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Deutsche BankDeutschlands größtes Geldhaus bereitet Kapitalerhöhung vor

Die Deutsche Bank ist mitten im Umbruch. Teure Altlasten belasten das Institut. Diese nagen am Kapitalpolster der Bank. Sie könnte nun reagieren. 04.03.2017 - 10:47 Uhr aktualisiert

Die Zentrale der Deutschen Bank

Foto: dpa

Die Deutsche Bank steht vor wichtigen strategischen Entscheidungen. Deutschlands größtes Geldhaus bereitet eine milliardenschwere Kapitalerhöhung vor. Die Bank bestätigte am Freitagabend „vorbereitende Schritte“ für eine potenzielle Kapitalerhöhung in Höhe von rund acht Milliarden Euro sowie verschiedene strategische Maßnahmen.

Dazu zählten der Verbleib der Postbank im Konzern und ihre Integration mit dem deutschen Privat- und Firmenkundengeschäft sowie der Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an der Deutschen Asset Management über einen Börsengang. Diese Schritte seien abhängig vom Marktumfeld und der Zustimmung des Vorstands und des Aufsichtsrats. Bislang seien keine Entscheidungen getroffen worden.

Bereits seit Monaten wird immer wieder über eine Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank spekuliert, nachdem teure Rechtsstreitigkeiten an der Kapitalbasis der Deutschen Bank genagt hatten. Je mehr Kapital eine Bank vorhält, desto widerstandsfähiger für Krisen ist sie.

In den Jahren bis 2007 lief es rund bei Deutschlands größter Bank: Das Geldhaus verdiente Milliarden und Vorstandschef Josef Ackermann erwuchs zum staatsmännischen Vorstandschef, der es schaffte, dass die Kanzlerin zu seinem 60. Geburtstag ins Kanzleramt lud.

Das Bild zeigt Ackermann und Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2006 in Berlin.

Foto: AP

Rückblick

Die Deutsche Bank hatte es nach der Übernahme der US-Großbank Bankers Trust zur Jahrtausendwende in den Olymp der großen Investmentbanken der Welt geschafft. Das lästige deutsche Privatkundengeschäft sollte zwischenzeitlich als „Deutsche Bank 24“ vom Rest gelöst werden – man spielte in einer anderen Liga. Der Plan wurde zwar kassiert und zurück blieb die „24“ am Ende der Deutsche-Bank-Bankleitzahlen. Doch der globale Anspruch des Instituts blieb bestehen.

Das Bild zeigt den damaligen Bankchef Rolf-E. Breuer nach der Verkündung der Bankers-Trust-Übernahme im Jahr 1998.

Foto: dpa Picture-Alliance

Die Finanzkrise

Als ab 2006 der US-Immobilienmarkt kollabierte und in der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 und einer globalen Finanzkrise gipfelte, gelang es der Deutschen Bank zwar ohne Staatshilfe durch zu kommen. Eine Fußnote der Geschichte war aber: Milliardenforderungen gegenüber dem US-Versicherer AIG waren der Bank nur dank US-Staatshilfen zugeflossen. Und Missetaten aus der Zeit vor der Finanzkrise verfolgen die Bank noch heute.

Bild: Lehman-Brothers-Mitarbeiter nach der Kündigung 2008 in London.

Foto: REUTERS

Die Folgen der Immobilienkrise

Die USA werfen der Deutschen Bank vor, das Risiko von Immobilienwertpapiere in den Jahren vor der Finanzkrise verschleiert und gutgläubigen Investoren angedient zu haben. Ein Verfahren läuft seit Jahren und ist ein Grund dafür, dass die Aktie am Montag ein neues Allzeittief erreichte. Denn in den Vergleichsverhandlungen fordert das US-Justizministerium umgerechnet wohl 12,5 Milliarden Euro von der Bank (bei einem Börsenwert von 16 Milliarden Euro) – und das nach einem Milliardenverlust 2015 und gebildeten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 5,5 Milliarden Euro. Die Bank selbst hofft, mit eher zwei Milliarden Euro im Immobilienstreit auszukommen.

Foto: dpa

Schwaches Kerngeschäft

Nach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt.

Foto: dpa

Riskante Finanzierung

Sowohl der Internationale Währungsfonds als auch die US-Einlagensicherung halten die Bank für das riskanteste Institut der Welt. Im Verhältnis zum Eigenkapital ist die Deutsche Bank hochverschuldet. Die sogenannte „Leverage Ratio“ ist die niedrigste unter den globalen Großbanken. Zwar hat die Bank in den vergangenen Jahren Kapitalerhöhungen durchgezogen. Doch an dieser weltweit beachteten Kennziffer hat sich wenig geändert.

Foto: dpa

Wenig Reserven

Die Deutsche Bank rühmt sich zwar eines hohen Polsters an Liquidität, also stets zu veräußernder Wertpapiere in ihren Büchern. Das soll zeigen: Wir haben Reserven, auf die wir zugreifen können. Doch die drohenden Justizstrafen lassen Analysten vermuten, dass eine Kapitalerhöhung nötig werden könnte. Das würde den Aktienkurs noch weiter schwächen – in vorauseilendem Gehorsam fällt der Kurs.

