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Durchsuchungen und Strafen So werden Autobauer in China unter Druck gesetzt

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Nicht nur Autobauer im Visier

Noch in der vergangenen Woche hatte Daimler bekannt gegeben, von nun an Ersatzteile 15 Prozent günstiger zu verkaufen. Kurz davor hatten Jaguar, Mercedes Benz und Audi die Preise für Ersatzteile gesenkt.

Die Gesetzesänderung war also schon beschlossen, die Autohersteller reagierten bereits mit der Ankündigung, die Preise zu senken. Warum also noch eine Untersuchung? Die medienwirksame Kampagne dürfte noch einen anderen Hintergrund haben:

Daimler ist nicht der erste ausländische Konzern, der solchen Vorwürfen ausgesetzt ist. Seit 2008 gilt in China ein "Anti-Monopol-Gesetz", das auch darauf abzielt, ausländische Konzerne daran zu hindern, ihre Produkte auf dem chinesischen Markt teurer anzubieten als auf anderen Märkten. Immer wieder stehen ausländische Unternehmen in den chinesischen Staatsmedien in der Kritik. Verschärft hat sich die Lage mit dem Amtsantritt von Xi Jinping.

Prozesse treiben bizarre Blüten

Auch Microsoft und der amerikanische Chip-Hersteller Qualcomm gerieten vergangene Woche in die Kritik. Am drastischsten traf es bisher den britischen Pharma-Riesen GlaxoSmithKline im vergangenen Sommer. Dessen Top-Management ist angeklagt, über ein gigantisches Bestechungsnetzwerk geherrscht zu haben. Gegen Geldgeschenke sollen chinesische Ärzte dazu gebracht worden sein, Medikamente von GSK zu verschreiben.

Größte ausländische Autohersteller in China

Oft, aber nicht immer, sind die Vorwürfe berechtigt. Doch stets wird die Verurteilung medienwirksam inszeniert. Das Staatsfernsehen CCTV berichtet darüber zur besten Sendezeit. Dem Volk soll so erklärt werden: Seht her, wir tun etwas gegen ausländische Konzerne!

Mitunter treibt der mediale Pranger aber auch bizarre Blüten. So wurde die Kaffeehaus-Kette Starbucks in den Staatsmedien beschuldigt, ihren Kaffee teurer zu verkaufen als in anderen Ländern. Davon, dass die höheren Preise an Importzöllen und höheren Transportkosten liegen könnten, war nicht die Rede.

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Nicht selten dienen die Kampagnen dazu, vom Versagen inländischer Unternehmen abzulenken. Erst Ende Juli kam in China ein gewaltiger Gammelfleisch-Skandal ans Licht. Shanghai Husi hatte abgelaufenes Fleisch jahrelang an Fastfood-Ketten wie McDonalds und KFC geliefert. Auch, dass die chinesische Regierung auf zahlreiche ausländische Produkte eine "Luxussteuer" von bis zu 30 Prozent erhebt, und so ihre eigenen Bürger kräftig zur Kasse bittet, wird im Staatsfernsehen eher selten erwähnt.

Bisher aber trüben diese Anschuldigungen den Appetit chinesischer Konsumenten auf westliche Produkte kaum: Allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres wurden 14 Prozent mehr Autos verkauft als im Vorjahreszeitraum - die meisten davon sind ausländische Marken.

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