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Das Versprechen des Herbert Diess „Der Preis für Mobilität wird unter das heutige Niveau fallen“

Das Volkswagen-Elektroauto ID.4 zeigt, wohin die Reise gehen soll: VW setzt stark auf den E-Antrieb. Quelle: dpa

Für Volkswagen ist die Zukunft elektrisch, autonom – und günstig. Spätestens 2025, so ist zu hören, will VW E-Autos zu niedrigeren Kosten bauen als vergleichbare Verbrenner-Modelle. Kann das gelingen?

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Der Ausblick auf die Strategie des VW-Konzerns am Dienstag bot Bekanntes: Für Volkswagen ist die Zukunft elektrisch und autonom. Das gilt allerdings nicht nur nach wie vor, sondern mehr denn je.

Allein bis 2025 steckt Volkswagen die schwer vorstellbare Summe von 73 Milliarden Euro in die Entwicklung dieser Zukunftstechnologien, das ist die Hälfte aller Investitionen des Konzerns. Was die Wolfsburger an dieser Zukunft fasziniert, ist der Markt, der da heranwächst: Von 10 auf 100 Milliarden Dollar wächst nach Überzeugung von Volkswagen das Geschäft mit Mobilitätsdienstleistungen bis 2030 – aber eben nur, wenn der elektrische Antrieb und das autonome Fahren so kommen, wie geplant.

Kein Megamarkt aber ohne Kunden. Sie müssen elektrisch und autonom unterwegs sein wollen, sonst geht die Rechnung nicht auf. Damit die Kunden mitziehen, muss vor allem eines stimmen: der Preis. Warum müssen Elektroautos so teuer sein, fragen sich viele Kunden. Und in der Politik beklagen viele, Elektromobilität sei bloß ein Thema für eine reiche Avantgarde von Tesla-Fahrern, dabei müsse Mobilität doch vor allem bezahlbar sein. Hier ging Volkswagen bei dem Strategietag über bekannte Positionen hinaus. VW-Chef Herbert Diess versprach: E-Autos und autonomes Fahren werden bezahlbarer sein als die heutige Verbrenner-Mobilität.

Schon heute sind E-Autos in der Gesamtkostenbetrachtung, die etwa Kaufpreis, Wertverlust, Betriebskosten oder Wartung einschließt, oft günstiger als Verbrenner-Modelle, wie der große E-Auto-Check von WirtschaftsWoche und ADAC zeigt. Der Kaufpreis für E-Boliden liegt aber bis zu 50 Prozent über der Verbrenner-Konkurrenz. Hier dürfte bald einiges in Bewegung kommen, geht es nach Diess. „Das Elektroauto wird dank Skaleneffekten und der Fortschritte in der Batterietechnologie mit der Zeit immer günstiger“, sagt er. Und: „Der Preis für Mobilität wird unter das heutige Niveau fallen.“

Spätestens 2025, so ist im Konzern zu hören, will VW E-Autos zu niedrigeren Kosten bauen als vergleichbare Verbrenner-Modelle. Das sind neue Töne, beklagen sich doch die Autobauer seit Jahren, dass die Elektroautos so teuer in der Herstellung seien, dass sie – trotz hoher Preise – keine Gewinne abwerfen. Mit seiner Aussage fährt Diess nun all jenen Autobauern in die Parade, die aufgrund geringerer Skaleneffekte und technologischem Rückstand die Kosten nicht derart drücken können wie VW.

Zu den niedrigeren Produktionskosten kommen laut Diess weitere Kostenvorteile im Betrieb: „Die Energieeffizienz von E-Autos ist sehr viel größer“, sagte Diess – sprich: Sie brauchen weniger Energie, was sich in einer Welt mit strengen Klimaschutzvorgaben bei den Kosten auszahlen sollte. Und: „In vielen Regionen der Welt ist elektrische Energie schon heute günstiger als Benzin.“

Die gleiche Kostenlogik wie beim Elektroantrieb sieht Volkswagen bei der anderen großen Zukunftstechnologie. „Das autonome Fahren wird mit der Zeit erschwinglicher“, sagte Diess. „Dank Software, gefahrener Kilometer und anteilig geringerer Kosten für Silizium in Computerchips wird das autonome Fahren relativ günstig. Autonomes Fahren wird zum Massenmarkt.“ Das allerdings dürfte erst ab 2030 eintreten – davor wird es nur einzelne solcher Modelle im Konzern geben, die eher im Premium-Bereich angesiedelt sind.

Ein Volkswagen-Konzern, der heute niedrigere Kosten bei den E-Autos verkündet, dürfte es morgen schwer haben, nach Kaufprämien für E-Autos zu rufen. Das weiß Herbert Diess natürlich. Offenbar kann er es sich leisten.

Diess‘ Ankündigung niedrigerer Kosten heißt nicht anderes als: Volkswagen braucht die Kaufprämien bald schon nicht mehr, das E-Auto ist auch so wettbewerbsfähig. Würde man, sagen Konzern-Vertreter hinter vorgehaltener Hand, das Steuerprivileg des Diesels abschaffen, das den Staat jährlich rund acht Milliarden Euro koste, würde der Verbrenner an Attraktivität verlieren und das E-Auto weiter gewinnen. Dann wäre es überhaupt kein Problem, wenn die staatliche Prämie für E-Autos entfalle.

Mit E-Autos könnte das Autofahren günstiger werden. Das ist doch mal ein interessantes Ergebnis des Wolfsburger Strategietags. Jetzt muss Volkswagen nur noch liefern.

Mehr zum Thema: Seit elf Jahren misst der Index EVI von McKinsey und der WirtschaftsWoche, welche Länder beim E-Auto führend sind. Deutschland war lange nicht vorne. Das ändert sich gerade: Die Deutschen können Elektro

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