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  4. E-Autos: Rabattschlacht hat begonnen

Elektromobilität„Das Kostenniveau ist bei vielen etablierten Autobauern noch zu hoch“

Der Preiskampf um E-Autos ist in vollem Gange. Der durchschnittliche Rabatt lag im vergangenen Monat bei 14 Prozent. Das bleibt nicht ohne Folgen für die deutschen Autobauer.Angelika Melcher 04.08.2023 - 16:17 Uhr aktualisiert
Foto: WirtschaftsWoche

Tesla hat es bereits vorgemacht: Im April senkte der US-Elektrofahrzeugbauer zum zweiten Mal in diesem Jahr die Preise für alle Fahrzeuge. Damit hat Tesla den Preiskampf eröffnet, nun ziehen andere Autobauer nach: Nach einer Studie der Unternehmensberatung PwC Strategy& stieg der durchschnittliche Rabatt für Stromer im Premiumsegment von Juni bis Juli um ein Viertel auf 14 Prozent.

„Der durch Tesla ausgelöste Preiskampf setzt den Wettbewerbern enorm zu, die zunehmend zu Preisanpassungen gezwungen sind“, bestätigt auch Branchenexperte Stefan Bratzel. „Für den weiteren Markthochlauf der Elektromobilität muss das Modellangebot von preisgünstigen Fahrzeugen deutlich erhöht werden.“

Im mittleren Segment legte der Durchschnittsrabatt um ein Drittel auf 11 Prozent zu. „Lediglich im Volumenmarkt, in dem weiterhin die höchsten staatlichen Kaufprämien locken, blieben die Rabatte weitgehend gleich“ bei 9 bis 10 Prozent, teilte PwC mit.

„Im Kampf um Marktanteile liefern sich die Autobauer eine BEV-Rabattschlacht, die nun Europa erreicht“, erklärten die Branchenexperten. Nachdem Corona-Lockdowns und Lieferengpässe lange für ein knappes Angebot und hohe Preise gesorgt hatten, zieht die Autoproduktion wieder an. Die Daten „zeigen, dass die Autobauer am deutschen Markt verstärkt auf Rabatte setzen und diese auch für BEVs gewähren“.

