1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Banken
  4. Deutsche Bank: Kann John Cryan Deutsche Bank?

Deutsche BankKann John Cryan Deutsche Bank?

Obwohl Aufsichtsratschef Paul Achleitner auf der Hauptversammlung im Zentrum der Aktionärskritik steht, bleibt Vorstandschef John Cryan den leidgeprüften Aktionären eine zukunftsweisende Vision schuldig.Saskia Littmann 19.05.2016 - 15:00 Uhr

John Cryan, der bisherige Co-Vorstandsvorsitzender und zukünftiger Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, spricht am 19.05.2016 auf der Hauptversammlung in Frankfurt am Main.

Foto: dpa

„Lieber John, die Bank ist bei Dir in guten Händen“. Nahezu liebevoll übergab der scheidende Co-Vorsitzende Jürgen Fitschen den Staffelstab der Deutschen Bank an John Cryan. Nach der Hauptversammlung am Donnerstag wird der Brite die größte deutsche Bank alleine führen – es ist eine Herkulesaufgabe im wahrsten Sinne des Wortes, die Cryan bewältigen muss.

Eigentlich könnte der Banker der richtige Mann zur richtigen Zeit sein. Er gilt als knallharter, analytischer Sanierer, der mit seinen schillernden Vorgängern wie Anshu Jain oder Josef Ackermann wenig gemein hat. Wäre die Deutsche Bank ein solider Mittelständler, würde das Sanierer-Modell Cryan sicherlich aufgehen. Der deutsche Branchenprimus der Bankenwelt sieht sich aber gerne als internationales Aushängeschild der deutschen Finanzwelt.

Diese Position ist allerdings akut gefährdet, und auch John Cryan war auf der Hauptversammlung nicht in der Lage, die Aktionäre vom Gegenteil zu überzeugen. „Herr Cryan, sie mögen ein Sanierer sein, aber sind sie auch ein Visionär?“, fragte ein Aktionärsvertreter. Cryan muss die Bank nicht nur von ihren Altlasten befreien, sondern auch aufzeigen, wo das Institut in Zukunft Erträge erzielen will. Sonst riskiert der Brite, die Deutsche Bank endgültig ins Mittelmaß abrutschen zu lassen.

Deutsche Bank

Aktionäre nehmen Aufsichtsratschef ins Visier

Früher war mehr Lametta. Das gilt nicht nur für die Vorstände der Deutschen Bank, auch das „Rahmenprogramm“ der Hauptversammlung fiel schon mal üppiger aus. Lediglich ein paar Protestplakate flatterten am Donnerstag vor der Frankfurter Festhalle im Wind, einzelne Trommler und Aktivisten hofften vergeblich auf Aufmerksamkeit der Aktionäre.

Die, so scherzte Anlegervertreter Klaus Nieding von der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW), würden für ihre Eintrittskarte im Wert von unter 15 Euro „richtig was geboten“ bekommen. Damit legt Nieding den Finger in die Wunde, denn der Aktienkurs ist Spiegelbild des Abstiegs der größten deutschen Bank. Die alte Führung habe Milliardenwerte vernichtet, klagt ein Aktionärsvertreter. Die Bank segele beim Thema Marktkapitalisierung weit unter dem Dax durch. Von einer Dividende kann nicht die Rede sein, das vergangene Geschäftsjahr hat einen Rekordverlust geliefert und im ersten Quartal 2016 lagen die Erträge um satte 22 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert.

Mai 2016

Der italienische Staatsanwalt Michele Ruggiero ermittelt wegen Marktmanipulation gegen die Deutsche Bank und fünf aktuelle und ehemalige Top-Manager. Es geht um den Verkauf von italienischen Staatsanleihen im Wert von sieben Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2011. Die Deutsche Bank soll öffentlich versichert haben, dass die italienischen Staatsschulden stabil seien, gleichzeitig aber den Märkten und dem Finanzministerium in Rom verschwiegen haben, dass sie ihre eigenen Bestände drastisch abbauen werde.

