Elektromobilität: Warum E-Autos teurer werden und weshalb Verbrenner davon profitieren
Experten sehen die E-Auto-Ziele der Bundesregierung in Gefahr.
Foto: imago imagesTesla, Volkswagen und Co. drehen an der Preisschraube für ihre E-Automodelle. Doch damit könnte schon bald Schluss sein. Das geht aus der regelmäßigen Marktstudie des Duisburger CAR-Instituts hervor. Es drohe ein Preisschock, da der deutsche Staat zum Jahreswechsel seine Subventionen kürzt.
Statt 4500 Euro gibt es ab Januar 2024 nur 3000 Euro „Umweltprämie“ für Privatkäufer kleinerer E-Autos. Durch die langen Lieferfristen rechnen Hersteller bereits die gesenkte Prämie in ihre aktuellen Angebote ein. Die Folge: Die Rabatte für E-Autos gingen innerhalb eines Monats von 9,3 Prozent auf 8,7 Prozent zurück. Bereits ab dem 1. September 2023 könnte es gar keine Umweltprämie mehr auf Neuwagenkäufe geben. „Die Zukunft wird hart“, sagte Studienleiter und CAR-Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer Anfang August über die Situation der deutschen Autobauer.
Was bedeutet das für den Preiskampf?
Derzeit sei zwar unter anderem der VW-Konzern noch in der Lage, bestimmte Modelle innerhalb dieses Jahres zu den alten, günstigeren Förder-Konditionen zu liefern. Doch schon bald dürfte Tesla nach Dudenhöffers Einschätzung eine neue Preissenkungsrunde einläuten, was wiederum zu deutlichen Gewinneinschnitten insbesondere bei den deutschen Herstellern führen werde. Dabei überholte VW erst im Juli Tesla bei den E-Autozulassungen.
„Es ist ein Rennen, um im deutschen Automarkt zu zeigen, wer an erster Stelle steht. Und das ist nicht nur eine Frage eines Rankings, denn wer den deutschen Automarkt heute beim Elektroauto beherrscht, baut sich eine Kundenbasis auf, die langfristige die Wettbewerbsposition sichert“, beschrieb Dudenhöffer damals die Lage.
Auf lange Sicht ist Tesla im Vorteil: Der Konzern baut die meisten seiner Teile selbst, ein Kostenvorteil gegenüber den deutschen Autobauern. „Je mehr Tesla produziert, umso niedriger werden die Stückkosten für die Tesla-Elektroautos“, erklärte Dudenhöffer. Deutsche Hersteller hingegen müssten Verluste hinnehmen, um die Preissenkungen mitzugehen.
Mehr Rabatte auf Verbrenner
Während die Herstellerrabatte auf E-Modelle schmelzen, steigen die Vergünstigungen auf Verbrenner. Unmittelbar vor der Autoschau IAA in München haben viele Hersteller damit ein höheren Kaufanreiz geschaffen. Dadurch wird erwartetet, dass sich die Konsumenten vermehrt auf die herkömmlichen Verbrennermodelle konzentrieren. Die 30 gefragtesten Modelle wurden laut Studie im August mit einem durchschnittlichen Preisnachlass von 17,8 Prozent angeboten, dem höchsten Rabatt seit zwei Jahren.
Insgesamt sind die Autos mit Verbrennermotor noch deutlich günstiger als die Stromer. Denn die Batterie der E-Modelle ist nach wie vor ein großer Kostenfaktor. „Das Teuerste an einem E-Auto ist die Batterie, es müssen also in erster Linie die Kosten pro Kilowattstunde sinken“, erklärte Branchenexperte Stephan Bratzel jüngst der WirtschaftsWoche. Ein Anreiz könnte es sein, künftig Batterien mit einer geringen Reichweite günstiger zu verkaufen. Ob damit die Stromer die Dominanz auf dem deutschen Zulassungsmarkt gewinnen können, ist bei aktuellen Entwicklungen dennoch unwahrscheinlich. Insgesamt wurden im laufenden Jahr 1,64 Millionen Autos zugelassen – davon registrierte das KBA 268.926 erst zugelassene reine Elektroautos.
Bratzel rechnet damit, dass die E-Auto-Ziele der Bundesregierung weit verfehlt werden. 15 Millionen Elektroautos sollen bis 2030 auf deutschen Straßen fahren. Dass das gelingt, scheint utopisch. Er fordert einen „Realitäts-Check“.
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