WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Balzli direkt
Sewing wird offenbar nicht zugetraut, seine mit markigen Worten vorgetragenen Abbaupläne schnell genug durchziehen zu können. Quelle: dpa

Lass mal Papa machen

Dass Deutsche-Bank-Chef Sewing Aktionär Cerberus als Sanierungsberater engagieren muss, wirkt unsouverän – und verschafft dem US-Fonds zu viel Macht.

Christian Sewing muss es geahnt haben. Liebesbeziehungen beginnen irgendwie anders. Auch in der Deutschen Bank. Mit mehr Leistung aus Leidenschaft.

Als sein glückloser Vorgänger John Cryan Anfang des Jahres zum Abschuss freigegeben war, machten alle möglichen Namen die Runde. Doch die A- und B-Prominenz des globalen Bankings sagte ab. Keiner wollte sich dieses ertragsschwache Dickschiff antun. Erst ganz zum Schluss kam die Rede auf interne Lösungen für die Neubesetzung des Chefpostens – darunter auch Sewing. Der solide und sympathische Typ machte schließlich das Rennen. Die einen freuten sich öffentlich über die deutsche und bodenständige Lösung. Die anderen spotteten hinten rum über die „zweite Wahl“.

Spätestens seit dieser Woche fühlt sich die Lästerfraktion bestätigt. Die Deutsche Bank macht Großaktionär Cerberus zum Retter in der Not. Gegen ein Honorar in unbekannter Höhe soll der Höllenhund helfen, die Kosten der Großbank zu senken. Sewing wird offenbar nicht zugetraut, seine mit markigen Worten vorgetragenen Abbaupläne schnell genug durchziehen zu können.

TV-Bürotyrann Stromberg hätte die Aktion wohl mit „Lass das mal den Papa machen“ überschrieben. Denn jetzt übernimmt ein Mann die Regie, der den Geschmack von Aufsichtsratschef Paul Achleitner trifft. Matt Zames leitet für den US-Fonds das Beraterteam. Er arbeitete bis vor Kurzem als Chief Operating Officer beim US-Finanzgiganten JP Morgan – und wurde als Nachfolger von Cryan gehandelt. Zu Achleitners Traum von der Rückkehr der Deutschen Bank in die Champions League von Goldman Sachs und Co. hätte er besser gepasst als Sewing.

Allerdings würde der HSV des Bankings auch unter der Leitung von Zames nicht wieder aufsteigen. Die Wahl von Cerberus zeigt ja gerade, wie dramatisch die Lage ist. Keiner irritiert freiwillig andere Aktionäre mit einem derart fragwürdigen Deal. Und keiner verschafft Cerberus freiwillig noch mehr Insiderwissen im deutschen Finanzmarkt. Die Amerikaner kontrollieren die HSH Nordbank, sind an der Commerzbank beteiligt und dürfen jetzt gar den Branchenprimus nackt sehen. Das Drehbuch für die Konsolidierung des Bankenmarktes haben die Höllenhunde längst geschrieben. Jetzt geht es nur noch um den richtigen Zeitpunkt und die Frage, welche Rolle die starken französischen Großbanken spielen werden. Im Kanzleramt ist man beunruhigt. Sewing sollte es auch sein.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%