Durchsuchungen und Strafen So werden Autobauer in China unter Druck gesetzt

In China werden die Büroräume von Daimler durchsucht. Audi und Chrysler sollen Strafe zahlen. Was hinter dem drastischen Vorgehen chinesischer Behörden gegen deutsche Autobauer steckt.

Ein Mercedes-Benz-Händler in Shanghai. Deutsche Autobauer sind schon mehrfach Opfer von Chinas Anti-Monopol-Gesetz geworden Quelle: REUTERS

Bei Daimler in Shanghai dürfte die Aufregung groß gewesen sein. Am Montagmorgen standen neun chinesische Beamte vor der Tür. Sie wollten die Büroräume durchsuchen und mit einigen Mitarbeitern Gespräche führen. Der Autobauer stehe im Verdacht, "monopolistisch gehandelt zu haben". Ein Kommentar dazu wollte Senol Bayrak, Pressesprecher für Daimler in China, erst einmal nicht abgeben.

Dafür sagte Li Pumin, Sprecher der National Development and Reform Commission (NDRC), auch Audi, Chrysler und zwölf japanische Hersteller von Autoteilen werden untersucht. Die beiden Premium-Autohersteller werden ebenfalls beschuldigt, ihre Produkte zu teuer an chinesische Konsumenten verkauft zu haben.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Die Vorwürfe beziehen sich vor allem auf den Ersatzteilmarkt. Hier würden von den Autoherstellern kontrollierte Händler Teile weit über dem Marktpreis an Kunden verkaufen.

Aus der Luft gegriffen sind die Vorwürfe nicht. "Tatsächlich sind die Preise monopolistisch erhöht", sagt Jochen Siebert von der Unternehmensberatung JSC in Shanghai. "Allerdings hat die Regierung diese Situation selbst herbeigeführt."

Hohe Importzölle und Steuern

2005 verpflichtete Peking die internationalen Autohersteller, Ersatzteile nur von vorher lizensierten Händlern verkaufen zu lassen. So wollte man Qualitätsstandards in diesem Markt sichern. Damals wurden aber noch rund 80 Prozent aller Fahrzeuge an Regierungsbehörden verkauft - ein professioneller Ersatzteilmarkt war nicht notwendig. Daraus ergab sich eine quasi-monopolistische Situation. "Bei Teilen, die auch in freien Werkstätten verkauft werden dürfen, ergab sich ein Preisunterschied von 100 Prozent", sagt Experte Siebert. "und das bei identischen Teilen." Gleichzeitig entwickelte sich ein Schwarzmarkt für gefälschte Ersatzteile.

