Conti-CFO Olaf Schick: „Wir spüren Aufbruchstimmung bei Automotive und bei Continental“
Hat gut lachen: Olaf Schick, Finanzvorstand von Continental, bekam vom Aufsichtsrat die Genehmigung für sein großes Projekt - die Abspaltung der Autosparte
Foto: Moritz Frankenberg/dpaWirtschaftsWoche: Herr Schick, der Aufsichtsrat hat die Abspaltung des Autogeschäfts genehmigt. Allerdings war dessen Marge mit zuletzt bereinigt 2,3 Prozent doch noch recht schwach. Wie soll die Autosparte da in der Eigenständigkeit überleben?
Olaf Schick: Entscheidend war, dass wir das Jahr 2024 gut abschließen und wir die Marge von Automotive Quartal für Quartal verbessern. Das ist uns gelungen. Auch der Cash-Beitrag ist positiv. Das zeigt, dass die Autosparte operativ Geld verdient. Darüber hinaus wird Automotive bis zum Spin-off über Barmittel in Höhe von 1,5 Milliarden Euro verfügen, ergänzt um eine Kreditlinie im Umfang von 2,5 Milliarden Euro. Die Verträge mit den Banken sind bereits unterschrieben. Damit verfügt Automotive im Vergleich zum Wettbewerb über eine sehr gute Bilanz. Es läuft also alles nach Plan. Die Abspaltung ist der richtige Schritt.
Die Schulden werden allerdings bei Conti verbleiben – also beim Reifen- und Industriegeschäft. Kann der Konzern das schultern?
Zunächst ist es richtig, dass die Schulden bei Continental verbleiben werden – Automotive nimmt aber unter anderem die Pensionslasten für die eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit. Trotzdem muss Continental keine neuen Schulden wegen des Spin-offs aufnehmen. Zuletzt haben wir die Nettoschulden sogar zurückgefahren. Das ist eine sehr gute Ausgangssituation.
Aber Sie geben Automotive 1,5 Milliarden Euro Cash mit…
Nicht ganz – denn es ist ja auch schon etwas da, was man heute schon Automotive zuordnen kann. Fakt ist: Beide Unternehmensteile werden am Ende eine solide Bilanz und ausreichend Liquidität haben. Für Continental streben wir ein Rating wie heute im Bereich Investment Grade an. Schließlich ist das Reifen- und Industriegeschäft margen- und cashstark. Wichtig für Continental ist auch: Es gibt nach der Abspaltung keine Nachschusspflicht.
Für den Start ist alles vorbereitet – aber trotzdem schwächeln die Automärkte gerade insbesondere im für Continental wichtigen Markt Europa – und erstmal sind die Aussichten nicht besser. Was, wenn der Markt nicht wieder anspringt?
Tatsächlich erwarten wir für das laufende Jahr 2025 im Autobereich kein großes Wachstum. In einem äußerst schwierigen Marktumfeld sehen wir eine Ergebnisverbesserung aus eigener Kraft und der Cash-Beitrag wird weiterhin positiv bleiben. Wir haben vieles selber in der Hand.
Haben Sie da ein Beispiel?
2024 haben wir 200 Millionen Euro im Verwaltungsbereich eingespart. Den Effekt haben wir fortan Jahr für Jahr. On top kommen 2025 nun weitere 200 Millionen Euro aus diesem Programm. Dank seines Technologieportfolios kann Automotive zudem schneller wachsen als der Markt für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge. Wenn dieser Markt wieder anspringt, dann haben wir zusätzlichen Rückenwind. Zudem haben wir die Kapitalausstattung als Sicherheitspuffer. Glauben Sie mir: Automotive ist jetzt reif genug, in die Eigenständigkeit zu gehen. Und dazu spüren wir Aufbruchstimmung bei Automotive und bei Continental.
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