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  4. Knorr-Bremse: Dritter Chefwechsel in drei Jahren geht – was ist da los?

Bremsenspezialist Knorr-BremseChaostage in München

Der Lkw- und Zuglieferant Knorr-Bremse wechselt erneut seinen Chef aus. Es ist der dritte in drei Jahren. Warum kommt das Unternehmen nach dem Tod des Firmenpatriarchen Heinz Hermann Thiele nicht zur Ruhe?Christian Schlesiger 11.03.2022 - 16:14 Uhr

Der Abgang des aktuellen CEOs ist der dritte Chefwechsel bei Knorr-Bremse innerhalb von nur drei Jahren.

Foto: imago images

Eigentlich wähnten sich die Mitarbeiter in einer neuen Ära, in einer Zeit ohne Chefwechsel im Akkord. Vor gut einem Jahr verstarb Heinz Hermann Thiele überraschend, ihm gehörte die Mehrheit an dem Bremssystemspezialisten Knorr-Bremse. Keine Entscheidung wurde getroffen, ohne dass er sein Okay dazu gab. Und im Laufe seiner beeindruckenden Karriere hat er so manchen Chef verschlissen. Missfiel ihm ein Top-Manager, wurde er geschasst – es traf sehr viele.

Jan Mrosik kam im Januar 2021 von Siemens zu Knorr-Bremse und es schien, als wäre er nach dem Tod Thieles ein Mann für längere Zeiten. Nicht einmal ein Flop im Sommer 2021 kostete ihn seinen Job. Seit Freitag ist klar, dass Mrosik den Bremsenspezialisten allerdings Ende April auch schon wieder verlassen wird. Die Trennung erfolge „im besten Einvernehmen“, heißt es offiziell von Unternehmensseite. Mrosiks Abgang ist der dritte Chefwechsel bei dem MDax-Unternehmen innerhalb von nur drei Jahren.

Die Chaostage bei dem Münchener Unternehmen lassen Zweifel aufkommen, ob der Aufsichtsrat und sein Chef Klaus Mangold die Lage noch im Griff haben. Der ehemalige Daimler-Vorstand Mangold hat nach dem Tod Thieles die Kontrolle zunehmend an sich gezogen, besuchte Kunden und ließ die Unternehmensstruktur von Knorr-Bremse von der Beratung McKinsey auf den Prüfstand stellen. Viele Führungskräfte im Unternehmen hat das irritiert.

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Ruhe konnte Mangold jedenfalls nicht vermitteln. Ende vergangenen Jahres verließ bereits der Chef der Lkw-Sparte Peter Laier das Unternehmen. Mrosik hatte die Position dann interimsmäßig übernommen – und offenbar keine glückliche Figur gemacht.

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von Christian Schlesiger

Mrosik wirkte nie so, als wäre er bei Knorr-Bremse wirklich angekommen, heißt es aus dem Unternehmen. Dem Manager fehlte von Anfang an ein Netzwerk, die Coronapandemie und der Homeoffice-Modus verstärkten die Situation. Der frühere Chef der Siemens-Division Digitale Industrie wirkte isoliert. Er fand in Mangold zunächst zwar einen Sparringspartner, aber das Teamwork funktionierte nicht immer reibungslos. Ein gemeinsames Projekte scheiterte grandios: Im Sommer 2021 stand der Autozulieferer Hella zum Verkauf. Mrosik und Mangold waren offenbar so begeistert von den Hightech-Produkten des Unternehmens aus Niedersachsen, dass sie eine Offerte in Erwägung zogen.

Der Plan sickerte durch, dann zog das Knorr-Bremse-Management die Bremse. Der Aktienkurs krachte ein, über Nacht wurden drei Milliarden Euro Wert vernichtet, der Kurs hat sich bis heute nicht erholt. Er liegt inzwischen sogar viel tiefer.

Mrosiks Abtritt könnte zumindest eine neue Ära einleiten. Das Unternehmen besteht aus den beiden Bremssystem-Sparten für Nutzfahrzeuge und für Züge. Beide Geschäftsbereiche agieren weitestgehend autark mit einer stark ausgeprägten eigenen Unternehmenskultur. Viele Entscheidungen werden innerhalb der beiden Bereiche getroffen. Unter der Führungshand von Heinz Hermann Thiele haben sich beide Teile erfolgreich entwickelt. Erstaunlich war daher schon immer, dass Thiele vor allem auf externe Manager für den Chefposten setzte. Es gibt Anzeichen, dass sich das ändern könnte. Der Aufsichtsrat hat entschieden, Bernd Spies, den Chef der Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahrzeuge, in den Vorstand zu holen.

Ob der künftige Knorr-Bremse-Chef von innen oder von außen kommen wird, ist unklar. Der Aufsichtsrat habe die Suche nach einem Nachfolger eingeleitet, heißt es offiziell. Der Neue müsse in der Lage sein, auf die „krisenhafte Entwicklung der Weltwirtschaft“ und „die enorme Dynamik der Märkte“ Antworten zu finden. Mrosik traute man das offenbar nicht zu. Den Vorstandsvorsitz übernimmt zunächst Finanzvorstand Markus Weber – auch er kam vor nicht allzu langer Zeit von außen.

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