Foto: REUTERS

Mai 2016

Die Deutsche Bank legt ein Verfahren in den USA außergerichtlich bei. Sie zahlt 50 Millionen Dollar wegen des Vorwurfs der Manipulation des Marktindexes Isdafix. Mehrere Pensionsfonds und Kommunen hatten insgesamt 14 Banken vorgeworfen, den Wettbewerb auf dem Markt für sogenannte Zinsswaps behindert zu haben.

Foto: REUTERS

Mai 2016

Die britische Finanzaufsicht FCA wirft der Deutschen Bank grobe Versäumnisse bei ihren Kontrollsystemen vor. Die Aufsicht kritisiert die Vorkehrungen des Instituts gegen Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung und Sanktionsverstöße. Diese wiesen "systematische Mängel" auf. Führungskräfte seien nicht ausreichend im Kampf gegen Finanzkriminalität engagiert.

Foto: REUTERS

28. April 2016

Dieser Ärger ist hausgemacht: Georg Thoma, Leiter des Integritätsausschusses im Aufsichtsrat der Deutschen Bank, legt sein Amt nach massivem Druck seiner Kollegen nieder. Da Thoma vor allem die Aufklärung von Skandalen vorantreiben sollte, verunsichert sein Rückzug die Investoren.   

Foto: dpa

25. April 2016

Ausnahmsweise mal ein juristischer Erfolg für die Bank. Das Münchner Landgericht spricht Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen und vier Ex-Spitzenbanker vom Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs frei. Die Staatsanwaltschaft hatte den Angeklagten vorgeworfen, im Zivilprozess um die Pleite des Medienunternehmers Leo Kirch gelogen zu haben.

Foto: dpa

22. April 2016

Aktionärin Marita Lampatz verlangt eine umfangreiche Sonderprüfung bei der Deutschen Bank. Neben vergangenen Jahresabschlüssen soll ein externer Experte auch Schadenersatzansprüche gegen Aufsichtsratschef Paul Achleitner und andere Topmanager wegen des Libor-Zinsskandals prüfen. Über den Antrag entscheidet die Hauptversammlung am 19. Mai.

Foto: dpa

April 2016

Die Veröffentlichung der „Panama Papers“ zeigt, dass rund 30 deutsche Banken in den vergangenen Jahren die Dienste der Kanzlei Mossack Fonseca genutzt und mit ihrer Hilfe Briefkastenfirmen aufgesetzt haben. Auch die Deutsche Bank ist dabei.

Foto: REUTERS

Januar 2016

Vorstandschef John Cryan bestätigt, dass der Vorstand der Bank eine Untersuchung gegen ein Mitglied des Aufsichtsrats eingeleitet hat. Der Vorsitzende des Kontrollgremiums Paul Achleitner könnte die Aufklärung der Libor-Affäre verzögert haben, weshalb die britische FCA die Strafe für die Bank um 100 Millionen Pfund erhöhte. Sollte Achleitner schuldhaft gehandelt haben, drohen Schadenersatzforderungen.  

Foto: dpa

Dezember 2015

Schon länger ermitteln Aufseher und interne Kontrolleure wegen eines Geldwäschefalls in Russland. Nun wird publik, dass dieser mit zehn Milliarden Euro größer als bisher bekannt ausfallen dürfte. Außerdem könnte die Bank gegen Sanktionen verstoßen haben. Es drohen hohe Bußen. 

Foto: dpa

November 2015

Der Pensionsfonds für Lehrer aus Chicago hat bei einem Bundesgericht in Manhattan Klage unter anderem gegen die Deutsche Bank eingereicht. Mit anderen Banken soll sie versucht haben, die Fondsmanager vom elektronischen Handel mit Zinsswaps fernzuhalten. 

Foto: REUTERS

Oktober 2015

Deutsche-Bank-Chef John Cryan schreibt Firmenwerte radikal ab und erhöht die Rückstellungen für Prozesse deutlich. Das führt zu einem Quartalsverlust von rund sechs Milliarden Euro – der höchste in der Geschichte der Bank.

Foto: dpa

September 2015

Die Deutsche Bank ist zusammen mit anderen Geldhäusern wegen möglicher illegaler Preisabsprachen im Edelmetallhandel im Visier von Schweizer Beamten. Die Schweizer Wettbewerbskommission verfüge über Anhaltspunkte, dass sieben Institute möglicherweise unzulässige Absprachen im Handel mit Edelmetallen getroffen hätten, teilte die Behörde mit.

