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ChinaWas die Autobauer am Kuka-Deal nervös macht

Im Wirbel um Chinas Gebot für Roboter-Hersteller Kuka hat Wirtschaftsminister Gabriel Kritik zurückgewiesen: Er organisiere kein Alternativgebot. Warum Chinas Griff nach Kuka für Alarm sorgt – auch in der Autoindustrie.Martin Seiwert 03.06.2016 - 15:07 Uhr

Roboter der Firma Kuka arbeiten im VW-Werk in Wolfsburg.

Foto: dpa

Es gibt viele Fronten in der globalen Autoindustrie - hunderte kleine zwischen den Herstellern und eine ganz große: Die zwischen den etablierten Autobauern und ihren chinesischen Konkurrenten.

So attraktiv China als weltgrößter Autoabsatzmarkt für den Westen ist, so bedrohlich ist zugleich die dortige Autoindustrie für Volkswagen, General Motors, Toyota und Co. Denn die Chinesen stehen kurz davor, auf Augenhöhe mit dem Westen Autos zu bauen und zu mächtigen Wettbewerbern auf dem Weltmarkt heranzureifen.

Nur so ist zu erklären, dass Ingenieurdienstleister für Konkurrenzbeobachtung, die sämtliche Autos am Markt auseinanderschrauben und dann in allen Verästelungen analysieren, ihre Ergebnisse oft nur an westliche Autokonzerne verkaufen können. Chinesische Firmen, so verlangen die Kunden aus Deutschland, Frankreich und USA, müssten außen vor bleiben.

Deshalb sorgt der jüngste Griff chinesischer Konzerne nach Kuka und anderen deutschen Unternehmen für Alarmstimmung in der deutschen Autoindustrie. Kuka-Roboter etwa gehören zur Standard-Ausstattung von Autowerken. Die Autohersteller treibt aber weniger die Sorge um, dass die Roboter künftig aus China kommen könnten. In einer Industrie, in der rund 80 Prozent der Wertschöpfung auf Produkte von Zulieferern entfallen, ist weltweite Beschaffung Normalität.

Gehen sensible Daten nach China?

Was die Autobauer nervös macht, ist die Tatsache, dass über das Internet vernetzte Produktionsmaschinen – nichts anderes ist Industrie 4.0 – intime Einblicke in die Produktion zulassen.

Sigmar Gabriel

"Organisiere kein Alternativgebot für Kuka"

Tausende Kuka-Roboter in den Autofabriken dieser Welt, die ständig an Daten über Produkte und Produktion, über Stückzahlen und Qualität, an Kuka übermitteln, sind der perfekter Seismograph einer ganzen Industrie: Wer wissen will, was in der Autobranche wirklich los ist, braucht nur einen Monitor, auf dem diese Daten zusammenlaufen.

„Vernetzte Produktionsmaschinen liefern einen beständigen Strom von Produktionsdaten an den Hersteller der Maschine“, warnt der Manager eines deutschen Mittelständlers. „Der Käufer der Maschine muss dem Hersteller vertrauen können, dass er damit keinen Unfug macht.“

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Warum Kuka-Aktionäre eine chinesische Übernahme fürchten

von Mark Fehr

Wenn das Unternehmen eines Tages mehrheitlich in chinesischen Händen sein sollte, könne es passieren, dass die chinesische Regierung oder chinesische Wettbewerber Einblicke in deutsche Autobauer bekämen, die diesen „wohl nicht sehr angenehm sind“.

Schon wurden offenbar Manager aus der Autoindustrie im Berliner Wirtschaftsministerium vorstellig und brachten ihre Angst zum Ausdruck, dass Informationen aus deutscher Autoproduktion in die Hände chinesischer Wettbewerber gelangen könnten. „Der Wirtschaftsminister macht in Berlin Veranstaltungen über die Bedeutung von Industrie 4.0“, beschwert sich ein deutscher Manager. „Die Bedeutung von Industrie 4.0 kennen wir selbst und das schon seit 15 Jahren. Wir wollen vom Minister hören, wie Firmen vor solchen gefährlichen Datenlecks rechtlich geschützt werden können.“

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Kuka hat erkannt, wie sensibel das Thema für die Autoindustrie ist, die trotz eines sinkenden Umsatzanteils noch immer der wichtigste Abnehmer des Roboterbauers ist. Es ändere sich auch bei einer mehrheitlichen Übernahme durch eine chinesische Firma nichts am bisherigen Umgang mit Daten, heißt es im Unternehmen.

Keine Einblicke in die Produktion

Nur weil eine Firma Anteilseigner sei, habe sie „noch lange keinen Zugriff auf alle Daten.“ So habe schließlich auch der Großaktionär Voith keinen Zugang zu den Kuka-Daten aus Fabriken der Kunden.

Die Autobauer kennen bei dem Thema jedenfalls keinen Spaß. Das bekommen selbst deutsche Firmen zu spüren. Der Schaltschrankhersteller Rittal darf, wie Kuka, von sich behaupten, in den unzähligen  Autofabriken mit seinen Produkten vertreten zu sein. Internetschnittstellen haben die Schaltschränke aus Hessen schon lange, doch die Autobauer untersagen Rittal den Online-Zugriff aus Angst vor unerlaubten Einblicken in die Produktion.

Über eine Online-Anbindung könnte Rittal feststellen, wann Wartungen der Schaltschränke nötig sind und könnte sie auch gleich online ausführen. Davon wollen die Autobauer aber nichts wissen. Sie leisten sich lieber Offline-Schaltkästen, die viel öfter als nötig von anreisenden Rittal-Technikern gewartet werden.

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