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Bezahlsysteme der Zukunft"Viele Banken haben mobiles Bezahlen unterschätzt"

Mit Apple Pay soll das Smartphone endlich zum Geldbeutel werden, die EU will neue Bezahlsysteme regulieren. Worum es beim Bezahlen von Morgen wirklich geht, erklärt der Forscher Jürgen Bott im Gespräch.Andreas Toller 24.09.2014 - 13:11 Uhr
Foto: dpa Picture-Alliance

WirtschaftsWoche Online: Herr Bott, Apple hat schon so manchen Markt aufgerollt, jetzt will das Kult-Unternehmen dem Bezahlen mit dem Smartphone zum Durchbruch verhelfen. Brauchen wir das?

Jürgen Bott: Leider werden Bezahlverfahren generell in ihrer Bedeutung unterschätzt. Eine reibungslose, zuverlässige und sichere Abwicklung der Bezahlung ist die Grundlage eines jeden Wirtschaftszweigs. Seit langem sind die Verfahren in Europa nicht mehr zeitgemäß: Sie sind für die digitale Wirtschaft nicht mehr ausreichend. Apple hat das jetzt erkannt und reagiert darauf. Bei den Banken setzt sich diese Erkenntnis erst langsam durch.

Wie kann Apple mit seinem Bezahlsystem ApplePay dazu beitragen, dass mobiles Zahlen mehr Akzeptanz findet?

Technologisch ist das, was Apple nun präsentiert, nicht neu. Die Bezahlung per Nahfeldkommunikation – also mit einem kleinen Funkchip im Smartphone – ist lange bekannt. Aber Apple baut dieses System zu einem Schlüsselelement aus und hat dabei ein großes Ziel: Apple will das Einkaufserlebnis neu gestalten und die passende Hardware dafür verkaufen. Mit dem Smartphone steigt Apple nun direkt ins Bezahlen l am Point of Sale, also beim Einzelhändler vor Ort, ein. Klar ist: So wie Apple schon mit seinem Online-Shop iTunes Store den Handel mit digitalen Medien und Software komplett umgekrempelt hat, weil es den Kunden den Einkauf deutlich einfacher und sicherer machte, könnte Applepay jetzt auch die Bezahlsysteme massiv verändern.

Jürgen Bott ist Wirtschaftsprofessor in Kaiserslautern und berät Institutionen wie den IWF und die Europäische Kommission beim Thema Zahlungsverkehr

Foto: Presse

Google Wallet ist schon drei Jahre alt, Paypal ist noch älter. Warum ist das mobile Bezahlen so weit hinter den Möglichkeiten im Internet?

Die gesetzlichen Vorgaben für Bezahlsysteme sind noch nicht passend für die digitale Wirtschaft. Das hat vor allem vier Gründe. Erstens: Prinzipiell funktionieren die alten Zahlungsstrukturen noch. Anstatt unmittelbar in neues Prozessverständnis – etwa elektronische Rechnungsbearbeitung, das sogenannte e-Invoicing - zu investieren, beschäftigten wir uns in Europa seit über zehn Jahren damit, für klassische Überweisungen und Lastschriften neue Standards zu entwickeln. Zweitens: In der EU herrscht dem Thema gegenüber eine große Unsicherheit. Zwar nutzen mehr als zwei Drittel das Internet. Gleichzeitig bleibt das Vertrauen gegenüber dem Online-Banking aber extrem gering, rund ein Drittel der Internet-Nutzer bezweifelt die Sicherheit der Bezahlverfahren. Drittens wird die Bedeutung der Bezahlsysteme als Instrument für das Marketing unterschätzt. Ebay etwa hat Paypal seinerzeit für viel Geld gekauft, weil sie erkannten, dass ihr Geschäft durch einen vertrauenswürdigen Bezahlvorgang massiv wachsen wird. Und viertens haben die Dienstleister und Banken Investitionen in die neue Technik lange gescheut, weil der Aufbau eines neuen Bezahlverfahrens viel Geld verschlingt und sich erst nach langer Zeit auszahlt. Die Bereitschaft für derartige Investitionen setzt nachhaltige Rechtssicherheit voraus.

