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Abgas-Vorwürfe gegen Porsche Der Trick mit dem Lenkrad

Porsche und Audi stehen im Verdacht, Verbrauchswerte mit der sogenannten Lenkraderkennung manipuliert zu haben. Der Trick ist simpel, aber effektiv. Das Kraftfahrtbundesamt ermittelt bereits.

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Porsche Panamera 4 e-Hybrid Quelle: Porsche

Ein geringer Verbrauch von Kraftstoff ist nur selten das entscheidende Argument für den Kauf eines Autos der Marke Porsche. Trotzdem sollten die Verbrauchsangaben legal zustande gekommen sein. Daran gibt es offenbar erhebliche Zweifel.

Wegen des Verdachts von Täuschungen hat das Bundesverkehrsministerium jedenfalls eine Untersuchung durch das Kraftfahrtbundesamt (KBA) angeordnet. „Das KBA prüft gegenüber Porsche den Sachverhalt bezüglich der sogenannten Lenkradkennung“, bestätigt ein Sprecher. Um welche Modelle es geht, ist bisher nicht bekannt.

Wie Beteiligte berichteten, haben Porsche-Insider das Ministerium auf die Spur gebracht. Die Beamten hätten Vertreter des Unternehmens zunächst befragt. Da diese offenbar nicht alle Zweifel ausräumen konnten, beauftragten sie das KBA mit einer detaillierteren Untersuchung. Porsche wollte sich zunächst zu dem Vorgang nicht äußern.

Welche Schadstoffe im Abgas stecken

Nach der Vorab-Meldung der WirtschaftsWoche in der vergangenen Woche bestätigte der Autobauer zwar die Verwendung der Lenkerkennung. Diese werde jedoch nicht verwendet, um am Prüfstand Abgaswerte zu manipulieren, sagte ein Sprecher. Dies gelte sowohl für den von Audi entwickelten V6 TDI im Porsche-Geländewagen Cayenne als auch für sämtliche anderen Porsche-Modelle.

Für Autobauer, die Abgaswerte bei Tests nach unten drücken wollen, ist die Lenkradkennung eine feine Sache. Mit ihrer Hilfe können Fahrzeuge erkennen, ob sie sich auf der Straße oder im Testbetrieb auf einem Rollenprüfstand befinden. Auf Letzterem wird das Auto beschleunigt, aber nicht gesteuert. Manipulierte Autos können dann automatisch in einen speziellen Modus schalten, in dem sie weniger Sprit verbrauchen und weniger Kohlendioxid (CO2) ausstoßen.

Der Zufall half mit

Als bei einem US-Prüfstandstest ein Ingenieur der kalifornischen Umweltbehörde Carb aus Versehen am Lenkrad drehte, sollen die Messwerte dramatisch gestiegen sein. Bei Folge-Tests ergab sich ein Muster: Dreht der Fahrer das Lenkrad um mehr als 15 Grad, wird die sogenannte „Aufwärmstrategie“ abgeschaltet und der Wagen wechselt in das Standard-Schaltprogramm. Im Normalbetrieb sind Verbrauch und Emissionen deutlich höher.

Porsche erklärt seine Lenkraderkennung wie folgt: Die Daten über die Lenkbewegungen werden grundsätzlich für die Schaltstrategie der Automatik genutzt. Das sei beispielsweise bei sportlichen Fahrzeugen wichtig, um ungewollte Schaltvorgänge in dynamisch gefahrenen Kurven zu verhindern. Diese Technik werde jedoch nicht zur Manipulation an Prüfständen eingesetzt.

Im November hat das Ministerium wegen eines solchen Verdachts bereits eine Untersuchung von Audi-Modellen in Auftrag gegeben. Über diese Vorgänge hatte zuerst die „Bild am Sonntag“ berichtet.

Die Zeitung beruft sich dabei nicht nur auf Untersuchungen der kalifornischen Umweltbehörde Carb aus dem Sommer, sondern auch auf Abschlussprotokolle einer Erprobungsfahrt in Südafrika. Laut diesem Dokument soll Axel E., zu jener Zeit Leiter Antrieb bei Audi, nach dem Stand beim „zyklusoptimierten Schaltprogramm“ gefragt haben. Seine Vorgabe: Das „Schaltprogramm soll so ausgelegt werden, dass es auf der Rolle zu 100 Prozent aktiv ist, beim Kunden aber nur in 0,01 Prozent.“ E. leite inzwischen die Aggregateentwicklung des Volkswagen-Konzerns, so die BamS weiter.

Die Abgas-Tests in Deutschland und Europa

Betroffen sind bei Audi vor allem die leistungsstärkeren Modelle, die mit dem Stufenautomatik-Getriebe mit der internen Bezeichnung „AL 551“ ausgerüstet sind – dieses soll bis Mai 2016 mit der besagten Prüfstandserkennung ausgeliefert worden sein. Mit anderen Worten: Dieses Mal hängt der Betrugsvorwurf nicht an einem Motor, sondern am Automatikgetriebe – das auch bei Benzinern verbaut wurde. Das würde bedeuten, dass der Skandal, bei dem es bislang um den Ausstoß des Schadstoffs Stickoxid bei Dieselwagen ging, eine neue Dimension erhalten würde.

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