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SüdkoreaVerkauf von VW-Modellen gestoppt

Vor dem Hintergrund der Ermittlungen zum Abgas-Skandal bei Volkswagen hat Südkorea den Verkaufsstopp von 80 Modellen des deutschen Autobauers im Land angeordnet. 02.08.2016 - 11:26 Uhr aktualisiert

Südkorea: Verkauf von VW-Modellen gestoppt

Foto: dpa

Südkorea stoppt den Verkauf von fast allen Fahrzeugen von Volkswagen. Insgesamt zog das Land die Zulassung für 80 Modellvarianten der Marken VW, Audi und Bentley zurück, wie die zuständige Behörde am Dienstag mitteilte. Zusätzliche brummte die Regierung dem Wolfsburger Konzern eine Strafe von umgerechnet 14,3 Millionen Euro auf.

Als Begründung wurden gefälschte Unterlagen zu Emissionen und Lärmbelastung genannt. Das Unternehmen werde alle "verfügbaren Maßnahmen" gegen den Verkaufsstopp in Erwägung ziehen, sagte eine Sprecherin von Audi Volkwagen Korea in Seoul. Dazu gehörten auch rechtliche Schritte. Es seien von dem jetzigen Verkaufsstopp 80 Modelle unter 32 verschiedenen Homologation-Dokumenten betroffen. "Das ist eine der strengsten Sanktionen, die sie gegen uns verhängen konnten." Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft seien noch im Gange. Mit Homolgation wird das Zulassungsverfahren bezeichnet.

Volkswagen bedaure die jetzige Situation sehr, hieß es. Man werde weiter mit dem Umweltministerium kooperieren, "um das Vertrauen der Dealer und Verbraucher zurückzugewinnen".

Wie VW im ersten Halbjahr abgeschnitten hat
Bei der Marke Volkswagen Pkw ging das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen auf von 1,4 auf 0,9 Milliarden Euro zurück. Grund für diese Entwicklung waren Wechselkurs- und Mixeffekte sowie geringere Absatzmengen und höhere Vermarktungskosten infolge des Abgas-Skandals.
Audi erzielte ein operatives Ergebnis vor Sondereinflüssen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro (Vorjahreszeitraum: 2,9 Milliarden Euro). Währungseffekte und weiter hohe Vorleistungen für neue Produkte und Technologien sowie für den Ausbau des internationalen Produktionsnetzwerks belasteten das Ergebnis. In den Finanzkennzahlen von Audi sind die Marken Lamborghini und Ducati enthalten.
Das Operative Ergebnis von Škoda stieg von 522 auf 685 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 31,2 Prozent entspricht. Der Anstieg war im Wesentlichen auf positive Volumen- und Mixeffekte sowie Produktkostenoptimierungen zurück.
Seat setzte ihre positive Entwicklung fort und steigerte das Operative Ergebnis um 40 Millionen auf 93 Millionen Euro. Dabei wurden negative Volumen- und Wechselkurseffekte durch Kostenreduzierungen und Mixverbesserungen kompensiert.
Das Operative Ergebnis der Marke Bentley ging um 75 Millionen auf minus 22 Millionen Euro zurück – vor allem wegen veränderter Marktbedingungen und Wechselkursverhältnisse.
Porsche verbesserte das Operative Ergebnis um 7,7 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Gründe waren gegenüber dem Vorjahreszeitraum ein Absatzanstieg sowie Wechselkurseffekte. Die Modelle Boxster, Cayman, 911 und Macan wurden verstärkt nachgefragt.
Das Operative Ergebnis von Volkswagen Nutzfahrzeuge lag im 1. Halbjahr mixbedingt mit 299 statt 268 Millionen Euro über dem Vorjahreswert.
Scania konnte die rückläufige Nachfrage in Südamerika, der Türkei und Russland durch steigende Verkaufszahlen in Europa kompensieren. Dadurch verbesserte sich das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen auf 550 (503) Millionen Euro.
MAN konnte trotz des anhaltend schwierigen wirtschaftlichen Umfelds in Südamerika das Operative Ergebnis vor Sondereinflüssen auf 186 (54) Millionen Euro verbessern. Dazu trugen auch die eingeleiteten strukturellen Veränderungen positiv bei.
Volkswagen Finanzdienstleistungen steigerte das Operative Ergebnis um 2,6 Prozent auf 995 Millionen Euro. Positiv wirkten Volumeneffekte: Weltweit nahm die Zahl der Neuverträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,2 Prozent auf 3,3 Millionen Kontrakte zu.

