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Abgas-Test WLTP Wie transparent sind Autobauer bei den neuen Verbrauchswerten?

WLTP: Neue Verbrauchswerte oft nicht transparent Quelle: Daimler

Ab September müssen alle Neuwagen in der EU nach dem neuen Messverfahren WLTP getestet werden. Doch mit der transparenten Kommunikation der neuen Verbrauchswerte gegenüber dem Kunden tun sich viele Autobauer schwer.

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Jürgen Stackmann hatte allen Grund zur Freude. 3,12 Millionen weltweit verkaufte Volkswagen im ersten Halbjahr konnte der Vertriebsvorstand verkünden, nochmals 6,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Im Mai kamen, so Stackmann, die fünf besten Modelle bei den deutschen Neuzulassungen von VW. Beim Ausblick verfliegt die Freude jedoch wieder. „Das zweite Halbjahr wird deutlich herausfordernder werden“, sagt der VW-Vorstand. „Die Umstellung auf das WLTP-Prüfverfahren wird voraussichtlich in einigen Modelllinien in Europa zu zeitlichen Verschiebungen führen.“

WLTP – diese vier Buchstaben reichen in diesen Tagen aus, um gestandenen Automanagern die Laune zu verderben. Der neue Prüfzyklus „Worldwide Harmonized Light Vehicle Test Procedure“ wird im September für sämtliche Neuwagen bindend. Hat ein Modell bis dahin noch kein WLTP-Zertifikat, muss es vorläufig aus dem Programm genommen werden – egal es die Schadstoff-Grenzwerte einhält oder nicht. Die WLTP-Verbrauchsangaben sollen realistischer sein und damit in der Regel auch deutlich höher. Um bis zu 20 Prozent werden die Werte steigen, schätzt etwa der Verband der Automobilhersteller (VDA).

Die höheren Werte haben zwei Gründe: Zum einen ist das Fahrprofil des Normtests realitätsnäher, es wird stärker beschleunigt und schneller gefahren als bei dem NEFZ-Test. Zum anderen werden jetzt auch Sonderausstattungen beim Verbrauchstest berücksichtigt. „Mithilfe des WLTP lässt sich darstellen, welche Auswirkungen individuelle Konfigurationen wie zum Beispiel das Gewicht, die Aerodynamik oder der Rollwiderstand eines Fahrzeuges auf die Abgaswerte und den Verbrauch haben“, sagt Matthias Loebich, globaler Leiter Automotive bei der Unternehmensberatung BearingPoint.

Sprich: Es reicht nicht mehr aus, eine einzige Verbrauchsangabe für ein bestimmtes Modell zu machen. Die Klimaanlage verbraucht Energie, das schicke Glas-Panoramadach erhöht das Gewicht, die Sportreifen auf großen Alufelgen den Rollwiderstand – all das fließt künftig in den Normverbrauch mit ein. Alleine bei Stackmanns Bestseller, dem VW Golf, kommen so rein rechnerisch über zwei Millionen mögliche Kombinationen zusammen, die der Kunde bestellen kann. Sie alle benötigen eine individuelle Verbrauchsangabe.

Die Autos technisch anzupassen und WLTP-konform zu machen ist das eine, die Kommunikation der neuen Verbrauchswerte zu potenziellen Käufern das andere. Doch wie kann ein Kunde herausfinden, wie hoch der Normverbrauch seines persönlich zusammengestellten Traumwagens wirklich ist? „Die Online-Konfiguratoren auf den Webseiten der Automobilhersteller sind wahrscheinlich die wichtigste Plattform, um bestehende und potenzielle neue Kunden zu informieren“, sagt Loebich. „Sie zeigen auch, dass das Unternehmen eine transparente Kommunikation von CO2- und Verbrauchsinformationen unterstützt.“ Eine BearingPoint-Auswertung von 19 Automarken in 14 europäischen Ländern, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt, zeigt: Alle Marken haben begonnen, Transparenz hinsichtlich WLTP zu schaffen. Beim Stand der Umsetzung gibt es allerdings große Unterschiede.

Diese Autos sind WLTP zum Opfer gefallen
BMW M3 Quelle: BMW
BMW M550i Quelle: BMW
BMW Siebener Quelle: BMW
BMW X5 Quelle: BMW
BMW X6 Quelle: BMW
BMW 430i xDrive Quelle: BMW
BMW 6er Gran Coupé Quelle: BMW

- Nur eine der 19 Marken weist bereits in den 14 untersuchten Ländern die Verbrauchs- und CO2-Angaben nach dem WLTP aus – in Deutschland sind es 13 Marken.
- Ebenfalls nur ein Autobauer hat seinen Online-Konfigurator um eine Funktion ergänzt, die den Unterschied von CO2- und Verbrauchswerten bei der Auswahl verschiedener Autoreifen anzeigt – in Deutschland bieten fünf Marken diesen Service.
- Wiederum nur eine Marke zeigt in allen untersuchten Ländern zu Beginn der Online-Konfiguration Bandbreiten für Emission und Verbrauch an und informiert somit, welche Konfigurationen generell mehr oder weniger Emissionen mit sich bringen. In Deutschland haben dies ebenfalls bereits fünf Marken umgesetzt.

BearingPoint ist bei der Auswertung eine Reihe von Ländern aufgefallen, bei denen der Umsetzungsstand zum Zeitpunkt der Erhebung relativ niedrig war. Hierbei handelt es sich um die Schweiz, Spanien, Griechenland, Italien, Frankreich und Portugal.

In einem Punkt ist Deutschland sogar Vorreiter: Hierzulande haben alle Marken eine Anzeige der Energieeffizienzklasse umgesetzt – allerdings ist das seit dem 1. Dezember 2011 in Deutschland gesetzliche Vorschrift. In den anderen untersuchten Ländern sind die mit A bis F gekennzeichneten Energieklassen unwichtig: Kein einziger Hersteller bietet diese Anzeige in allen 14 Ländern an.

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