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ElektromobilitätDeutsche Autohersteller geraten international zunehmend unter Druck

Von Aufholen und Angreifen ist bei den Elektroplänen deutscher Autobauer in China viel die Rede. Dabei wird die dortige Konkurrenz immer stärker – und greift auch im deutschen Markt an. 12.01.2023 - 17:00 Uhr Quelle: dpa

Symbole markieren Parkplätze mit einer öffentlichen Ladesäule für Elektroautos an einem Einkaufszentrum.

Foto: dpa

Die deutschen Anbieter von Elektroautos geraten einer Branchenanalyse zufolge im internationalen Vergleich weiter unter Druck – vor allem durch die neue Konkurrenz auch günstigerer Modelle aus China. „Im Unterschied zu Tesla und chinesischen Herstellern haben sie stärker mit Versorgungsengpässen und dem grundsätzlichen Markthochlauf zu kämpfen“, schrieb Experte Stefan Bratzel in einer am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach.

Dabei komme immer stärker zum Tragen, dass Chinas Autobauer nicht nur nach wie vor den heimischen Markt – und damit den weltweit wichtigsten – beherrschen. Sie gäben sich auch in anderen Regionen zunehmend angriffslustig und setzten auf einen Ausbau ihrer Exporte.

In China selbst erzielten inländische Anbieter im vorigen Jahr nach Erhebungen des CAM teils schwindelerregende Wachstumsraten in den E-Auto-Verkäufen. Als Beispiele nannte Bratzel BYD (184 Prozent), Leapmotor (158 Prozent) oder GAC/Aion (119 Prozent). Derweil sänken in dem Land die Marktanteile der drei deutschen Konzerne Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz, wenn man alle Antriebsarten betrachte.

Afeela E-Limousine
Bereits 2020 stellte Sony auf der CES ein neues E-Auto-Konzept vor. Zunächst blieb offen, ob der Technikkonzern damit andeuten will, unter die Autobauer zu gehen. Erst Anfang 2022 gaben die Japaner offiziell grünes Licht für ihren Einstieg als Fahrzeughersteller. Wenige Monate später wurde Honda als Kooperationspartner genannt. Das anschließend gegründete Joint Venture Sony Honda Mobility (SHM) hat nun auf der CES einen seriennahen Prototypen enthüllt und den neuen Markennamen „Afeela“ bekanntgegeben. 2026 soll die 4,90 Meter lange Limousine mit Selbstfahrtechnik, Riesendisplays und elektrischen Allradantrieb zunächst in den USA auf den Markt kommen. Mit wie viel PS, wie viel Reichweite und zu welchem Preis verrät SHM allerdings noch nicht.

Foto: Hersteller

VW ID.7
Der Afeela könnte ein ernster Konkurrent für eine weitere CES-Autoneuheit werden: Den VW ID.7, der sich auf der Technikmesse in einem Leuchtlack-Anzug präsentiert. In einem besonders aufwendigen Verfahren wurde die Elektro-Limousine mit 40 Schichten lackiert, die für einen außergewöhnlichen Blingbling-Effekt sorgen. Unter Zufuhr von Strom leuchtet die in 22 Segmente unterteilte Außenhaut nämlich farbig aus sich heraus. Mit diesen Lichtspielchen dürfte der offiziell bereits dieses Jahr in den Markt startende Wolfsburger auf der CES ein wenig zusätzliche Neugierde wecken. Außerdem hält sich VW mit dem Tarnanzug die Option offen, noch einmal medienwirksam das finale Design vorzustellen. Auch mit technischen Details hält sich VW bislang zurück. Bekannt ist, dass die Limousine bis zu 700 Kilometer Reichweite sowie ein überarbeitetes Bedienkonzept mit einer auf dem Touchscreen leichter zugänglichen Klimasteuerung bieten wird.

Foto: Volkswagen

BMW i Vision Dee
Ein ebenfalls ziemlich bunter Hund ist der BMW i Vision Dee. Es handelt sich um eine retro-futuristische Limousine, die ebenfalls über einen Außenlack mit Farbwechselfunktion verfügt. Insgesamt 32 Töne lassen sich dank dieser E-Ink-Technologie darstellen, was in Kombination nahezu unendliche Gestaltungsmöglichkeiten erlaubt. Während die bereits im letzten Jahr in einer monochromen Variante auf der CES präsentierte Farbwechsel-Technik keine Großserien-Chancen hat, dürften sich Elemente aus dem Innenraum des Dee in naher Zukunft in Modellen der Marke wiederfinden. Dazu zählt das erneut ertüchtigte Head-up-Display, das in der Studie alle konventionellen Bildschirme ersetzt und ab 2025 in Produktion geht. Dann werden BMW-Modelle mit nacktem Armaturenbrett vorfahren, bei denen alle Fahrinformationen in die Windschutzscheibe gespiegelt werden. Und das zudem über deren gesamte Breite.

