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Mobilfunk-TarifeSo vermeiden Urlauber den Kostenschock bei Auslandsreisen

Die heimische Handy-Flat gilt nur in der EU. Bei Fernreisen sind Telefonate und mobiles Internet bis heute oft sehr teuer. Doch es geht auch günstiger.Thomas Kuhn 08.07.2025 - 18:36 Uhr
Surfen in der Karibik? Besser nicht über den heimischen Mobilfunkanbieter Foto: Getty Images

Als Kirsten Kraus im vergangenen Herbst aus dem Marokko-Urlaub zurückkehrt, ahnt sie noch nichts vom Kostenschock, der sie wenige Tage später erwartet. Dann aber, beim Öffnen ihrer Handyrechnung, traut sie den Augen kaum: „Statt meiner üblichen Flatrate von 15 Euro hat mir mein Anbieter für zehn Tage Marokko mehr als 110 Euro berechnet“, erzählt die Sozialarbeiterin vom Niederrhein. „Dabei war ich nur ein paar Mal online, habe mit Familie und Freunden telefoniert, ein paar Bilder und Videos verschickt – nichts anderes als im Urlaub zuvor in Südspanien“, ärgert sie sich.

Technisch gesehen hat sie recht. Wirtschaftlich leider nicht. Denn während innerhalb der EU dank Roaming-Regulierung seit Jahren dieselben Tarife wie zu Hause gelten, wird es außerhalb der Union schnell teuer. Und das vergessen viele Reisende. Statt Flatrate gelten in vielen beliebten Reiseländern wie Marokko plötzlich Tarife von bis zu drei Euro pro Gesprächsminute – und bis zu zehn Euro pro Megabyte Daten.

Höchstpreise in der „restlichen Welt“ und auf See

Solche Fälle sind keine Seltenheit – vor allem bei Fernreisen in Länder, die Mobilfunkanbieter in die teuerste Tarifzone „Rest der Welt“ einordnen. Roaminggebühren fallen aber auch in europäischen Staaten an, wie etwa der Schweiz, der Türkei oder verschiedenen Balkanländern. Doch besonders bitter wird’s in vielen angesagten Urlaubsregionen in Südostasien, der Karibik, im Pazifik oder in Afrika. Da gehen die Mobilfunkkosten rasch durch die Decke. Und bei Prepaid-Tarifen schmilzt das Guthaben unter den hohen Roamingkosten oft schneller dahin als ein Eis in der Mittagssonne.

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Noch teurer wird’s auf hoher See. Viele Kreuzfahrtschiffe betreiben eigene Mobilfunkzellen, die über Satellit mit dem weltweiten Netz verbunden sind – und das hat seinen Preis. Vorsicht Kostenfalle: Die regulierten EU-Tarife gelten hier nicht, selbst wenn das Schiff in EU-Gewässern unterwegs ist. Statt der heimischen Flatrate gelten an Bord die Gebühren der Satellitenbetreiber. Und die sind happig.

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt: Ausgehende Anrufe können bis zu sechs Euro pro Minute kosten, eingehende sogar bis zu sieben. Ein Megabyte Daten schlägt teils mit 20 bis 25 Euro zu Buche. Zwar müssen die Mobilfunkanbieter ihre Kunden per SMS warnen und den mobilen Internetzugriff bei Datenkosten von mehr als 50 Euro kappen – doch für Telefonate greift diese Bremse nicht.

Handy aus – Kosten runter

Wer auf Kreuzfahrt geht, sollte daher das Datenroaming deaktivieren oder gleich den Flugmodus einschalten. Günstiger telefoniert es sich meist bei Landgängen oder wenn das Schiff im Hafen liegt. Doch Vorsicht: Auch dort kann sich das Handy automatisch ins teure Bordnetz einwählen – etwa in der Kabine oder am Pool des Schiffes. Wer das vermeiden will, sollte die automatische Netzwahl deaktivieren und manuell ein lokales Netz auswählen.

Abseits der EU kann mobiles Telefonieren und Surfen aber auch für Reisende sehr teuer werden, die nicht auf Kreuzfahrtschiffen unterwegs sind. Zwar bieten alle deutschen Anbieter inzwischen zusätzlich zu den Standardtarifen zubuchbare Auslandsoptionen an. Echte Schnäppchen sind diese aber selten. Für Marokko etwa verlangt die Telekom rund 16 Euro für 2,5 Gigabyte Daten (7 Tage), Vodafone 35 Euro im Monat für 4 Gigabyte plus je 50 Minuten und SMS, O2 bietet 2 Gigabyte für 15 Euro pro Monat – Telefonate kosten extra; 2,50 Euro aus- und 1,60 Euro eingehend.

