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Hyperloop-Projekt „Die Beschleunigung ist angenehmer als im Flugzeug“

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„Es wird 15 bis 20 Jahre dauern, bis man den Hyperloop kommerziell nutzen kann“

Was fasziniert Sie am Hyperloop?
Mich hat begeistert, dass man tatsächlich die Möglichkeit hat, mit seinem Einsatz die Zukunft zu ändern. Und eher kurzfristig gedacht: Als Maschinenbauingenieur gibt es eigentlich nichts Cooleres, als ein Projekt von Anfang bis Ende zu durchdenken und seine Gedanken frei spielen zu lassen. Vor allem, wenn dann nach ein paar Monaten wirklich ein Prototyp dasteht, der dann nach Los Angeles verschifft wird, und man gegen andere Team aus der ganzen Welt antritt. Für mich ist das einfach eine einmalige Möglichkeit, schon im Studium an einem kompletten Projekt teilzunehmen, so viel Erfahrung zu sammeln ist selbst im Berufsleben nicht so einfach.  

Und wie wird sich das Hyperloop-Netz am Ende um die Welt spannen? Werden nur die großen Städte miteinander verbunden oder auch kleinere Orte?
Auch dafür haben wir schon einige Analysen und Simulationen durchgeführt. Generell ist der Hyperloop eher für Mittelstrecken geeignet, also bis circa 1200 Kilometer. Längere Strecken sind eher ungeeignet, es wird also wahrscheinlich keine Deutschland-USA Verbindung über den Atlantik geben, sondern eher Metropolverbindungen wie München und Berlin. Bei den Strecken kommt es natürlich auch darauf an, wo zum Beispiel Flüsse sind oder Naturschutzgebiete oder wie das Höhenprofil ist. Dafür benutzen wir eine selbst entwickelte Software, die uns bei all diesen Randbedingungen dann die beste Route liefert. Kleinere Städte können über schon existierende Transportmöglichkeiten wie Bus und Bahn dann an solche Mobility Hubs angebunden werden, denn bei kurzen Strecken sind so hohe Geschwindigkeiten, wie der Hyperloop sie bietet, nicht nötig.

Was ist das Schwierigste daran, einen Hyperloop zu bauen?
Es gibt noch einige Schwierigkeiten, die größten sind ein möglichst effizientes und wirtschaftliches Gesamtkonzept zu finden sowie viele technische Herausforderungen. Bestimmte magnetische Simulationen bei großen Geschwindigkeiten sind wirklich nichts Einfaches. Außerdem es ist auch schwierig, das Verhalten des Fahrzeugs in der Beschleunigungsphase und bei Reisegeschwindigkeit in der Röhre vorherzusagen. Denn man kann kein komplettes Vakuum erzeugen, es bleibt immer noch ein Restdruck und damit ein Widerstand, der das System negativ beeinflussen kann. Langfristig gesehen ist auch die schiere Größe des Systems und der Strecke eine Schwierigkeit in der Umsetzung – manche sagen, das ist sehr unrealistisch. Als kleines Team ist es nicht gerade einfach, aus dem Nichts heraus ein Massentransportmittel zu entwickeln, jedoch wächst unsere Gruppe von Jahr zu Jahr und  wir sind überzeugt davon, dass wir durchdacht und Schritt für Schritt dieses ambitionierte Ziel erreichen.

Bleibt der Hyperloop ein Forschungsprojekt oder werden Sie dafür ein eigenes Start-up ausgründen?
Diese Frage bekommen wir sehr häufig, die Hyperloop-Technologie ist noch am Anfang und weit weg von einer Kommerzialisierung. Es ist noch viel Forschung notwendig und deshalb ist das Projekt am besten an der Universität aufgehoben. Dort können wir im Projekt auf die richtige Infrastruktur und die Expertise von Lehrstühlen und Instituten zurückgreifen, um möglichst effizient und schnell voranzukommen. Natürlich soll das Projekt nach dieser fundierten Forschungsphase kommerziell in einer unternehmerischen Umgebung fortgeführt und das System vermarktet werden. Sicherlich ist das schon bei einigen im Hinterkopf, aber der Weg bis dahin dauert noch etwas.



Jetzt mal ehrlich: Wann können Leute mit dem Hyperloop um die Welt fahren?
Ich denke mal, es wird knapp 15 bis 20 Jahre dauern, bis man den Hyperloop wirklich kommerziell nutzen kann - das ist eine realistische Zeit. Prototypen und Teststrecken oder vereinzelte Strecken, wo man mal so 10 Kilometer fahren kann, wird’s schon vorher geben. Dass sich da aber wirklich ein Netzwerk entwickelt und das ganze System einen spürbaren Einfluss auf das Transportwesen hat, das sehe ich erst in den nächsten 15 Jahren.

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