Zur Person
Jürgen Kurt Bott ist Professor für Finanzdienstleistungen an der Fachhochschule Kaiserslautern mit Schwerpunkt auf Optimierung von Finanzprozessen, insbesondere Bezahlmethoden, sowie die Abwicklung von Wertpapiergeschäften. Zusätzlich lehrt und forscht er an ausländischen Hochschulen, etwa der Autónoma de Madrid und de IESE in Barcelona. Er ist Mitglied in Aufsichtsräten (zum Beispiel bei der ReiseBank) und als wissenschaftlicher Berater für internationale Organisationen wie den Internationalen Währungsfonds sowie Banken und Versicherungen tätig. Als akademischer Berater unterstützt er die EU-Kommission bei der Vorbereitung von Gesetzen und politischen Initiativen im Bereich Zahlungsverkehr. Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er für J. P. Morgan, die Deutsche Bundesbank und McKinsey & Company.

Ist denn eine Verbesserung bei den Gesetzen in Sicht?

Noch in diesem Jahr werden drei Gesetzesinitiativen auf europäischer Ebene umgesetzt. Aktuell wird die Payment Service Directive II, kurz PSD II, verhandelt. Die Richtlinie über Zahlungsdienste im Binnenmarkt bildet die rechtliche Grundlage für die Schaffung eines EU-weiten Binnenmarkts für den Zahlungsverkehr. Bereits Ende Juli wurde eine Richtlinie zu Zahlungskonten verabschiedet. Eine Verordnung über Interbankentgelte – genannt MIF-Verordnung - steht ebenfalls kurz vor ihre Verabschiedung. Hier besteht die Chance, Europa wieder auf Spur zu bringen. Allerdings ist in den vergangenen zehn Jahren auch wenig von dem ehemals großen Ziel übriggeblieben, mit dem einheitlichen Euro-Zahlungsraum SEPA durch neue Bezahlverfahren die Wettbewerbsfähigkeit Europa nachhaltig zu steigern.

Schweiz

Spätestens seitdem das gefährliche Geschäftsmodell von Zypern, ein überdimensionierter Banksektor, der das Geld ausländischer Sparer anlockt, gescheitert ist, stehen vor allem kleine Staaten mit großen Banken in der Kritik. Auch die Anzahl der Bankfilialen kann ein Indikator dafür sein, welche Rolle die Finanzindustrie in einem Land spielt. Allerdings weisen einige Länder allein aufgrund niedriger Bevölkerungszahlen eine hohe Filialdichte auf.

Der Internationale Währungsfonds (IWF) gibt jährlich Daten darüber heraus, wie viele Bankfilialen ein Land je 100.000 Einwohner vorweisen kann. Für das Jahr 2011 hat es die Schweiz dabei gerade so in die Top Ten geschafft, mit 51 Filialen je 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Deutschland kommt gerade einmal auf 15 Filialen je 100.000 Einwohner.

Foto: dpa

Island

Das was Zypern in den letzten Wochen durchmachte kennt Island gut. Dem dortigen Bankensystem wurde die Finanzkrise 2008 zum Verhängnis. Von der Pleite der größten isländischen Bank Kaupthing waren auch zahlreiche ausländische Sparer aus Großbritannien und den Niederlanden betroffen. Wie sich einer solche Krise auf das Bankensystem auswirken kann, zeigt ein Blick auf die Zahl der Bankfilialen. Während Island zu Spitzenzeiten 2004 auf 90 Filialen je 100.000 Einwohner kam, sind es mittlerweile nur noch 52.

Foto: dpa

Bulgarien

Auch Bulgarien liegt was die Bankfilialen angeht weit vorne, 58 Niederlassungen kommen auf 100.000 Einwohner. Allerdings gilt das Land dank niedrigem Defizit als stabil. Zuletzt wurde spekuliert, ob Russlands Sparer ihr Geld jetzt von Zypern nach Bulgarien verlegen.

Foto: dpa

Peru

Etwas überraschend ist auch das südamerikanische Peru in der Liste der Länder mit den meisten Bankfilialen sehr prominent vertreten. Auf 58 Filialen je 100.000 Einwohner kommt das Andenland, welches vor allem für seine von den Inkas erbauten Ruinenstadt Machu Picchu bekannt ist.

Foto: dpa

Portugal

Mit Portugal taucht auf Platz Fünf des Rankings der erste Euro-Krisenstaat auf. 64 Bankfilialen entfallen auf 100.000 Einwohner. Die Krise hat das Land derweil noch längst nicht überstanden, erst in der vergangenen Woche gingen zahllose Portugiesen auf die Straßen, um gegen die dortige Sparpolitik zu demonstrieren.

Foto: dpa

Mongolei

Auch wenn das Bild es nicht vermuten lässt, die Mongolei gehört zu den Ländern mit der höchsten Dichte an Bankfilialen je Einwohner. Auf 100.000 Einwohner kommen 66 Filialen. Das mag allerdings auch daran liegen, dass das asiatische Land zwar viermal so groß ist wie Deutschland, aber insgesamt nur rund 3,18 Millionen Einwohner hat. Damit gilt die Mongolei als einer der am dünnsten besiedelten Staaten der Welt.

