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Autohandel in Deutschland "Wir bekommen amerikanische Verhältnisse"

Autoprofessor Willi Diez spricht vom "großen Fressen": Familiengeführte Betriebe sterben aus, stattdessen bestimmen Mega-Dealer mit Milliardenumsätzen den deutschen Autohandel. Auch die Hersteller ziehen sich zurück.

Kleine Autohändler haben es laut einer Studie immer schwerer, gegen große Händlergruppen zu bestehen. Quelle: dpa

In Deutschland gibt es immer schneller immer weniger Autohändler. Nach Berechnungen des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Geislingen wird die Zahl der wirtschaftlich und rechtlich selbstständigen Automobilhändler in diesem Jahr auf 7400 Unternehmen sinken – 400 weniger als im Vorjahr. Für 2020 rechnet IFA-Direktor Professor Willi Diez sogar nur noch mit 4500 selbstständigen Betrieben.

Treiber dieser Entwicklung sind vor allem die großen Automobilhandelsgruppen, die durch Übernahmen stark expandieren. Besonders die ganz großen Händler waren und sind auf Einkaufstour. Beispielsweise die Emil Frey Gruppe in Stuttgart, die AVAG in Augsburg sowie die Dello-Gruppe in Hamburg.

Die größten Autohändler in Deutschland

Für Diez kommt diese Entwicklung nicht überraschend. „Der stagnierende Gesamtmarkt, die zunehmende Konkurrenz durch Automobilbörsen im Internet und das nachlassende Werkstattgeschäft erhöhen den Druck auf die Branche“, sagt der Professor. „Wir bekommen im Automobilhandel in Deutschland zunehmend amerikanische Verhältnisse mit Mega-Dealern, die Milliarden-Umsätze tätigen und verschiedene Automobilmarken vertreten.“ Mittlerweile würden auch die Automobilhersteller erkennen, dass sie nur mit großen Gruppen ein flächendeckendes Vertriebs- und Servicenetz aufrechterhalten können.

Hersteller ziehen sich aus Niederlassungen zurück

Einen weiteren Schub im Konsolidierungsprozess erwartet das IFA-Institut auch durch den Rückzug einiger Hersteller aus dem Direktvertrieb über werkseigene Niederlassungen. Vor allem die Niederlassungen von Mercedes-Benz könnten nur von großen in- oder ausländischen Gruppen übernommen werden. Die Stuttgarter sind gerade dabei, ihre ostdeutschen Niederlassungen (Leipzig, Dresden, Magdeburg, Schwerin, Valluhn, Rostock und Upahl) an den chinesischen Vertriebspartner Lei Shing Hong (LSH) zu verkaufen.

Woraus sich der Preis eines Neuwagens zusammensetzt

„Das Bild des Automobilhandels in Deutschland verändert sich nachhaltig“, erklärt Diez: „Statt kleine, familiengeführte Betriebe werden in Zukunft professionell geführte Gruppen den Automobilhandel in Deutschland bestimmen.“

Für die Kunden bringt die Entwicklung gleichermaßen Vor- wie Nachteile. Die großen Mehrmarken-Händler bieten eine größere Auswahl und haben mehr Modelle zum Anschauen und Testen vor Ort. Sie lassen sich jedoch vorzugweise in mittelgroßen bis großen Städten nieder. In ländlichen Gegenden dürfte die Zahl von Händlern in kleinen Gewerbegebieten weiter sinken. Für sie rentiert sich das Geschäft nicht mehr.

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Dabei spielt auch die wachsende Zahl an Modellen eine Rolle, die die Hersteller im Portfolio haben. Die Premiumhersteller BMW und Mercedes etwa hatte in den Neunzigerjahren nur eine Handvoll Modelle: C-Klasse, E-Klasse, S-Klasse, 3er, 5er, 7er. Heute bietet allein BMW 25 verschiedene Modelltypen an. Für kleine Händler sei diese Vielfalt kaum mehr abbildbar.

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