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Commerzbank-QuartalszahlenFür die eigenen Ansprüche (noch) nicht genug

Die Commerzbank legt überraschend gute Quartalszahlen vor. Zugleich zeigen sie, wie schwierig es für die Bank wird, ihre Ziele zu erreichen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Lukas Zdrzalek 09.05.2025 - 14:53 Uhr
Frankfurter Skyline mit dem gelb angestrahlten Commerzbank-Tower Foto: Boris Roessler/dpa

Selbstverständlich feiert sich Bettina Orlopp an diesem Freitag. So jubelte die Chefin der Commerzbank in der morgendlichen Pressemitteilung, das Geldhaus beweise, „dass wir auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wachsen können.“ Der Anlass für Orlopps Lobpreisung sind die Zahlen für das erste Quartal, die der Konzern an diesem Freitag vorlegte. Und die lesen sich tatsächlich beeindruckend, jedenfalls auf den ersten Blick.

Die Einnahmen stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp zwölf Prozent und damit stärker als von den Börsen-Analysten erwartet, die Prognosen über die Geschäftsentwicklung der „Coba“ anstellen. Ebenso legte der Gewinn zu, er übertraf die Analysten-Schätzungen sogar noch deutlicher: Statt wie prognostiziert einen Überschuss von 698 Millionen Euro zu erwirtschaften, gelang der „Coba“ ein Sprint auf 834 Millionen Euro.

Euphorische Chefin, beeindruckende Zahlen – da ließ auch die Reaktion des Marktes nicht lange auf sich warten. Die Aktie des Instituts sprang nach oben, lag am Mittag bis zu zwei Prozent im Plus. Damit setzte das Papier seinen erstaunlichen Erfolgskurs fort: Binnen der vergangenen zwölf Monate ist der Wert der „Coba“-Aktie um fast 75 Prozent gestiegen.

Die Commerzbank muss noch stärker wachsen

Allerdings offenbaren die Quartalszahlen auch, wie groß die Herausforderung ist, die sich die Bank mit ihren neuen Zielen für das Jahr 2028 gesetzt hat. Das belegen drei zentrale Aspekte des aktuellen Ergebnisses.

Der wichtigste Treiber der Zahlen nämlich waren die deutlich gesunkenen Ausgaben für Rechtsstreitigkeiten um spezielle Immobilienkredite, die ihre polnische Tochter MBank vor Jahren an Kunden ausgereicht hatte. Zudem konnte sie die ohnehin schon geringeren Rückstellungen für diese Darlehen mit speziellen Finanzgeschäften nahezu ausgleichen. Die entsprechende Bilanzposition verbesserte sich dadurch um sagenhafte 220 Millionen Euro. Man darf gespannt sein, ob sich dieser Effekt in den kommenden Quartalen und Jahren auch nur ansatzweise wiederholen lässt.

Zudem lief es im Kerngeschäft der Bank zwar ordentlich, aber keineswegs überragend: So müsste die „Coba“ ein jährliches Einnahmenwachstum von 4,1 Prozent schaffen, um ihr für 2028 anvisiertes Ziel von 14,2 Milliarden Euro zu erreichen. Im ersten Quartal legte das Kerngeschäft im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aber nur um knapp 3,5 Prozent zu.

Dieses Ertragswachstum kam auch nur zustande, weil Orlopps Institut von außergewöhnlichen Einflüssen profitierte. So stieg der Überschuss aus Gebühren für Konten, Bezahlkarten, Aktien- und Fondskäufen zwar um fast 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal an. Dazu kam es aber nur, weil etwa die Kunden der Direktbank-Tochter Comdirect besonders oft an der Börse handelten. Schließlich schwankten die Finanzmärkte stark, nachdem Donald Trump das US-Präsidentenamt übernommen hatte. Auch in diesem Bereich ist also keineswegs ausgemacht, dass Orlopp ihr für 2028 ausgelobtes Ziel von jährlich 7 Prozent Wachstum beim Gebührenüberschuss erreichen wird.

Diese drei Punkte erlauben zwei Lesarten im Hinblick auf die Commerzbank-Ziele. Die erste lautet: Die Ambitionen des Instituts sind zu hoch gegriffen. Die zweite: In der Bank steckt noch viel ungehobenes Potenzial. Welcher auch immer man zuneigt: Anlass zum Jubel über die aktuelle Performance aber bieten beide nicht.

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