Foto: CLARK/obs

August 2015

Frankfurter Staatsanwälte klagen Beschäftigte der Deutschen Bank wegen Mittäterschaft bei besonders schwerer Umsatzsteuerhinterziehung an. Die Beschuldigten sollen 2009 und 2010 beim Handel mit Verschmutzungsrechten dubiosen Firmen geholfen haben, den Fiskus um mehrere Hundert Millionen Euro zu betrügen.

Foto: REUTERS

Juli 2015

Ein Zwischenbericht der Finanzaufsicht Bafin gelangt an die Öffentlichkeit. In diesem wirft die Behörde Topmanagern der Bank schwere Versäumnisse im Zusammenhang mit der Manipulation des Referenzzinses Libor vor.

Foto: dpa

07. Juni 2015

Aus für Anshu Jain. Die Deutsche Bank ersetzt den bisherigen Co-Chef durch den Briten John Cryan. Jains Position war auch durch seine mögliche Verbindung zu zahlreichen Skandalen im Investmentbanking unhaltbar geworden. 

Foto: dpa

Die beiden Co-Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Anshu Jain (l) und Jürgen Fitschen, lächeln am 21.05.2015 während der Hauptversammlung der Deutschen Bank in der Festhalle in Frankfurt am Main (Hessen). Die Deutsche Bank hat kurz vor der Hauptversammlung ihren Vorstand kräftig umgebaut. Dabei erhält der vor allem in Deutschland umstrittene Jain deutlich mehr Macht. Foto: Arne Dedert/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Foto: dpa

Mai 2015

Eklat bei der Hauptversammlung: Nur 60 Prozent der Aktionäre stimmen der Entlastung des Vorstands zu. Ein derartiges Misstrauensvotum ist ziemlich beispiellos.

Foto: dpa

April 2015

Dieser Frieden ist teuer erkauft: Die Deutsche Bank muss für die Manipulation der Libor-Zinsen eine Rekordstrafe von 2,3 Milliarden Euro zahlen. Britische und amerikanische Behörden sehen sie im Mittelpunkt des Skandals. Außerdem werfen sie ihr unkooperatives Verhalten vor.

Foto: dpa

Bis 2018, so Cryan, strebe die Bank eine Kosten-Ertragsquote von etwa 70 Prozent an. Das ist gerade mal Durchschnitt in der deutschen Bankenlandschaft. Aktuell muss die Bank sogar 80 Cent ausgeben, um einen Euro einzunehmen. Umso wichtiger wäre es, dass John Cryan aufzeigt, in welchem Geschäftsfeld die Deutsche Bank in Zukunft ihre Erträge einfahren will. Aber Zukunftsfantasien wollen auch in seiner Amtszeit bisher nicht aufkommen. Stattdessen ist der Aktienkurs um rund fünf weitere Euro gesunken, ein Turn-Around ist nicht in Sicht.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)

Die Bundesregierung ist nach eigenen Angaben nicht beunruhigt ob der Aktienkursentwicklung der Deutschen Bank. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sagte, er mache sich „keine Sorgen“ um die Deutsche Bank.

Foto: dpa

Martin Wansleben

Die Wirtschaft macht sich da schon mehr Gedanken über den Zustand des Geldhauses. „Uns macht natürlich Sorgen, was da geschieht“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben. Die deutsche Wirtschaft mit ihren vielen mittelständischen Firmen und Familienunternehmen brauche starke Banken auf dem Heimatmarkt: „Keine Volkswirtschaft ist so sehr darauf angewiesen, dass Banken ausreichend Darlehen geben.“

Foto: dpa

Regierungspolitiker

Am deutlichsten bringt es ein Koalitionspolitiker hinter vorgehaltener Hand auf den Punkt: „Hier geht es nicht um Kapitalismus, sondern um Gesellschaftspolitik.“ Die Deutsche Bank mit ihren bekannten Doppeltürmen in Frankfurt sei ein „Symbol nationaler Identität“. Trotz der Misere gibt es de facto also eine Bestandsgarantie. „Bei einem Übernahmeversuch würde die Regierung intervenieren.“

