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Wirtschaft von oben #97 – USA Diese Massen-Impfzentren sind Teil des amerikanischen Impferfolgs

Die weißen Impfzelte auf dem Parkplatz des State Farm Stadiums sind selbst aus dem All zu erkennen. Die Amerikaner warten in Autoschlangen davor. Quelle: LiveEO/UP42

Unter Joe Biden haben die USA ihr Impftempo massiv erhöht. Rund zwei Millionen Dosen werden derzeit täglich in amerikanische Oberarme gespritzt. Exklusive Satellitenbilder zeigen eine Auswahl ungewöhnlicher Impfzentren. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.

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Joe Biden gab sich betont zurückhaltend, als er im Eisenhower Executive Office Building ans Rednerpult trat. Dabei hatte der neue US-Präsident einen außergewöhnlich guten Tag. Gerade hatte das Staatsoberhaupt mit angesehen, wie eine Beratungslehrerin, ein Supermarktleiter und zwei Rettungssanitäter ihre Oberarme für die Injektion des Covd-19-Vakzins der Firma Pfizer entblößt hatten – eine öffentliche Demonstration zur Feier von 50 Millionen verabreichten Impfstoffdosen in den an diesem Donnerstag gerade einmal 37 Tagen von Bidens Amtszeit.

Ein Meilenstein auf dem Weg hinaus aus der Krise, die allein in den USA mehr als eine halbe Million Menschen das Leben gekostet hat und einen historischen Wirtschaftsabsturz auslöste. „Die Dinge verbessern sich trotz des Schlamassels, das wir geerbt haben“, so Biden. Es gehe mit enormem Tempo in die richtige Richtung. Trotzdem mahnte er zur Vorsichtig. „Das hier ist noch nicht die Ehrenrunde.“

Das war Ende Februar. Seitdem hat sich die Laune des US-Präsidenten immer weiter verbessert. Denn die Zahl der Impfungen in den USA steigt weiter stetig an. Anfang März erreichte sie einen Wochendurchschnitt von zwei Millionen Injektionen am Tag – mehr als das Doppelte von dem, was in den letzten Tagen der Trump-Administration verimpft wurde. Das erklärte Ziel des Präsidenten, in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit 100 Millionen Vakzindosen in amerikanische Arme zu bekommen, dürfte er mit Leichtigkeit erreichen. Bis spätestens 1. Mai will die Administration sogar genug Impfstoff für alle Erwachsenen in den USA bereitstellen. Bereits im Frühsommer könnte das Land also die ersehnte Herdenimmunität geschafft haben.


Zentral für das Erreichen dieses Ziels waren unter anderem die großen Impfzentren, in denen das Vakzin möglichst schnell an möglichst viele Menschen verabreicht werden kann. Ein paar von ihnen sind auf den exklusiven Satellitenbilder von LiveEO zu sehen. Sie waren ein zentraler Baustein in der Impfstrategie der neuen Administration, die Biden bereits an seinem ersten Tag im Amt in Kraft setzte. Seitdem wurden in 37 Bundesstaaten mehr als 440 Zentren eingerichtet oder ausgebaut. Anders als unter Trump unterstützt die Regierung in Washington die Staaten nun aktiv – sei es mit Personal, Logistik oder Material.

Die Fortschritte können sich sehen lassen. „Sie verrichten hier Gottes Werk“, so Präsident Biden beim Besuch eines Impfzentrum umgebauten Rodeo- und Football-Stadions in Houston, Texas, Ende Februar. Aber auch in anderen Football-Stadien wie dem State Farm Stadium in Glendale stehen die Amerikaner in Autos Schlange, um geimpft zu werden, wie auf den Satellitenbildern zu sehen ist.


Es sind vor allem diese Megastrukturen, die sinnbildlich für den Impffortschritt der USA stehen. Zahlreiche umgewidmete Stadien werden direkt von der Katastrophenschutzbehörde FEMA betrieben. Allein in Houston wird an sieben Tagen die Woche in der Sportsarena geimpft. Autos fahren auf elf Spuren durch das Zentrum. Die Spritze gesetzt wird noch im Fahrersitz.

Houston ist keine Ausnahme. Vergleichbare Einrichtungen gibt es mittlerweile in zahlreichen Bundesstaaten – vor allem in den Bevölkerungszentren Texas, New York und Kalifornien. In Los Angeles etwa kümmern sich im Stadion der California State University seit Mitte Februar mehr als 250 Mitarbeiter ebenfalls an allen sieben Wochentagen um das Impfen von angemeldeten Autofahrern und Fußgängern. Die Kapazität reicht für 6000 Injektionen am Tag.


Damit ist das Stadion eines der größten Impfzentren der USA. Doch es ist nicht allein. Auch im Norden Kaliforniens, im Oakland Coliseum, werden in gleicher Größenordnung Spritzen gesetzt. Hinzu kommt noch Houston.

Damit sind Einrichtungen mit dieser Kapazität die Ausnahme, es sollen jedoch bald weitere hinzukommen, etwa in Philadelphia und Chicago. Und auch in Florida und North Carolina will die Regierung demnächst verstärkt mitimpfen – allerdings zunächst in etwas kleineren Zentren.


Die Zentren sind nicht die einzigen Maßnahmen, mit denen die Biden-Administration das Impftempo hochhalten will. Sie holte die Apothekenketten ins Boot, in denen jedes Jahr unter anderem die Grippeimpfung angeboten wird, um das Netz der Impfeinrichtungen möglichst engmaschig zu halten. Ärzte und Pflegekräfte werden aus dem Ruhestand zurückgeholt, um Spitzen zu setzen. Andere Regierungseinrichtungen stellen Personal – darunter auch die Nationalgarde. Alles, um das Vakzin möglichst schnell zu verimpfen und den USA so eine baldige Rückkehr zu Normalität zu ermöglichen. Der Impfstoff, so Biden in Houston, sei „eine Dosis Hoffnung“. Nun soll sie sich bald erfüllen.

Die Rubrik „Wirtschaft von oben“ entsteht in Kooperation mit LiveEO – einer Beteiligung der DvH Ventures. Die Handelsblatt Media Group ist Teil der DvH Medien, zu der auch DvH Ventures gehört.

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