Diese Autos kaufen Chinesen am liebsten
Platz 10: VW PassatEin Passat „nur“ auf dem zehnten Platz in der Zulassungsstatistik – in Deutschland undenkbar. Dennoch kann sich der Erfolg der NMS-Version des Passats (New Midsize Sedan), die in den USA und China verkauft wird, sehen lassen: Im ersten Halbjahr kam der Passat in China auf  135.954 Neuzulassungen. Zum Vergleich: In Deutschland kam der Passat, trotz oder wegen des anstehenden Modellwechsels ,in der Statistik von Januar bis Juni hinter dem Golf auf den zweiten Platz – allerdings reichen dafür hierzulande gerade einmal 35.533 Neuzulassungen. Quelle: Presse
Platz 9: Great Wall Haval H6Great Wall Motors gehört zu den größten SUV-Herstellern Chinas. Sein Bestseller ist der Haval H6, teilweise auch Hover H6 genannt. Das Kompakt-SUV ist mit 4,64 Metern etwa so groß wie ein Audi Q5. Mit  143.119  Zulassungen ist der H6 das beliebteste SUV Chinas im ersten Halbjahr 2014. Quelle: Presse
Platz 8: Nissan SylphyAb jetzt folgen nur noch die in China gefragteste Karosserieform – viertürige Stufenheck-Limousinen in allen erdenklichen Größen. Den Anfang macht auf dem achten Rang der Nissan Sylphy, der als Kompakt-Limousine für chinesische Verhältnisse geradezu klein ist. Mit 4,61 Metern ist er in etwa so lang wie hierzulande ein Golf Kombi. Im ersten Halbjahr konnte Nissan 145.214 Sylphys verkaufen. Quelle: Presse
Platz 7: Buick Excelle XTIhnen kommt der Buick Excelle XT irgendwie bekannt vor? Kein Wunder, schließlich ist es ein Opel Astra. Lediglich die Logos außen und innen wurden getauscht, ebenso der verchromte Kühlergrill – Badge-Engineering vom Feinsten. Mit dieser wohl einfachsten Art der „Modellentwicklung“ bringt es die GM-Tochter immerhin auf 147.404 Neuzulassungen. Quelle: Presse
Platz 6: VW JettaJetzt wird es etwas kompliziert: 152.621 Neuzulassungen in China gab es für den VW Jetta. Unter diesem Namen wurde auch in Deutschland jahrelang die viertürige Limousine auf Basis des Golf verkauft. Auf den aktuellen Jetta trifft das nur noch in Teilen zu. Um den Ansprüchen der amerikanischen und chinesischen Kunden zu entsprechen, übernimmt der Jetta von der Plattform des Golf VI zwar zahlreiche Teile, ist aber deutlich länger. Der Jetta wird in China allerdings auch noch unter anderen Modellbezeichnungen verkauft. Quelle: Presse
Platz 5: VW SagitarEin Beispiel dafür ist der VW Sagitar. Er entspricht zwar technisch und weitestgehend auch optisch dem Schwestermodell Jetta, wird aber nicht von VW selbst, sondern von dem Joint Venture FAW-VW zusammen mit First Automotive Works - gebaut. Und dieses formell eigenständige Unternehmen nennt seinen Jetta eben anders. Am Verkaufserfolg ändert sich wenig, der Sagitar kam im ersten Halbjahr auf 155.393  Neuzulassungen. Quelle: Presse
Platz 4: VW SantanaDer seit 2013 gebaute Santana ist eine Eigenentwicklung von Shanghai Volkswagen, speziell für den chinesischen Markt. Damit ist der Santana eines der wenigen VW-Modelle in China, das nicht auf einem bestehenden Fahrzeug basiert. Mit einer Länge von 4,47 Metern gehört der Santana zu den kleineren Limousinen. Er brachte es im ersten Halbjahr auf 161.957  Neuzulassungen. Shanghai Volkswagen ist übrigens ein weiteres VW-Joint Venture aus der Shanghai Automotive Industry Corporation und eben Volkswagen. Quelle: Presse

Ähnlich ist die Situation auf dem Neuwagen-Markt für Importfahrzeuge. Die Autohersteller argumentieren zwar, hohe Importzölle und Steuern machten sich eben im Preis bemerkbar. "Doch während Händler in Europa und den USA eigenständig reagieren können und ihre Preise weitgehend selbst festlegen, setzen in China Autohersteller den Endverkaufspreis fest", sagt Christoph Angerbauer von der Handelskammer in Shanghai.

"Die goldenen Zeiten sind damit vorbei"

Wenn sich das ändert, dürften auch die Margen mancher Hersteller auf dem mittlerweile größten Automarkt der Welt sinken. Audi verkauft beispielsweise ein Drittel seiner Wagen mittlerweile in China. "Die ganz goldenen Zeiten sind damit vorbei", sagt Angerbauer.

Vergangene Woche nun hat die chinesische Regierung bekannt gegeben, dass ab dem 1. Oktober Händler nicht mehr von den OEMs autorisiert werden müssen. Zudem sind bestehende Händler nicht mehr an bestimmte Marken gebunden, was zu mehr Wettbewerb und damit auch zu einem Preisrückgang bei Neuwagen führen dürfte. Grundsätzlich sei die Gesetzesänderung sinnvoll. Eine Arbeitsgruppe der Europäischen Handelskammer bestehend aus Automobilzulieferern drängt seit langem auf eine Abschaffung des Gesetzes. So wird auch der Schwarzmarkt für gefälschte Autoteile ausgetrocknet. Problematisch ist eher die für China typische Hauruck-Einführung. "Die Regelung wird viel zu drastisch umgesetzt", sagt Siebert.

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