VW selbst hatte im Juli den Verkauf der meisten Fahrzeuge gestoppt. Damals drohte schon die Rücknahme der Zulassung für die 32 Modelle. Eine Wiederzulassung der Fahrzeuge, deren Zahl sich mit allen Varianten auf 80 summiert, könnte sich über Monate hinziehen. "Normalerweise dauert es drei Monate für die Zulassung von Autos. Bei Volkswagen könnte es allerdings länger dauern, da wir das gründlich prüfen", sagte ein Vertreter des Umweltministeriums.

US-Justizstreit geht weiter

Südkorea ist der zweitgrößte Markt für Dieselfahrzeuge in Asien. Die Marke Volkswagen hat dort in der ersten Jahreshälfte einen Absatzeinbruch um ein Drittel auf 12.463 Fahrzeuge erlitten. Seit November wurden schon über 200.000 bereits verkauften Fahrzeugen die Zulassung entzogen. Nach Angaben des Umweltministeriums sind das 68 Prozent der Autos, die seit 2007 in Südkorea verkauft wurden. Für Volkswagen selbst ist Südkorea ein relativ kleiner Markt. Die Marken Audi und Bentley sind dagegen sehr gefragt.

Volkswagen hatte im September 2015 die Manipulation von Abgaswerten bei weltweit elf Millionen Diesel-Autos eingestanden. Eine illegale Abschalteinrichtung sorgt dafür, dass die Wagen Abgasgrenzwerte nur auf dem Prüfstand einhalten, nicht aber auf der Straße. Der Konzern sieht sich mit zahlreichen Klagen und milliardenschweren Schadenersatzforderungen konfrontiert. Südkorea verfolgt eine strenge Linie und erließ im Juni Haftbefehl gegen einen VW-Manager.

Alle Augen sind auf Charles Breyer gerichtet. Mal wieder. Der US-Richter muss entscheiden, ob er der Einigung zwischen Volkswagen und Hunderten Klägern in der Abgas-Affäre zustimmt. Der geplante Kompromiss könnte den Autobauer fast 15 Milliarden Dollar kosten – es wäre der bislang teuerste Vergleich in der Geschichte der Auto-Industrie. Aber wäre der finanzielle Kraftakt für VW auch wirklich ein Befreiungsschlag? Können die Wolfsburger die „Dieselgate“-Krise damit abhaken? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Foto: dpa

Der Milliardenvergleich steht – was ist nun noch zu entscheiden?

VW hat sich zwar mit fast allen US-Klägern auf einen Vergleich verständigt, aber US-Richter Breyer muss dem Entwurf noch seinen Segen geben. Er entscheidet, ob mit dem Vergleich dem US-Recht Genüge getan wurde. Wenn ja, gibt er der Einigung seine „vorläufige Zustimmung“ („preliminary approval“). Breyers erklärtes Ziel war von Anfang an eine Lösung, um die manipulierten Dieselwagen in Einklang mit den US-Abgasnormen zu bringen oder von der Straße zu holen.

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Kann Richter Breyer VW noch in Bedrängnis bringen?

Theoretisch ja. Er könnte schlichtweg seine Zustimmung verweigern. Damit würde er Volkswagen gehörig in die Parade fahren, denn der Konzern müsste einen neuen Kompromiss mit den Klägern aushandeln – und das war schon im ersten Anlauf schwer genug. Es gilt allerdings als sehr unwahrscheinlich, dass Breyer tatsächlich sein Veto einlegt.