Foto: REUTERS

John Mack, ehemaliger CEO von Morgan Stanley

Die Deutsche Bank als größter Kreditgeber Deutschlands sollte Anlegern Vertrauen in ihre Fähigkeit geben, Schuldzinsen zu zahlen, sagte John Mack, der ehemalige CEO von Morgan Stanley. „Die Leute reagieren über“, sagt Mack. „Ihr Name ist Deutsche Bank. Sie ist die Deutsche Bank. Wenn es nötig ist, spannt die Regierung ein Sicherheitsnetz.“

Foto: REUTERS

Fondsmanager Marc Hellingrath, Union Investment

“Die Niedrigzinsen lasten schwer auf den Märkten, die Kreditvergabe gerät ins Stocken, und im Wertpapierhandel halten sich die Kunden zurück,” sagte der Fondsmanager Marc Hellingrath von Union Investment.

Foto: imago images

Christian Gattiker, Chefstratege und Leiter Research bei Julius Bär

Deutsche Ankündigungen bezüglich der Deutschen Bank hätten ein wenig vom generellen Bedenken am System genommen, sagte Christian Gattiker, Chefstratege und Leiter Research bei Julius Bär. „Investoren drängen auf eine Antwort auf die Fragen des europäischen Bankensystems – zumindest bekamen sie eine Antwort. Es ist nicht eine Wiederholung der Finanzkrise.“

Foto: REUTERS

Im ersten Quartal belastete vor allem der schwache Handel das Geschäft der Bank, bisher ist aber offen, welches Geschäftsfeld die Erträge aus dem schwankenden Geschäft ausgleichen sollen. Zumal die Altlasten weiterhin wie Blei in den Bilanzen liegen. Ohne Rechtskosten wäre auch das Segment Global Markets ein Ertragstreiber gewesen.

Cryan mag ein guter Sanierer sein, aber solange er von den Altlasten ausgebremst wird, dürfte er nicht zum erkennbaren Visionär werden. Dass die Aufklärung der Vergangenheit noch lange dauern wird, zeigt sich nun erneut. Wie am Donnerstag bekannt wurde, wird der Deutschen Bank in den USA zusammen mit anderen Banken vorgeworfen, an Preismanipulationen im Anleihenmarkt beteiligt zu sein. John Cryan glaubt zwar, die Bank sei auf einem guten Weg, erwartet aber weitere Kosten für Rechtsstreitigkeiten bis Ende dieses Jahres.

