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Volkswagen Warum die Strategie von VW am Ziel vorbeigeht

Stellenabbau, mehr Elektroautos und neue digitale Dienste: Eine neue Strategie soll die Probleme bei Volkswagen lösen. Doch auch mit ihr ist der Konzern nur begrenzt zukunftsfähig – die wahren Probleme liegen woanders.

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VW verfehlt seine Ziele. Quelle: Marcel Stahn

Dienstag, 14 Uhr, Schichtwechsel am VW-Werk in Wolfsburg. Die meisten Mitarbeiter schlappen langsam durch die Werkstore. Sie haben ihre Aufmerksamkeit auf die blaue Mitarbeiterzeitschrift „Inside“ gelenkt. In der geht es um „unsere neue Strategie“. VW-Markenvorstand Herbert Diess schreibt dort Klartext: „In der aktuellen Verfassung ist unser Unternehmen nicht zukunftsfähig.“ Die neue Strategie namens „Transform 2025+“ solle VW aber an die Spitze zurückbringen.

„Neue Strategie?“, fragt ein Radler auf dem Parkplatz. „Alles Blödsinn!“, ruft er und strampelt davon. So richtig glauben können die meisten nicht, dass ihre Arbeitsplätze wie versprochen für neun Jahre sicher sein sollen, dass VW auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet.

Jeden Tag, sagt ein junger Mann, würden Gerüchte durchs Werk wabern. Mit dem angekündigten Abbau von weltweit 30.000 Arbeitsplätzen sei es nicht getan, heißt es dann.

Was im Zukunftspakt steht
Wolfsburg VW Quelle: dpa
VW Kassel Quelle: dpa
VW Hannover Quelle: dpa
VW Chemnitz Quelle: dpa
Emden VW Quelle: dpa
Zwickau VW Quelle: dpa
VW Salzgitter Quelle: dpa

Volkswagen ist in Aufruhr, wieder mal. Und es spricht wenig dafür, dass sich dieser mit der nun verkündeten neuen Marschrichtung legen wird. Denn die gravierendsten Probleme des Konzerns sind struktureller Natur, und sie bleiben vorerst ungelöst:

  • Der Wille von Gewerkschaften und Politik ist bei VW weiter so wichtig wie die Interessen der Aktionäre.
  • Der riesige Familienclan, der die Mehrheit der Anteile an dem Konzern besitzt, findet nur schwer eine gemeinsame Linie.
  • Den Dieselskandal arbeiten die Verantwortlichen so uneinsichtig auf, dass der Konzern immer neue Angriffsflächen bietet.

Die Gemengelage lässt den Streit in und um den Konzern eskalieren: Der mächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh empört sich über Großaktionär Wolfgang Porsche, Aktionäre attackieren Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, und Konzernchef Matthias Müller beschimpft seine Kunden, weil die sich öko geben, aber kaum Elektroautos kaufen. Die Nerven liegen blank, es kämpft, so scheint es, jeder gegen jeden.

Spar- und Sanierungsprogramme bei Volkswagen

„VW wird zum Weltmarktführer bei Elektroautos“, verkündet VW-Markenchef Diess. Doch kann dem angeschlagenen Konzern so ein kostspieliger und schwieriger Sprung in die Zukunft überhaupt gelingen?

Große Entscheidungen zu VW müssten eigentlich acht Autostunden südöstlich von Wolfsburg fallen – in Wien, in Salzburg, in Zell am See. Dort wohnen die Familien Porsche und Piëch, die 52 Prozent an VW halten. Doch sie sind nicht Teil der Lösung der Probleme. Sie sind selbst ein Problem.

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