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Was passiert, wenn der Richter dem Vergleichsvorschlag zustimmt?

Dann beginnt eine Frist von 45 Tagen, in der sich die klagenden Kunden in den USA überlegen können, ob sie das Vergleichsangebot annehmen oder allein vor Gericht weiterklagen wollen. Bis zum 16. September müssen sich geschädigte VW-Dieselhalter entscheiden. Je mehr von ihnen sich dem Vergleich anschließen, desto übersichtlicher wird die Situation für VW in den USA.

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Was sind die wichtigsten Punkte des Vergleichs?

VW muss bis zu 14,7 Milliarden Dollar für Wiedergutmachung ausgeben. 4,7 Milliarden Dollar fließen in einen Umweltfonds und die Förderung emissionsfreier Autos. Der weitaus größte Teil aber wird an Kunden gehen, die in den USA einen manipulierten VW oder Audi besitzen. Die reine Entschädigung für Autobesitzer soll zwischen 5100 und knapp 10.000 Dollar pro Fahrzeug liegen. Dabei kommt es auf die Modelltypen an und darauf, wie alt das Auto ist. Zusätzlich muss der Konzern den Kunden anbieten, ihre Fahrzeuge zurückzukaufen oder durch Reparatur in einen gesetzeskonformen Zustand zu bringen.

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Zahlt VW dann ab Mittwoch (27. Juli) die Entschädigung an US-Kunden?

Nein. Die Entschädigung soll es frühestens ab Oktober geben. Dann könnte der Vergleich endgültig besiegelt und damit wirksam werden.

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Wäre der US-Vergleich der Schlussstrich für VW im Abgas-Skandal?

Nein. Gerade in der vergangenen Woche haben die Generalstaatsanwälte mehrerer US-Bundesstaaten neue Klagen gegen den Konzern eingereicht. Außerdem steht weiterhin eine Einigung für die rund 85.000 Dieselautos in den USA mit größeren Drei-Liter-Motoren aus, die mit verbotener Software ausgestattet sind. Einen Rückrufplan des Konzerns hatten die Behörden Mitte Juli noch krachend abgelehnt. Die Chefin des kalifornischen Umweltamtes, Mary Nichols, äußerte sich jedoch zuletzt in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ optimistisch: „Wir glauben, dass Volkswagen die meisten Autos reparieren kann. Aber wir müssen die Details dazu noch erarbeiten.“

Darüber hinaus laufen wegen möglicher krimineller Vergehen im Zusammenhang mit dem Abgas-Skandal auch noch strafrechtliche Ermittlungen gegen VW. Die vom Konzern beauftragte Kanzlei Jones Day liefert unter anderem Ergebnisse an das US-Justizministerium. Auch das FBI ist in die Ermittlungen eingebunden.

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Doch auch in den USA gehen trotz der Einigung vor einem kalifornischen Gericht die juristischen Auseinandersetzungen für den Konzern weiter. Volkswagen wehrt sich jetzt gegen eine Sammelklage von Pensionsfonds. Der Konzern habe vor dem kalifornischen Bezirksgericht beantragt, die Klage abzuweisen, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. "Volkswagen ist der Überzeugung, dass die konsolidierte Wertpapier-Sammelklage jeder Grundlage entbehrt", erklärte ein Sprecher.

Die Klage der Pensionsfonds aus Arkansas und Miami, die Zertifikate auf VW-Aktien halten (ADR), erfüllten grundlegende Anforderungen an eine Wertpapier-Sammelklage in den USA nicht. VW argumentierte zudem, Klagen wegen Verstößen gegen die kapitalmarktrechtliche Publizitätspflicht könnten nur in Deutschland erhoben werden. Die Kläger hätten nun bis zum 11. Oktober Zeit, um förmlich Widerspruch gegen den von Volkswagen gestellten Antrag auf Abweisung einzulegen, erklärte der Konzern.



dpa, rtr
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