Wo die Deutsche Bank überall Ärger hat
Im Juni wurde bekannt, dass Ermittler rund um den Globus dem Verdacht nachgehen, russische Kunden könnten über die Deutsche Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von mindestens sechs Milliarden Dollar gewaschen haben. Die Bank hat versprochen, zur Aufarbeitung der Affäre mit den Behörden zusammenzuarbeiten. Mehrere Mitarbeiter in der Moskauer Niederlassung wurden deshalb vor die Tür gesetzt, darunter auch der ehemalige Chef-Händler in Russland, Tim Wiswell.Inzwischen hat die Affäre eine neue Dimension erreicht: Das US-Justizministerium und die Finanzbehörde von New York (DFS) prüfen laut einem Medienbericht, ob die Bank gegen Sanktionen verstoßen hat. Dabei gehe es auch um die Frage, ob Geschäfte mit Vertrauten von Russlands Präsident Wladimir Putin gemacht wurden und ob die Bank intern geeignete Vorkehrungen getroffen hat, um solche Verstöße zu verhindern.
Schon länger steht die Deutsche Bank im Verdacht, gegen Sanktionen verstoßen zu haben, die die USA gegen Länder wie den Iran verhängt haben. Die Gespräche über einen Vergleich laufen, wie Insider berichten. Intern gab es zuletzt die Hoffnung, dass dieses Thema zeitnah abgeschlossen werden kann. Die Bank hat betont, sie habe sich bereits 2007 aus Iran-Geschäften zurückgezogen. Einige andere Finanzinstitute mussten für Vergleiche in der Sache bereits tief in die Tasche greifen: Die französische BNP Paribas zahlte knapp neun Milliarden Dollar, die Commerzbank 1,45 Milliarden Dollar.
Ende 2013 zahlte die Deutsche Bank 1,4 Milliarden Euro für die Beilegung ihres größten Rechtsstreits im Zusammenhang mit fragwürdigen Hypothekengeschäften in den USA. Das Institut soll vor der Finanzkrise beim Verkauf von Wertpapieren, die mit Hypotheken unterlegt sind, falsche Angaben gemacht haben. Andere Verfahren, die die amerikanischen Federal Housing Finance Agency (FHFA) gegen die Deutsche Bank und weitere Häuser angestrengt hatte, sind aus dem Vergleich jedoch ausgeklammert. Auch andere Klagen liegen noch auf dem Tisch und könnten potenziell viel Geld kosten.
Die Bank ist nach Ansicht des Oberlandesgerichts München mitverantwortlich für die Pleite des Medienkonzerns im Jahr 2002. Grund ist ein Interview des damaligen Bankchefs Rolf Breuer, in dem dieser Zweifel an Kirchs Kreditwürdigkeit gesät hatte. Anfang 2014 einigten sich die Streitparteien in einem Vergleich zwar auf Schadenersatz von 925 Millionen Euro. Doch die strafrechtlichen Ermittlungen gegen einzelne Spitzenmanager der Bank wegen versuchten Prozessbetrugs liefen weiter. Die Staatsanwaltschaft München erhob schließlich Anklage gegen Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen sowie die früheren Spitzenmanager Josef Ackermann, Rolf Breuer und Clemens Börsig. Prozessauftakt war im April, das Verfahren zieht sich. Die Ermittlungen wurden zudem auf den heutigen Rechtsvorstand Stephan Leithner und die Anwälte der Bank ausgeweitet.
Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Bank wegen des Verdachts der Umsatzsteuerhinterziehung im Zusammenhang mit dem Betrug mit CO2-Verschmutzungsrechten. Rund 500 bewaffnete Polizisten und Steuerfahnder hatten deshalb Ende 2012 den Hauptsitz der Bank in Frankfurt und andere Büros durchsucht. Co-Chef Fitschen und der langjährige Finanzvorstand Stefan Krause gehörten zu ursprünglich 25 Mitarbeitern der Bank, gegen die in der Affäre wegen schwerer Steuerhinterziehung ermittelt wurde. Denn Fitschen und Krause hatten die auf dem CO2-Betrug basierende Steuererklärung unterzeichnet. Im August diesen Jahres erhob die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt schließlich gegen acht beteiligte Kundenbetreuer und Händler der Deutschen Bank Anklage wegen "bandenmäßiger Steuerhinterziehung".
Wegen der Manipulation wichtiger Referenzzinssätze wie Euribor und Libor musste die Deutsche Bank viel Geld abdrücken. Die EU-Kommission verhängte Ende 2013 eine Strafe von 1,7 Milliarden Euro gegen sechs Großbanken, davon entfiel mit 725 Millionen Euro der Löwenanteil auf das Frankfurter Geldhaus. Die Behörden in Großbritannien und den USA brummten der Bank eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar auf. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat in ihrem Bericht zur Zinsaffäre eine Reihe von Top-Managern scharf angegriffen und ihnen zu laxe interne Kontrollen beziehungsweise eine mangelnde Aufklärung der Tricksereien vorgeworfen. Darunter war auch Co-Vorstandschef Anshu Jain, der im Frühsommer sein Amt zur Verfügung stellte. Einen Zusammenhang zwischen dem Rücktritt und dem BaFin-Bericht wies die Bank allerdings zurück.Mit vier mutmaßlich in den Zinsskandal verwickelten Händlern hat sich die Deutsche Bank in Frankfurt nach langem Hin und Her auf einen Vergleich geeinigt, der ebenfalls Geld kostete.Ob das Zinskapitel wirklich abgeschlossen ist, ist offen. In den USA könnten auch Sammelklagen von Anlegern gegen die Bank zugelassen werden. Sie müssen aber eindeutig nachweisen, dass ihnen durch die Manipulationen Nachteile entstanden sind.
Aufseher, darunter auch die BaFin, gehen dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt ebenfalls getrickst haben. Einige internationale Großbanken haben in der Sache bereits milliardenschwere Vergleiche geschlossen. Die Deutsche Bank als einer der größten Devisenhändler der Welt nicht. Sie hat Finanzkreisen zufolge aber mehrere Händler vom Dienst suspendiert. Sie stehen offenbar im Verdacht, an Referenzkursen gedreht zu haben. Die Deutsche Bank hat erklärt, dass sie zur Aufklärung des Skandals mit verschiedenen Aufsichtsbehörden zusammenarbeitet und zudem eine interne Untersuchung gestartet hat. Diese Untersuchung ergab nach Angaben aus Finanzkreisen, dass es bislang keinerlei Hinweise auf Tricksereien bei den großen Währungen Euro, Dollar, Pfund und Yen gibt, wohl aber vereinzelt beim russischen Rubel und dem argentinischen Peso.Vom Haken sind die Frankfurter aber nicht: In der US-Niederlassung der Bank installierte die New Yorker Finanzaufsicht DFS einen Kontrolleur, der sich Finanzkreisen zufolge nun schon seit einigen Monaten das elektronische Devisenhandelssystem genauer anschaut. Demnach sind Algorithmen der Plattform "Autobahn" Teil der Ermittlungen.Amerikanische und deutsche Aufseher gehen zudem dem Verdacht nach, dass Geldhäuser den viel beachteten Marktindex für Swap-Geschäfte (Isdafix) zu ihren Gunsten beeinflusst haben. Sie haben auch dazu Informationen von der Deutschen Bank angefordert.
Das US-Justizministerium ermittelt seit mehr als fünf Jahren gegen Finanzinstitute in der Schweiz wegen mutmaßlicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Am Haken haben die Behörden seit 2013 auch die Deutsche Bank. Deren Schweizer Tochter erstatte Selbstanzeige. Finanzkreisen zufolge hat sich die Deutsche Bank bei den US-Behörden gemeldet, weil sie den Verdacht hegte, einige US-Kunden könnten ihr Vermögen in der Schweiz vor dem heimischen Fiskus versteckt haben. Seither würden Daten an die USA geliefert und Anfragen beantwortet. Eine Strafzahlung könne die Bank damit aber wohl nicht abwenden, sondern nur auf einen Rabatt hoffen. Eine Entscheidung steht noch aus. Das Bußgeld kann sich auf bis zu 50 Prozent der versteckten Gelder belaufen.