Alternative eSIM: Günstig surfen weltweit

Das ist zwar meist deutlich günstiger als die üblichen unregulierten Auslandstarife. Aber immer noch deutlich teurer als es sein müsste. Tatsächlich lassen sich nämlich mithilfe spezieller Anbieter die Handykosten auch für sehr teure Reise- und Urlaubsziele wie die Bahamas, Madagaskar oder die Seychellen teils drastisch drücken.

Möglich machen das sogenannte eSIM-Tarife. Das Kürzel steht für „embedded SIM“, zu Deutsch eingebettete SIM-Karte, und beschreibt besondere Kryptocodes, die in spezielle Chips gespeichert werden, wie sie mittlerweile in vielen modernen Handys stecken. Sie übernehmen, mit dem erwähnten Kryptoschlüssel, die Funktion der herkömmlichen Plastik-SIM-Chips.

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Diese digitalen SIM-Karten lassen sich online buchen und direkt aufs Handy laden – ganz ohne Plastikchip. Anbieter wie Airalo, Instabridge, Holafly, Nomad oder Saily bieten Prepaid-Pakete für fast jedes Land der Welt. Für Marokko gibt’s bei Instabridge zum Beispiel 3 Gigabyte für 15 Tage ab 8,50 Euro. Bei anderen Anbietern kann das gleiche Paket aber auch 30 oder 45 Euro kosten – ein Preisvergleich lohnt sich, etwa auf www.esimradar.com.

eSIM? Immer mehr Handys machen mit

Nach dem Kauf erhält man einen QR-Code, den man mit dem Handy scannt. In den Einstellungen unter „Mobilfunk“ → „eSIM hinzufügen“ wird die digitale SIM aktiviert. Wichtig: In den meisten Fällen beinhalten eSIM-Tarife nur Daten – wer telefonieren will, nutzt dann am besten WhatsApp, Signal oder andere Messenger.

Lange war eSIM nur in High-End-Geräten zu finden. Inzwischen aber unterstützen immer mehr aktuelle Smartphones die Technik, wie etwa eine aktuelle Übersicht der Tester von Netzwelt.de:

  • Apple: ab iPhone XS
  • Samsung: ab Galaxy S20, teils auch neuere Modelle der A-Serie
  • Google Pixel: ab Pixel 3
  • Xiaomi, Motorola, Oppo, Sony: ausgewählte Modelle
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Vodafone zieht als Erster nach

Nicht nur ein Blick in die Tarifvergleiche zeigt: eSIMs sind längst kein Nischenthema mehr. Auch die großen Mobilfunkanbieter spüren inzwischen den Druck der günstigen Digitaltarife aus dem Netz. Zwar bieten Telekom, Vodafone und o2 ihren Kunden mittlerweile eSIMs als digitale Alternative zur klassischen SIM-Karte an – doch spezielle Datentarife für Individualreisen ins EU-Ausland? Fehlanzeige.

Bis jetzt. Pünktlich zum Start der Sommerferien reagiert Vodafone als erster deutscher Anbieter auf die neue Konkurrenz. Mit der „Travel eSIM“ bringt der Düsseldorfer Netzbetreiber erstmals eigene Auslandsdatentarife auf eSIM-Basis auf den Markt – zusätzlich zur regulären SIM-Karte und nutzbar auf allen kompatiblen Smartphones.

Zwar sind Vodafones eSIM-Tarife nicht immer die günstigsten am Markt. Im Vergleich zu internationalen eSIM-Diensten wie Airalo oder Holafly aber sind sie konkurrenzfähig. Und vor allem: deutlich günstiger als die bisherigen Auslandspakete, die Vodafone bislang im Portfolio hatte. Das bleibt auch der Konkurrenz nicht verborgen. Ein Mobilfunkmanager aus der Branche bringt es auf den Punkt: „Spätestens, wenn eSIMs in allen Smartphones Standard sind, werden sie unsere klassischen Auslandstarife ablösen.“

Gut für Reisende – und gut fürs Portemonnaie. Denn je mehr eSIM-Angebote auf den Markt kommen, desto seltener wird der Schock beim Blick auf die Handyrechnung nach dem Urlaub.

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