VW: Raus aus dem Krisenmodus? Warum VW jetzt Sonderschichten anordnet
Im vergangenen Jahr befand sich Europas größter Autobauer Volkswagen im Dauerkrisenmodus. Die Nachfrage war mau, und vor allem auf dem chinesischen Markt brachen die Absätze ein. Doch nun teilte der Konzern mit: In seinem Hauptwerk in Wolfsburg werden nun Sondersichten eingelegt.
Der Grund dafür sei die starke Nachfrage, teilte eine VW-Sprecherin am Donnerstag mit und bestätigte damit einen Bericht der „Wolfsburger Nachrichten“. Bis zu den Werksferien im Juli hätten sich Management und Betriebsrat auf Zusatzarbeit geeinigt. Ist das die Trendwende für VW?
Im Mai, Juni und Juli werden aufgrund der hohen Nachfrage an acht Wochenenden im Stammwerk Sondersichten eingeführt. Volkswagen baut in Wolfsburg die Verbrenner-Modelle Tiguan, Golf, Touran sowie den siebensitzigen Tayron.
Allein in der Montage wurden 16 Sonderschichten angesetzt, weitere kommen in Karosseriebau und Lackiererei hinzu. Begründet wurde das mit der „aktuellen Programmsituation“, heißt es in einem internen Schreiben, welches der Deutschen Presseagentur vorliegt.
Bereits im vergangenen Jahr baute VW im Stammwerk wieder mehr Autos. Anders sieht es in den reinen E-Auto-Fabriken Emden oder Zwickau aus. Hier fielen 2024 Schichten aus.
VW führt E-Autoabsatz an
Die Einführung der Sonderschichten ist auf den gestiegenen Absatz zurückzuführen. Im ersten Quartal verkaufte die Kernmarke Volkswagen insgesamt gut fünf Prozent mehr Autos als vor einem Jahr.
„Wir sehen positive Effekte: VW hat eine Sparrunde eingeleitet, arbeitet daran, die Produktivität zu erhöhen, und steht mit technologischen Innovationen gar nicht schlecht dar“, beurteilt Stefan Bratzel, Gründer und Direktor des Centers of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, die Situation bei dem Autobauer. Zwar müsse jetzt die Geschwindigkeit anziehen, aber die Stimmungslage sei schlechter als die tatsächliche Situation, sagt der Experte.
Denn die Absatzzahlen bei elektrisch angetriebenen Autos von VW stiegen an. Laut Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) brachte der Autobauer zwischen Januar und Ende April 34.579 Neuwagen mit Stecker auf deutsche Straßen. Jeder vierte neue VW verfügt damit über einen reinen E-Antrieb oder Plug-in-Hybridtechnik. Damit belegt der Wolfsburger Autobauer Platz 1 in der Kategorie.
BMW (17.620 Einheiten) und Mercedes (17.333 Einheiten) rangieren beim Neuwagenabsatz der Stromer auf Platz 2 und 3. Der E-Anteil bei den beiden Premiumherstellern lag etwas höher als beim Volumenhersteller VW und betrug auch aufgrund des größeren Angebots an Plug-in-Hybriden 33 Prozent beziehungsweise 29 Prozent.
Bei den rein elektrischen Pkw steht VW mit 25.393 Neuzulassungen und einem Marktanteil von 18 Prozent an der Spitze. BMW folgte mit 10.315 Einheiten auf Platz zwei (Anteil: 19 Prozent). Auf dem dritten Rang liegt die VW-Konzernschwester Audi mit 8634 verkauften Einheiten im ersten Quartal.
Und auch der Blick auf den gesamten Automarkt in Deutschland zeigt: Während der Gesamtmarkt um 4,3 Prozent zurückgegangen ist, verzeichnet die Gruppe Volkswagen ein Absatzplus von über fünf Prozent. „VW machte mit 6,4 Prozent den Löwenanteil an den Absatzzahlen aus. Das ist stellvertretend für Europa ein positiver Trend“, erklärt Bratzel.
Auch Vertriebschef Marco Schubert sieht weitere positive Zeichen. Bei der Vorlage der Absatzzahlen sagte er, dass der Auftragseingang in Westeuropa im ersten Quartal um 29 Prozent gestiegen sei. Für die kommenden Monate rechnet VW mit weiterem Rückenwind. Denn zahlreiche Modelle sollen neu eingeführt werden.
Trotz der guten Absatzzahlen hierzulande müssen sich die Verkaufszahlen auch auf dem chinesischen Markt stabilisieren. „China ist der wichtigste Markt, deshalb ist es für VW notwendig, auch dort die Zahlen aufrechtzuerhalten“, analysiert Bratzel. Denn auch im ebenfalls wichtigen US-Markt rechnet er zunächst nicht mit großen Sprüngen.
Durch die Zollpolitik des US-Präsidenten Donald Trumps könnte auch der deutsche Autobauer Schwierigkeiten bekommen. 25 Prozent werden für die Einfuhr von Fahrzeugen in die USA fällig. Experten rechnen damit, dass es deutsche Marken schwer treffen könnte.
Sparprogramm und Werkverlagerungen
Trotz der zuletzt positiven Entwicklungen in Deutschland und Europa ist das Wolfsburger Werk schon lange nicht mehr ausgelastet: Im vergangenen Jahr wurden dort 523.000 Autos gebaut. In diesem Jahr sollen es – früheren Angaben zufolge – wieder bis zu 600.000 Fahrzeuge werden.
Erst im Dezember hatten sich VW und IG Metall auf ein Sparprogramm geeinigt, einschließlich Stellenabbau und Abschmelzen von Überkapazitäten. Zudem soll die Fertigung des Golfs von Wolfsburg nach Mexiko verlegt werden. Im Gegenzug sollen neue E-Modelle aus Zwickau nach Niedersachen verlegt werden.
Mit Material von dpa
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