Foto: dpa

Verzweifelter Umgang mit der Postbank

Mit dem Ausbruch der Finanzkrise kaufte die Deutsche Bank die Postbank mit allein mehr als fünf Millionen Girokonto-Kunden in Deutschland. Zunächst galt der Deal als raffinierter Schachzug des damaligen Chef Ackermanns, das Institut unabhängiger vom Kapitalmarkt zu machen – dank der Einlagen von Sparer auf Sparbüchern und Konten. Doch das Geschäft bindet auch viel Eigenkapital etwa bei den Immobilienfinanzierungen. Und so sollte die Postbank verkauft werden. Doch der Konkurrenzdruck ist hart und wohl kein akzeptabler Preis zu erzielen. Es drohen Abschreibungen.

Foto: REUTERS

Großaktionär Katar

Großaktionär der Deutschen Bank ist die katarische Herrscherfamilie über zwei Investmentvehikel – knapp unter zehn Prozent inklusive Optionen. Die Aktie hat allerdings extrem gelitten und wie eng die Bande zwischen Arabien und Frankfurt sind, ist unbekannt. Die Kataris senden zwar einen deutschen Anwalt als Vertreter in den Aufsichtsrat. Dennoch ist unklar, wie langfristig das Investment sein wird.

Bild: Aufsichtsratschef Paul Achleitner.

Foto: dpa

Schwäche im Kerngeschäft

Vorstandschef John Cryan (Bild) will das Investmentbanking schrumpfen und auf lukrative Bereiche beschränken. Dieser Übergangsprozess läuft just in dem Moment, da die Verhandlungen mit der US-Justiz eskalieren und die Postbank zum Bilanz-Sorgenkind mutiert. Die Aussage eines Sprechers, dass das dritte Quartal 2016 gut gelaufen sei, lässt noch nicht wirklich den Schluss zu, dass dieser Strategieschwenk bald Früchte trägt. In wichtigen Rankings der globalen Investmentbanken rutschen die Deutschen ab.

Foto: dpa

Debatte um Staatshilfen

In der Finanzkrise hatte die Deutsche Bank in Berlin für Staatshilfen in der Branche geworben, selbst aber dann keine in Anspruch nehmen wollen. Das säte Zwietracht zwischen Regierung und Geldhaus. Die prekäre Entwicklung des Aktienkurses lässt jetzt die Debatte aufkochen, ob Deutschland im Zweifelsfall bereit wäre, die Bank zu stützen. „Die Deutsche Bank ist fest entschlossen, ihre Herausforderungen alleine zu lösen", sagt ein Banksprecher. Und Investoren sind gewiss, dass im Fall der Fälle der Staat bereitstünde – schließlich trägt die Bank das „Deutsche“ im Namen. Doch es gibt eben auch die europäischen Regeln, wie Gläubiger an Rettungen beteiligt werden müssen. Das schürt Unsicherheit.

Foto: REUTERS

Offene Opposition

Mehrere Hedgefonds sind Wetten auf einen Fall des Aktienkurses der Deutschen Bank eingegangen. Der britische Fonds Marshall Wace setzt beispielsweise mit einer Position von 0,88 Prozent der ausstehende Papiere (etwa 12 Millionen Aktien) auf fallende Kurse (Stand: 23. September) – immerhin hat zumindest Investorenlegende George Soros (Bild) seine Wette auf den Sturz der Bank inzwischen unter die meldepflichtige Marke von 0,5 Prozent gesenkt.

Foto: REUTERS

Die Fondsgesellschaft Union Investment begrüßte die mögliche milliardenschwere Kapitalerhöhung bei der Deutschen Bank. Eine Kapitalerhöhung sei ein richtiger und logischer nächster Schritt, um die Bank neu auszurichten und das Geschäft wieder nach vorne zu bringen, sagte Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment am Samstag der dpa. Im Vergleich zu den Wettbewerbern sei die Deutsche Bank eher schwach kapitalisiert. Union Investment zählt zu den 20 größten Investoren der Bank.

Neben der Suche nach frischem Geld will das Management der Bank auch über Veränderungen ihrer Führung unterhalb der Ebene des Vorstandsvorsitzenden nachdenken, wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet hatte. Die schließe eine neue Rolle für den derzeitigen Finanzvorstand Marcus Schenck ein, hieß es. Die Bank äußerte sich zu dieser Spekulation in ihrer Mitteilung nicht.

Im vergangenen Jahr hatten ein Konzernumbau und der Abbau teurer Altlasten erneut für tiefrote Zahlen bei der Deutschen Bank gesorgt. Mit 1,4 Milliarden Euro fiel der Verlust aber zumindest deutlich geringer aus als das Rekordminus von 6,8 Milliarden Euro ein Jahr zuvor. Konzernchef John Cryan hatte sich zuversichtlich gezeigt, dass die Deutsche Bank in diesem Jahr wieder Gewinne macht.

Cryan hatte 2016 zu einem „Übergangsjahr“ erklärt - und dem Konzern eine Radikalkur verordnet: Weltweit will die Bank bis 2018 unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze im eigenen Haus abbauen. Aus zehn Auslandsmärkten und manchen Geschäften im Investmentbanking zieht sich die Bank ganz zurück. Im Inland schrumpft die Zahl der Filialen.

dpa
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