Zu Recht fordern Aktionäre unabhängige Sonderprüfungen gegen Vorstände und Aufsichtsräte, insbesondere gegen Chefkontrolleur Paul Achleitner, dem vorgeworfen wird, zu lange an ehemaligen Vorständen festgehalten zu haben. „Es gilt, den Dingen auf den Grund zu gehen“, erklärte der Anwalt von Aktionärin Lampertz, welche die Sonderprüfung gefordert hatte.

Noch kann sich Cryan hinter seinem Chefkontrolleur Achleitner verstecken. Dieser stand auf der diesjährigen Hauptversammlung klar im Zentrum der Kritik der Aktionäre, viele wollen Achleitner nicht entlasten. Nicht nur der Umgang mit den ehemaligen Vorständen, auch der Weggang des kritischen Wirtschaftsanwalts Georg Thoma aus dem Aufsichtsrat kratzt an Achleitner, der Thoma in den Kreis der Aufseher geholt hatte.    

Das Problem für Cryan: derartige Querelen nehmen beim deutschen Branchenprimus einen viel zu großen Raum ein und belasten das Image, wie Aufsichtsratschef Achleitner am Anfang der Hauptversammlung zu Recht feststellte. Cryan kann also sanieren, das marode IT-System der Bank auf einen neueren Stand bringen und Baustellen beheben – das Image der Bank wird er damit aber nicht retten.

Und die Fantasie der Anleger entfacht er mit Erläuterungen zu Einsparungen und dem anstehenden Stellenabbau auch nicht gerade. Cryan muss nun nicht nur die Altlasten beseitigen, sondern auch noch mit einem deutlich angezählten Chefkontrolleur leben. Gleichzeitig darf er die Zukunftsperspektiven der Bank nicht vernachlässigen. Angesichts dieses Spagats gilt: Es gibt wahrlich leichtere Jobs als den des Deutsche Bank-Chefs.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick