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Unerfüllter Kinderwunsch Neue Methoden helfen bei der Familienplanung

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Künstliche Befruchtung nach einer Krebstherapie war lange ein Tabu

Auf der Suche nach den fittesten Embryonen können die Mediziner die Zellen auch genetisch analysieren. Eines der wenigen hierzulande erlaubten Verfahren ist die Analyse der Polkörper, eines Nebenprodukts bei der Entstehung einer Eizelle. Dabei lässt sich feststellen, ob Fehler im Erbgut zu Behinderungen des Kindes führen können – doch gilt dies nur für Erbanlagen, die von der Frau stammten. Eine genetische Untersuchung des gesamten Embryos, die Präimplantationsdiagnostik (PID), ist nur in Ausnahmefällen erlaubt, wenn das Risiko einer „schwerwiegenden Erbkrankheit“ besteht. So will der Gesetzgeber einschränken, dass Embryonen anhand bestimmter erwünschter Eigenschaften wie Geschlecht oder Haarfarbe ausgewählt werden.

Eine künstliche Befruchtung ist allerdings nur eine Option, solange die Frau gesund ist. Leidet sie etwa an einer Krebserkrankung, galt lange als ausgeschlossen, dass sie nach einer Chemotherapie noch Kinder bekommen kann, weil dabei häufig die noch unreifen Eizellen in den Eierstöcken geschädigt werden. Heute können sich Betroffene vor einer Krebsbehandlung Eierstockgewebe entnehmen lassen. Der Eingriff dauert zehn Minuten. Im Anschluss wird das Gewebe eingefroren und nach überstandener Erkrankung transplantiert.

Erstmals konnten Spermien aus Stammzellen gezüchtet werden

Die Methode ähnelt dem von Facebook, Apple und Co. geförderten Social Freezing: Einzelne Eizellen werden hier bei minus 196 Grad über Jahre gelagert. Frauen können so erst Karriere machen, bewahren sich zugleich die Chance, auch im höheren Alter noch schwanger zu werden.

Allerdings unterscheiden sich die zwei Methoden in einem entscheidenden Punkt: Bei der Transplantation des Eierstockgewebes entwickeln sich die Zellen auf natürliche Weise, eine künstliche Befruchtung mit aufwendiger Hormonbehandlung wie beim Social Freezing entfällt. Bislang wird das Verfahren nur eingesetzt, um kranken Frauen mit Kinderwunsch zu helfen. Rund 70 Geburten wurden bereits weltweit dokumentiert, neun davon am Uniklinikum Erlangen.

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    In Zukunft könnten auch Männer bei der Kinderplanung völlig unabhängig von Krankheit oder Alter werden. Chinesischen Forschern ist es vor Kurzem zum ersten Mal gelungen, Spermien aus embryonalen Stammzellen im Labor zu züchten – allerdings nur bei Mäusen. Bis das beim Menschen klappt, wird es wohl noch einige Jahre dauern. Schwere Formen männlicher Unfruchtbarkeit könnten dann direkt im Labor geheilt werden. Parallele Versuche gibt es, um Eizellen aus Stammzellen zu züchten.

    So steigen die Chancen für Kinderlose, doch noch Eltern zu werden. Selbst in lange aussichtslosen Fällen wie der Schwedin Stenberg, die ohne Gebärmutter geboren wurde.

    Transplantationen geben neue Hoffnung

    Ob die Ethikkommissionen in Deutschland allerdings der Transplantation des Organs zustimmen, ist ungewiss. Denn der Eingriff wirft Fragen auf: Etwa ob Frauen sich dieser risikoreichen Prozedur unterziehen sollten, obwohl kein Leben gerettet wird, anders als etwa bei einer Herztransplantation. Vor allem für die Empfängerin ist das Verfahren belastend. Sie muss täglich viele Medikamente schlucken, damit der Körper das fremde Organ nicht abstößt.

    Auch für Stenberg war die Zeit nach der OP schwierig. „Der Stress hat mich körperlich und seelisch stark getroffen“, erzählt sie. Seit der Geburt ihres Sohnes gehe es aber steil bergauf. Die Gebärmutter wurde ihr wenig später wieder entnommen. Stenberg: „Mit unserer Geschichte wollen wir Paaren mit Kinderwunsch Hoffnung machen.“

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