REUTERS

Reihenweise kommen gerade Testgeräte auf den Markt, die eine Corona-Infektion anhand der ausgeatmeten Luft erkennen. Die ungeliebten nasalen Schnelltests könnten somit bald der Vergangenheit angehören.

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Die meisten Autofahrer mussten wahrscheinlich schon mal in ein Röhrchen pusten, um in einer Polizeikontrolle den Atemalkohol zu bestimmen. Nun soll ein ähnliches Verfahren dazu dienen, an Corona erkrankte Personen zu identifizieren. Diese Art Test könnte in absehbarer Zeit den ungeliebten Abstrich überflüssig machen, bei dem mit einem Stäbchen eine Probe von den Nasenschleimhäuten genommen wird – etwas, das viele Menschen als unangenehm empfinden.

Der Stadtstaat Singapur etwa denkt derzeit als eine der ersten Nationen der Welt über den flächendeckenden Einsatz einer solchen Lösung nach, berichtet die Tageszeitung „The Straits Times“. Silver Factory Technology, der Hersteller des TracieX genannten Geräts, arbeitet demnach mit der nationalen Seuchenschutzbehörde und dem dortigen Flughafen zusammen, einem der wichtigsten Luftdrehkreuze der Welt.

Erste Tests haben gezeigt, dass das Gerät ähnlich genaue Ergebnisse liefert wie sogenannte PCR-Tests, die als bisher sicherster Weg gelten, eine Covid-19-Infektion nachzuweisen. Das Ergebnis liegt in weniger als zwei Minuten vor. TracieX nutzt hierzu einen Sensor-Chip, der den molekularen Fingerabdruck jener Bestandteile aufspürt, die im Atem einer mit dem Coronavirus infizierten Person existieren. Am Flughafen Singapur testen Forscher die Technik seit März an zufällig ausgewählten Passagieren. Die blasen etwa zehn Sekunden lang in das Einweggerät, bevor das in eine portable Vorrichtung gesteckt wird, die die Daten ausließt. Demnächst soll es ähnliche Versuche auch an Kliniken in Malaysia geben, so die „Straits Times“. Singapur erhofft sich, mithilfe der Technik auch den Tourismus im Land wieder zu beleben.



Die massenhafte Herstellung des Geräts soll im Juni starten und könnte bei einer Zulassung in Europa auch die bisherigen Schnelltests etwa an Schulen ablösen. An den nasalen Selbsttests für Kinder gab es zuletzt immer wieder Kritik, etwa weil diese als invasiver Eingriff gelten. Zudem ließen sich wegen der geringen Wartezeit mit der neuen Technik große Veranstaltungen ohne bürokratischen Aufwand gegen Coronainfektionen absichern. Ein solcher Test kostet umgerechnet etwa 16 Euro. Die Kosten sollen aber mit steigenden Stückzahlen deutlich sinken. Speziell trainiertes Personal oder Labortechnik sind nicht nötig.

Ethanol in der Atemluft



Wird die Lunge mit Corona infiziert, entstehen darin flüchtige organische Verbindungen. Bisher wird die Atemluft nur selten benutzt, um Krankheiten zu erkennen, obwohl sie häufig Hinweise liefern kann. So können etwa Diabetikerwarnhunde die Stoffwechselkrankheit schon in sehr frühem Stadium erschnuppern.

Im vergangenen Jahr hatten Wissenschaftler etwa in Dortmund und Edinburgh die Diagnose von Covid-19 anhand der Atemluft erforscht. Sie koppelten dazu Technik zur sogenannten Gaschromatografie mit einem Ionen-Mobilitäts-Spektrometer. Dabei stellten sie Abweichungen in der Konzentration etwa bei Ethanol, Octanal, Aceton und Methanol in der ausgeatmeten Luft der Infizierten fest. In Edinburgh lag die Treffsicherheit bei 80 Prozent, in Dortmund bei 81,5 Prozent. Die Technik in Singapur soll verglichen mit PCR-Tests eine Treffsicherheit von über 99 Prozent erreichen.

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Seit Februar wird ein ähnliches Verfahren des israelischen Unternehmens TeraGroup bei Studenten an der University of Miami verwendet. Das US-Unternehmen Astrotech prüft unterdessen zusammen mit der Cleveland Clinic, ob sein Gerät BreathTest-1000 auch Corona-Infektionen erkennen kann. Bisher dient es zur Diagnose von Krebserkrankungen. Die Niederlande nutzen eine solche Atemanalyse-Technik bereits, hergestellt von der Medizintechnik-Firma Breathomix. Hier werden nicht die Geräte, sondern nur das Mundstück entsorgt. Insgesamt hat die Regierung in Den Haag 1800 solche Maschinen geordert. 

Mehr zum Thema: „Das ist Aktionismus“: Betriebsärzte wehren sich gegen Testpflicht in Betrieben.

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