Foto: REUTERS

Italien

Mit Italien ist ein weiterer südeuropäischer Wackelkandidat in den Top-Fünf vertreten. 66 Bankfilialen je 100.000 Einwohner kann der Staat vorweisen. Zuletzt sorgte vor allem die Bank Monte dei Paschi für Wirbel, die älteste Bank der Welt. Unter anderem sollen sich Manager bereichert haben und Kommissionen kassiert haben. Die Affäre um das Geldinstitut forderte sogar bereits ein Opfer, Kommunikationschef David Rossi beging Selbstmord und hinterließ eine Nachricht. "Ich habe Mist gebaut", war dort zu lesen.

Foto: dpa

Luxemburg

Das beschauliche Luxemburg hat einen der größten Finanzplätze der Welt. Die Bilanzsumme der dortigen Finanzindustrie umfasst das 22-fache der Wirtschaftsleistung des Großherzogtums. Neben Banken sind es vor allem Fonds, die sich aufgrund der vorteilhaften Steuerlage dort niedergelassen haben. Das wirkt sich natürlich auf die Zahl der Bankfilialen aus. 88 Filialen je 100.000 Einwohnern stehen den Luxemburgern zur Verfügung.

Foto: dapd

Spanien

Nur eine Filiale mehr je 100.000 Einwohner hat Spanien, nämlich 89. Damit liegt der südeuropäische Krisenstaat auf Platz 2 des Rankings. Die spanischen Institute ächzen immer noch unter der Immobilienblase und schreiben teilweise hohe Verluste. Bankia schrieb 2012 den größten Verlust der Wirtschaftsgeschichte des Landes, das Institut erwirtschaftete ein Minus von über 19 Milliarden.

Foto: dpa

Zypern

Mittlerweile weiß jeder um die Bedeutung des Bankensektors auf der Mittelmeerinsel Zypern. Die dortige Finanzindustrie war gut siebenmal so groß wie die Wirtschaftsleistung des Euro-Landes. Das äußert sich auch in der Zahl der Bankfilialen. Mit 104 Filialen je 100.000 Einwohner liegt Zypern unangefochten an der Spitze des Rankings. Interessant wird es sein zu sehen, wie sich die Zahlen künftig entwickeln, da mit der Laiki Bank Zyperns zweitgrößte Bank abgewickelt wird.

Foto: dpa

Was läuft denn falsch?

An der Erhaltung des Status quo trägt die erfolgreiche Lobbyarbeit der Bankenbranche einen gewichtigen Anteil. Bis zur PSD I durften in Europa prinzipiell nur Kreditinstitute Zahlungsverkehr anbieten. Wer ohne Banklizenz  auch nur nahe dem Zahlungsverkehr Leistungen anbot, fand sich schnell auf der Anklagebank wieder. Für die Entwicklung der zukünftigen Finanzprozesse der digitalen Wirtschaft benötigen wir in Europa aber auch die Kreativität von Unternehmern außerhalb der Bankenbranche. Zudem werden auch den Banken selbst Investitionen in neue Bezahlnetzwerke erschwert, wenn zum Beispiel der europäische Gesetzgeber die Preise und Gebühren im Zahlungsverkehr reguliert und damit massiv in die Geschäftsmodelle des Zahlungsverkehrs eingreift. Es fehlen verlässliche Rahmenbedingungen, um in Europa  die hohen Investitionen in den Aufbau neuer Zahlungsverkehrsnetze zu rechtfertigen. Die Herausforderung besteht darin, einen rechtlichen Rahmen vorzugeben, der nachhaltige Planungssicherheit bietet, ohne sich in den Details zu verlieren. Die Entwicklungsspielräume müssen größer werden – insbesondere für Nicht-Banken.

Wie konnte dann etwa Paypal so erfolgreich werden?