Fünf Ideen für die Mobilitätswende
Das Aufreger-Thema „Tempolimit“ wird öffentlich fast ausschließlich mit Bezug auf Autobahnen diskutiert. Geschwindigkeitsbegrenzungen innerorts hingegen bleiben unter dem Radar, obwohl sie starke Fürsprecher haben, vor allem unter den Kommunen. Die im Juli 2021 von den sieben Städten Aachen, Augsburg, Freiburg, Hannover, Leipzig, Münster und Ulm gegründete Initiative „Lebenswerte Städte durch angemessene Geschwindigkeiten“ ist inzwischen auf über 850 Mitglieder angewachsen. Neben kleineren und mittelgroßen Kommunen haben sich seit Gründung auch mehrere Großstädte wie Düsseldorf, Frankfurt, Köln, Saarbrücken oder Freiburg der Initiative angeschlossen. Die Bürgermeister fordern den Bund auf, rechtliche Rahmenbedingungen für den großflächigen Einsatz von Tempo-30-Zonen zu schaffen. Nach Ansicht der Initiative würde die Leistungsfähigkeit des Verkehrs durch eine großflächige Einführung nicht eingeschränkt, die Aufenthaltsqualität der Bewohner hingegen spürbar gesteigert. Auf einigen Hauptverkehrsstraßen soll den Plänen zufolge weiterhin Tempo 50 möglich bleiben.(Stand: Juli 2023)
In Städten könnten Fahrräder eine taugliche Alternative zu Auto und ÖPNV sein. Spaß macht das Radeln aber in den wenigsten Citys, allein schon wegen Ängsten um die eigene Sicherheit. Die Unfallforscher der Versicherung (UDV) haben vor diesem Hintergrund mehrere Vorschläge entwickelt, den Radverkehr weniger gefährlich zu machen. Darunter findet sich auch die Idee zur besseren Sicherung von Grundstückseinfahrten. Fast jeder fünfte Unfall zwischen einem Radler und einem Pkw spielt sich an den Zufahrten zu Firmengeländen, Tankstellen, Supermarkt-Parkplätzen und Parkhäusern ab. Fast jeder siebte Unfall mit schwerverletzten oder getöteten Radfahrern passiert an einer solchen Grundstückszufahrt. Je nach Frequenz und Lage könnten die Kommunen für die Zufahrten freie Sichtachsen, das Anbringen von Spiegeln oder sogar die Installation einer Ampel vorschreiben.(Stand: August 2022)
E-Autoprämie und Dienstwagensteuer fördern vor allem elektrische SUV und Premiumlimousinen mit zwei und mehr Tonnen Gesamtgewicht. Kein Geld hingegen gibt es zumindest aus diesen Töpfen für elektrische Leichtfahrzeuge. Die großen Autohersteller ignorieren die Zulassungsklassen L1e bis L7e mit ihren leichten und langsamen, aber effizienten und ressourcensparenden Stromern fast komplett – mit wenigen Ausnahmen wie dem Opel e-Rocks und dem Renault Twizy. Stattdessen tummelt sich dort eine unüberschaubare Vielzahl kleiner Anbieter mit teils exotisch anmutenden Zwei-, Drei- und Vierrädern. Die Micromobile taugen zum Pendeln, zum Einkaufen, zum Sightseeing oder auch zum Warentransport. Der Bundesverband E-Mobilität (BEM) fordert schon seit langem von den unterschiedlichen Bundesregierungen eine finanzielle Förderung sowie die Erhöhung der meist auf 45 km/h begrenzten Geschwindigkeit auf innenstadttauglichere Werte. Bislang allerdings erfolglos.(Stand: August 2022)
„Der Verkehr leidet in der Hauptsache daran, dass die Berufspendler zwei Mal am Tag alles verstopfen“, sagt Günter Schuh. Der E-Mobilitätspionier und Hochschul-Professor will das Problem mit seinem frisch gegründeten Shuttle-Dienst e.Volution lösen. Der Dienstleister stellt Unternehmen elektrische Mini-Vans mit sieben Sitzen zur Verfügung, die morgens die Belegschaft einsammeln und ihnen während der Fahrt ins Büro mobile Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. Deswegen zahlt der Weg bereits aufs Zeitkonto ein, was die Akzeptanz des gemeinschaftlichen Transports erhöhen soll. Verhandlungen mit Großunternehmen laufen bereits, 2024 sollen die ersten Meta-Mobile auf der Straße sein.(Stand: August 2022)
Neue U- und Straßenbahnen sind teuer und langwierig im Bau. In manchen Anwendungsfällen könnte die Seilbahn eine Alternative sein. Einer Studie der Beratungsgesellschaft PwC zufolge schneiden sie bei Bau und Betrieb besser ab als die schienengebundenen ÖPNV-Lösungen. Die Kosten für Seilbahnsysteme pro Kilometer betragen den Experten zufolge etwa 10 bis 20 Millionen Euro – und liegen damit auf dem Niveau einer Straßenbahnstrecke. Da kein Betriebshof und keine Signal- und Verkehrsleittechnik erforderlich sind, sind die gesamten Investitionskosten im Verkehrsmittelvergleich gering. Zudem ist die Bauzeit von Seilbahnen mit 12 bis 18 Monaten relativ kurz. Dazu kommen der Studie zufolge wirtschaftliche Vorteile im Unterhalt, unter anderem ist der Energieverbrauch nur halb so hoch wie bei schienengebundenen Verkehrsmitteln. Ob Seilbahnen für eine konkrete Anwendung in einer Stadt geeignet sind, lässt sich laut PwC aber nur für den Einzelfall beantworten. Bei der Planung sei unter anderem mit Widerstand in der Bevölkerung zu rechnen, die eine Beeinträchtigung des Stadtbildes befürchten.(Stand: August 2022)

Normale Marktbedingungen nun auch im Elektrosegment

Mit einem Anteil von knapp 16 Prozent an den Zulassungen seien die Stromer jetzt auf der Schwelle zum Massenmarkt. Damit „herrschen nun auch im Elektrosegment normale Marktbedingungen mit allem, was dazu gehört“, sagte PwC-Branchenexperte Felix Kuhnert. „Die Early-Adopter und Überzeugungskäufer haben sich eingedeckt. Nun greifen die Mainstreamkäufer zu, die jedoch härtere Kriterien hinsichtlich Produkt und Preis anlegen.“

