Vor Verkauf nach China: Leoni schreibt weiter rote Zahlen und streicht 4500 Stellen
Der Autozulieferer Leoni erwartet wegen des mehrheitlichen Verkaufs an das chinesische Unternehmen Luxshare keine Probleme mit seinen Kunden, den Autobauern. Leoni-Vorstandschef Klaus Rinnerberger sagt, er habe vor dem Verkauf „mit unseren wichtigsten Kunden auf Vorstandsebene“ gesprochen. „Ausnahmslos alle Hersteller“ hätten gesagt: „Bitte tun Sie es, und zwar so schnell wie möglich.“ Diese Reaktion habe er „in dieser Deutlichkeit überhaupt nicht erwartet“. Leoni hatte im September den Verkauf von 50,1 Prozent der Aktien an Luxshare angekündigt.
Der Verkauf von Zulieferern nach China wurde in der Vergangenheit von Autobauern häufig kritisch gesehen. Als etwa der Roboterhersteller Kuka 2016 vom chinesischen Midea-Konzern übernommen wurde, forderten mehrere Autobauer ein Einschreiten der Bundesregierung, weil sie sich vor Abhängigkeiten und dem Abfluss wichtiger Daten nach China fürchteten. In der Folge sicherte sich die Bundesregierung mehr gesetzliche Mitspracherechte bei Unternehmensverkäufen ins Ausland. Deshalb ist auch der Verkauf von 50,1 Prozent der Leoni-Anteile an Luxshare von der Zustimmung des Bundeswirtschaftsministeriums abhängig. Die dortige Prüfung hat gerade erst begonnen.
Laut Rinnerberger sind die Autohersteller „alle happy, weil sie davon aus‧gehen, dass unsere Kabel zusammen mit den Steckern von Luxshare leistungsstarke Systeme ergeben, mit denen sich die Kosten senken lassen“. Mögliche Erfolge dürften sich aber erst in den kommenden Jahren einstellen. „Wir liegen knapp zehn Prozent unter dem geplanten Umsatz und haben deshalb unsere Restrukturierungsbemühungen nochmals verschärft“, so Rinnerberger.
Bis 2026 wolle das Unternehmen allein im Verwaltungs- und Managementbereich weltweit 4500 Stellen abbauen. Er erwarte trotz des geringeren Umsatzes in diesem Jahr ein operativ ausgeglichenes Ergebnis, sagt Rinnerberger. Leoni werde „aber zusätzliches Geld in die Hand nehmen, um stärker restrukturieren zu können“. Deshalb werde Leoni 2024 „rote Zahlen in Kauf nehmen“.
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