Paypal bot Ebay Dienstleistungen, die sie von Banken nicht erhielten und hat damit den etablierten Anbietern ein Lehrstück geliefert. Paypal hat gezeigt, dass Händler durchaus deutlich höhere Preise für den Zahlungsverkehr bezahlen, wenn sie dafür zusätzlich zum Beispiel mehr Sicherheit gepaart mit schneller und einfacher Abwicklung bekommen. Das verbesserte Leistungsangebot verhalf Ebay – in seinem Kerngeschäft -  zugleich zu schnellerem Wachstum. Die Gewinne im Zahlungsverkehr lassen sich durch neue Leistungen, die flexibel auf veränderte Kundenbedürfnisse ausgerichtet sind, nachhaltig sichern. Am PayPal-Modell konnten auch Banken unmittelbar profitierten. Denn Paypal brauchte anfänglich – als das Unternehmen selbst noch keine Banklizenz hatte– die Unterstützung einer Bank. Die US-Großbank JP Morgan erkannte in Paypal keinen Konkurrenten, sondern einen Geschäftspartner mit hohem Ertragspotenzial. JP Morgan unterstützte Paypal unter anderem beim Liquiditätsmanagement und half Einlagen der Paypal-Kunden zu sichern. Damit hat die US-Bank am Finanzplatz London richtig gut verdient.

Das Beispiel zeigt also, dass sich neue Bezahlverfahren auch für die Banken lohnen. Warum bremst die Branche dann?

Sie haben Recht, eigentlich müssten die Banken sehr interessiert sein. Aber Zahlungsverkehr war in den Vorstandsetagen lange kein Thema. Der Marktanteil für Online-Bezahlsysteme war lange sehr klein. Mit den alten Verfahren konnte prinzipiell auch im Internet bezahlt werden. Der weitaus größere Marktanteil - das Bezahlen an der Ladenkasse - war aus Sicht der Banken mit den klassischen Kartenprodukten prinzipiell gut bedient. Leider haben die Banken dabei übersehen, welch exponentielles Wachstumspotenzial in den digitalen Märkten schlummert. In der Anpassung der Zahlungsprozesse an die spezifischen Kundenbedürfnisse steckt viel mehr Geld, als die Banken mit ihrem bisherigen Geschäftsverständnis verdienen. Mit großen zeitlichen Verzögerungen fangen europäische Banken nun allmählich an, sich mit neuen Lösungsansätzen für die zukünftigen Finanzprozesse in der digitalisierten Welt ernsthaft zu beschäftigen.

Viele Nutzer haben Angst vor Betrug. Sind unsere Sicherheitsstandards bei Online-Banking oder Kartenzahlung im Vergleich mit anderen Ländern zu schlecht?

In Deutschland setzen wir beim Online-Banking zum Beispiel immer noch auf Key-Nummer und Passwort. Beide sind bei den meisten deutschen Banken statisch. In Belgien hingegen wird das Passwort immer dynamisch erzeugt, es ist für jede Online-Banking-Session anders. Selbst wenn ein Dritter die Zugangsdaten unberechtigt erhalten sollte, hätte er damit keinen erneuten Zugriff auf die Kontoinformationen. Soweit die Ausführung von Transaktionen von der Eingabe einer dynamischen Transaktionsnummer abhängig ist, besteht zusätzlicher Schutz vor unberechtigter Geldverfügung. Solche sinnvollen Sicherheitsstandards sind keine Raketentechnik. Für mehr Sicherheit ließe sich also durchaus sorgen.

Viele fürchten den Missbrauch ihrer persönlichen Daten noch mehr als den Betrug.

Dabei eröffnet die Nutzung der Zahlungsinformationen Unternehmen und Konsumenten ganz neue Möglichkeiten und sollte nicht voreilig, pauschal oder grundsätzlich abgelehnt werden. Bankkunden sollten die Wahl haben. Sie sollen darüber entscheiden dürfen, welche digitalen Kontodaten sie Dritten zur Auswertung bereitstellt. Das ist auch mit voll anonymisierten Daten möglich. Die Vertrauensfunktion ist zentral für das Bankgeschäft. Aber wenn Banken für sich entscheiden, so etwas nicht selbst anzubieten, dürfen sich daraus keine Verbote für ihre Kunden ableiten, das vertrauenswürdigen Dritten zu erlauben. Bei veralteten Sicherheitsstandards und Prozessen, die noch nicht ganz an die Anforderungen der digitalisierten Wirtschaft angepasst sind, können sich hieraus unter Umständen unklare Haftungsansprüche bei Schadenfällen ergeben. Die rechtliche Reform des europäischen Zahlungsverkehrs muss diesbezüglich Rechtssicherheit für Kreditinstitute und deren Kunden liefern.

Wer zieht denn besonders großen Nutzen aus diesen Auswertungen der Datenbestände?