Zahl von Neuzulassungen von E-Autos steigt

Das zeigt sich auch in den Zahlen der weltweiten Neuzulassungen von E-Autos: In den ersten sechs Monaten des Jahres 2023 wurden in China, Europa und den USA insgesamt mehr als 4 Millionen vollelektrische Fahrzeuge neu zugelassen, das sind 36 Prozent mehr als noch 2022, wie ein Bericht des Center of Automotive Management (CAM) zeigt. Dabei bleibt China mit weitem Abstand globaler Vorreiter in der E-Mobilität. Zwischen Januar und Juni 2023 wurden in der Volksrepublik rund 2,6 Millionen E-Autos neu zugelassen. Insgesamt liegt der Anteil bei 23 Prozent in den ersten sechs Monaten – damit ist fast jedes vierte neu zugelassene Auto in China vollelektrisch. In Europa sind es 14,3 Prozent, in den USA 7,3 Prozent in dem ersten Halbjahr von 2023.

Der stärkste Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr kann dabei in den USA verzeichnet werden: In den ersten sechs Monaten legten vollelektrische Fahrzeuge um mehr als 47 Prozent zu und erreichten ein Niveau von rund 560.000 E-Autos. In Europa erhöht sich der Absatz von E-Fahrzeugen um mehr als 45 Prozent auf 939.000. Davon entfällt mehr als die Hälfte aller BEV-Neuzulassungen auf die Länder Deutschland (220.000), Großbritannien (153.000) und Frankreich (138.000).

Bei den Herstellern bleibt Tesla mit etwa 889.000 Auslieferungen (plus 57 Prozent) weiterhin global an der Spitze, BYD legt mit rund 617.000 Verkäufen (plus 90 Prozent) zu. Auch die VW Group steigert ihren Absatz auf 321.000 E-Autos (plus 49 Prozent). Die deutschen Premiumhersteller BMW (plus 101 Prozent) und Mercedes-Benz (plus 85 Prozent) verdoppeln ihre vollelektrischen Auslieferungen im Vergleich zur Vorjahresperiode.

„Der Kosten- und Konsolidierungsdruck auf die Autobauer steigt, da die Margen der Elektromobilität bei vielen etablierten Volumenherstellern gering oder negativ sind“, sagt Branchenexperte Bratzel, der auch die CAM-Studie leitet. „Für den weiteren Markthochlauf der Elektromobilität muss das Modellangebot von preisgünstigen Fahrzeugen deutlich erhöht werden.“ So sei das Preis-Leistungsverhältnis bei Tesla sehr gut, das Unternehmen arbeite stark daran, Kosten bei der Produktion zu senken. „Das Kostenniveau ist bei vielen anderen etablierten Herstellern noch zu hoch“, so Bratzel. Elektromobilität müsse sich irgendwann selber tragen, und die Hersteller einen Beitrag dazu liefern, wettbewerbsfähige Modelle im niedrigen Preissegment anzubieten.

Doch wie können die Preise für E-Autos weiter und profitabel gesenkt werden? „Das teuerste an einem E-Auto ist die Batterie, es müssen also in erster Linie die Kosten pro Kilowattstunde sinken“, sagt Bratzel. Er plädiert dafür, dass die eingebauten Batterien losgelöst von der „Reichweitenangst“ eingebaut werden sollen, also weniger Reichweite für günstigere Batterien. „Dann muss aber an den Schnelllademöglichkeiten gearbeitet werden“, sagt Bratzel.

Anderseits geht aus der PWC-Studie hervor, dass auch die Preise für Lithium und andere Rohstoffe wieder steigen. Die deutschen Hersteller würden in einen Preiskampf gezwungen, den sie nur bestehen könnten, wenn sie Puffer bei den Kosten hätten.

In Deutschland gebaute Stromer seien rund 40 Prozent teurer als die gleichen Modelle, die in China gebaut und verkauft würden. Chinesische Autokonzerne verkauften ihre Stromer in Deutschland ebenfalls rund 40 Prozent teurer als in China, wo es gerade weitere Preissenkungen gegeben habe. So zahlen Deutsche aktuellen Berechnungen zufolge im Schnitt knapp 50.000 Euro für ein E-Auto. Ein Grund dafür ist, dass fast die Hälfte der angebotenen E-Autos SUV-Modelle sind, die in der Regel deutlich mehr kosten.

Mit Material der dpa.

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