Foto: BMW

RAM Revolution Concept
Pick-ups machten lange einen Bogen um die CES. Doch seitdem die mächtigen Lademeister auch elektrisch fahren, geben neue Vertreter dieser Gattung gehäufter auf der Tekkie-Show ihr Stelldichein. So wie das RAM Revolution Concept, das Ausblick auf das für 2024 erwartete Serienmodell RAM 1500 BEV gibt. Die Studie baut auf der sogenannten „STLA Frame“-Plattform mit zweimotorigem Allradantrieb sowie 800-Volt-Architektur auf. Damit sind bis zu 350 kW Ladeleistung sowie ein Nachtanken von 160 Kilometer Reichweite in 10 Minuten möglich. Aussagen zu Batteriekapazität und Reichweite macht RAM Trucks nicht. Optisch fällt die Studie durch neue Lichtgrafik samt Leuchtschriftzug „RAM“ im Kühlergrill auf. Fürs Infotainmentsystem gibt es zudem ein zweiteiliges Riesendisplay. Der untere Teil lässt sich herausnehmen, der obere verschieben.

Foto: Hersteller

Peugeot Inception Concept
Die vielleicht spektakulärste Autoneuheit der CES 2023 ist das Peugeot Inception Concept. Es handelt sich um einen fünf Meter langen GT, der sich außen wie innen futuristisch präsentiert. Doch zugleich zeigt die Studie Techniklösungen, die bereits seriennah sind oder zumindest in einigen Jahren in Serienfahrzeugen verfügbar sein werden. Noch 2023 wird der Stellantis-Konzern E-Autos auf den Markt bringen, die wie der Inception auf der „STLA Large“-Plattform basieren. Im Fall der Peugeot-Studie bietet diese Basis einen 500 kW/680 PS starken Allradantrieb sowie eine 100-kWh-Batterie, die 800 Kilometer Reichweite erlaubt. Außerdem zeigt der Inception ein neues „Steer-by-Wire“-Lenkrad namens Hypersquare. Es hat ein rechteckiges Format, einen Touchscreen in der Mitte und vier kreisförmige Zellen in den Ecken. Letztere dienen als universelle Griffe und Bedienelemente. Noch in diesem Jahrzehnt soll diese Lösung serienreif werden.

Foto: Peugeot

Modellpolitik spielt auch entscheidende Rolle

Beim Absatz reiner Stromer schneiden die Deutschen besser ab, so kamen etwa die VW-Konzernmarken 2022 in China auf ein Plus von 68,2 Prozent. Aber aus Bratzels Sicht spielt die Modellpolitik ebenso eine entscheidende Rolle: „Hinzu kommen die zahlreichen Expansionspläne und -schritte der Chinesen gen Westen, die zusätzlich das bisher schwach besetzte Klein- und Kompaktwagensegment avisieren.“

Auch bei den weltweiten Gesamtverkäufen von Elektrofahrzeugen hätten zuletzt andere die Nase vorn behalten. So habe Tesla mit mehr als 1,3 Millionen ausgelieferten E-Autos 2022 weiter deutlich in Führung gelegen, vor den beiden chinesischen Anbietern BYD und SAIC. Die Deutschen zusammen hätten gerade einmal etwas mehr reine Stromer verkauft (921.000) als BYD allein (911.000). Die VW-Gruppe landete in dieser Aufstellung in Summe auf Platz vier, BMW auf Rang sieben.

„Die Lage der deutschen Automobilhersteller ist höchst angespannt“, hieß es zusammenfassend in dem Papier. „Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz steigern zwar allesamt ihre Elektro-Auslieferungen, können jedoch bei weitem nicht mit dem Tempo der Spitzengruppe um Tesla und BYD mithalten.“ Laut Bratzel sind eine Erweiterung des Modellangebots und technische Innovationen nötig, „um ihre höheren Preise zu rechtfertigen und langfristig erfolgreich zu bleiben“.

Lesen Sie auch: Macht der viele Kohlestrom Elektroautos wirklich zu Klimakillern?

dpa
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