Zunächst die Unternehmen. Schon seit vielen Jahren fordern Unternehmen eine bessere Aufbereitung der Zahlungsverkehrsdaten aus ihren Geschäftsbeziehungen. Beispielsweise können Großhändler durch zeitnahe Kontoinformationen Bonitätsrisiken in neuen Geschäftsbeziehungen mit kleineren Einzelhändlern reduzieren. Anonymisierte Massendaten über Bezahlvorgänge können für Marktbewertungen oder für Marketingzwecke ausgewertet werden. Schon heute stellen für Einzelhandelsketten wie Metro, Tesco oder Carrefour Datenbestände über historische Umsätze einen großen Schatz dar. Ihre Datenbestände helfen ihnen bei der Generierung zukünftiger Umsätze. Anonymisierte Daten des Zahlungsverkehrs könnten zusätzliche Informationen bieten, die über die eigenen Umsätze hinausgehen. International gibt es mehrere Beispiele, die zeigen, wie derartiges „Data-Based-Marketing“ funktioniert. Solche Marketingstrategien anhand von anonymisierten Kundendaten könnten durch moderne Zahlungssysteme selbst kleine Händler nutzen, um zum Beispiel Trendverschiebungen frühzeitig zu identifizieren.

Wo kommt auf Banken und Verbraucher zu? Nennen Sie uns ein paar Beispiele.

Banken sollten in neue Formen von Konten oder neue Schnittstellen zu den Konten investieren. Es müssten Konten sein, die mehr können, als nur Zahlungseingänge und -abgänge zu verbuchen. Wer die Kontodaten seiner Kunden kennt, kann im Auftrag des Kunden zum Beispiel auch gleich eine Bonitätsauskunft erteilen, anstatt seine Kunden dem aufwendigen und veralteten Prozess der Selbstauskunft auszusetzen. Oder die Bank könnte etwa ein Identifikationsverfahren anbieten, mit dem sich Kunden - wo immer es nötig ist - ausweisen können. Umständliche Postident-Verfahren gehören ins Museum. Für Konsumenten lassen sich auch Dienste für ein bequemeres Einkaufen oder für ein automatisch befülltes, elektronisches Haushaltsbuch vorstellen. Schon heute verarbeiten beispielsweise Steuerberater mit Erlaubnis ihrer Klienten automatisch über Datendienstleister wie etwa Datev Kontodaten, die sie über Online-Banking-Schnittstellen einsehen.

Welche Länder sind denn bei den Bezahlsystemen weiter fortgeschritten und wie sind deren Erfahrungen?

Bekannt sind Service-Anbieter aus den USA. Aber selbst in Ländern wie Südafrika, Kenia oder Uganda sind mobile Bezahlverfahren weiter verbreitet als in Europa. Dort verzeichnet das mobile Bezahlen sehr hohe Wachstumsraten und genießt eine sehr hohe Akzeptanz. Dort zeigt sich auch, dass der mobile Zahlungsverkehr definitiv sicherer ist als das Hantieren mit Bargeld und Belegen.

Woher rührt der Erfolg in diesen Ländern?

Dort gab es lange für große Teile der Bevölkerung gar keinen elektronischen Zahlungsverkehr seitens der Banken. Bei seiner Einführung wurde das klassische Bankennetzwerk dann einfach übersprungen, weil das Mobilfunknetzwerk bereits gut ausgebaut und damit nutzbar war. Stattdessen sorgten diese Länder dafür, dass die technischen Sicherheitsstandards kein Stück schlechter sind, als bei etablierten Banknetzwerken. Und es zeigt sich, dass das Bezahlen über Mobilfunknetzwerke dort neue Geschäftsmodelle ermöglicht. Die Geschäfte, in denen Kunden ihre Prepaid-Karten für ihre Mobiltelefone kaufen, wurden zügig zu Geldannahme- und Geldausgabestellen ausgebaut. Dort werden Geldgeschäfte wie am Bankschalter abgewickelt. Für die ergänzende Bargeldlogistik entstanden ebenfalls neue sicherere Strukturen und Arbeitsplätze in Regionen, in denen es kaum Bankfilialen gab.

Glauben Sie, die üblichen Bezahlsysteme werden von den neuen digitalen letzten Endes verdrängt und begraben?

Ich bin überzeugt, dass auch weiterhin die Vielfalt der Bezahlsysteme bestehen bleibt, auch das Bargeld hat seine Berechtigung. Auch die Banken können verlorenes Terrain in der digitalen Wirtschaft zurückgewinnen, wenn sie ihre Innovationskräfte mit denen der Nicht-Banken sinnvoll koppeln und europäisches Recht den Rahmen für Investitionen bietet. Dann wird sich die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Zahlungsverkehrsindustrie nachhaltig verbessern. Die für den Erfolg notwendigen qualifizierten Menschen und Technologien haben wir.

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