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Europäische Zentralbank Schärfere Kapitalvorschriften für die Deutsche Bank

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Die EZB verschärft die Kapitalvorschriften für die Deutsche Bank. Auch die Anforderungen an die Commerzbank steigen. Beide Institute erfüllen die Vorgaben klar. Die dickeren Kapitalpolster sollen Banken sicherer machen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) fordert von der Deutschen Bank und der Commerzbank eine dickere Kapitaldecke als bisher. Die Deutsche Bank muss nach eigenen Angaben vom Donnerstag ab dem 1. Januar eine harte Kernkapitalquote von mindestens 10,65 Prozent - unter Anwendung der Übergangsregeln - aufweisen. Das sind 1,13 Prozentpunkte mehr als 2017. Bei der Commerzbank erhöht sich die Vorgabe um 1,125 Prozentpunkte auf 9,625 Prozent, wie ein Sprecher sagte. Nur wer die sogenannte SREP-Quote erfüllt, die für jede Bank individuell für ein Jahr festgelegt wird, unterliegt bei der Zahlung von Dividenden, Zinsen auf bestimmte Hybridpapiere und Boni keiner Beschränkung. Die höheren Vorgaben sind vor allem auf das allmähliche Auslaufen von Übergangsregeln zurückzuführen.

Sowohl Deutsche Bank als auch Commerzbank lagen zuletzt deutlich über den offiziellen Anforderungen der EZB. Bei der Deutschen Bank betrug die Kernkapitalquote basierend auf den Übergangsregeln Ende September 14,6 Prozent, bei der Commerzbank 14,4 Prozent. Unter Vollanwendung der ab 2019 geltenden strengeren Vorschriften waren es bei der Deutschen Bank dem jüngsten Zwischenbericht zufolge 13,8 Prozent, bei der Commerzbank 13,5 Prozent.

Nach der Finanzkrise 2008 haben die Aufseher die Kapitalauflagen schrittweise verschärft, um Banken krisenfester zu machen und zu verhindern, dass sie den Steuerzahlern erneut zur Last fallen. Das Ende 2010 beschlossene Regelwerk (Basel III) soll im Großen und Ganzen ab 2019 vollständig gelten. Ende 2017 wurde noch einmal eine weitere mittelfristige Verschärfung der Kapitalregeln beschlossen. Besonders streng sind die Vorgaben für Institute, die wegen ihrer Vernetzung als wichtig für das globale Finanzsystem erachtet werden. Die Commerzbank zählt anders als die Deutsche Bank nicht dazu.

Was 2018 auf die Deutsche Bank zukommt
John Cryan, Chef der Deutschen Bank Quelle: AP
Investmentbank auf Kurs bringenDer Wertpapierhandel und das Geschäft mit Börsengängen, Fusionen und Übernahmen war einst die Vorzeigesparte der Deutschen Bank. Nach der Finanzkrise und erst recht nach dem Abgang des ehemaligen Star-Investmentbankers Jain sanken jedoch die Erträge und das Institut läuft den großen US-Häusern wie Morgan Stanley und Goldman Sachs hinterher. Die neue Doppelspitze, Marcus Schenck (im Bild) und Garth Ritchie, steht unter Druck, schnell Kunden zurückzugewinnen, die der Bank zuletzt den Rücken gekehrt haben. Quelle: dpa
Unlängst bat das neue Duo die Investoren öffentlich um mehr Geduld; der Umbau der Investmentbank werde noch mehr Zeit - zwei bis drei Jahre - in Anspruch nehmen. Helmut Hipper, Fondsmanager bei Union Investment, einem der größeren Aktionäre der Bank, geht mit dem Geldhaus hart ins Gericht. "Die Deutsche Bank hat bei den Investoren zu hohe Erwartungen geweckt." Die Bank habe sich schlechter geschlagen als die Konkurrenz und müsse nun schnellstens aufholen. "Sonst muss man sich schon fragen: Funktioniert der Business-Plan?" Cryan, Schenck und Ritchie bleibt als Trost, dass sie zuletzt Boden gutmachen konnten. In der jüngsten von Reuters veröffentlichten Weltrangliste von Fusionen und Übernahmen kletterte das Frankfurter Haus auf Platz sechs und war damit die beste Bank, die nicht aus den USA kommt. Auch auf dem Heimatmarkt ging es nach oben. Quelle: dpa
Postbank in den Konzern integrierenWahrscheinlich komplexester Teil der von Cryan im Frühjahr ausgegebenen Strategie ist die Integration der Postbank in den Konzern. Nachdem der Verkauf des Bonner Instituts nicht gelungen war, soll sie nun mit der Privatkundensparte der Mutter verschmolzen werden. Damit entsteht mit rund 20 Millionen Kunden und einem Kundenvermögen von 325 Milliarden Euro ein neuer Riese auf dem deutschen Markt. Mitte 2018 ist die rechtliche Zusammenführung unter einem Dach geplant. Der Fusion der beiden Institute werden in den kommenden Jahren Tausende Stellen zum Opfer fallen, vor allem bei der Postbank - wie viele genau ist noch unklar. Aber die Deutsche Bank hat kurz vor Weihnachten ein Freiwilligenprogramm aus der Taufe gehoben und will zunächst bis zu 1000 Mitarbeiter über Altersteilzeit und Abfindungen loswerden. Kündigungen sind bis 2021 ausgeschlossen. Quelle: dpa
Vermögensverwaltung an die Börse bringenEin weiterer wichtiger Baustein in Cryans Strategie ist der Teil-Börsengang der Vermögensverwaltung, der im ersten Halbjahr 2018 über die Bühne gehen dürfte. Schätzungen von Analysten zufolge könnte der Verkauf von einem Viertel der Aktien der Deutschen Asset Management (DAM) zwei Milliarden Euro bringen. Das erste Feedback potenzieller Investoren fiel verhalten aus, weil sich die Bank über das rechtliche Konstrukt der Kommanditgesellschaft auf Aktien Einfluss auch für den Fall gesichert hat, dass ihr Anteil sinkt. Das Team um DAM-Chef Nicolas Moreau wird noch einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen, damit der Börsengang ein Erfolg wird. Quelle: dpa
Großaktionäre treffen und bei Laune haltenAuf die ganz persönliche To-do-Liste von John Cryan dürfte Aufsichtsratschef Paul Achleitner (im Bild) für das kommende Jahr Treffen mit den Großaktionären geschrieben haben. Das Emirat Katar, der hierzulande misstrauisch beäugte chinesische Mischkonzern HNA, der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock und der US-Investor Cerberus wollen umgarnt werden, damit sie bei der Stange bleiben. Nachdem Cryan unlängst schon Ärger mit Achleitner bekam, weil er es terminlich nicht schaffte, zum Antrittsbesuch bei den Chinesen vorbeizuschauen, sollte ihm ein solcher Fauxpas 2018 nicht nochmal passieren. Zu deutlich wurde seitens der großen Geldgeber schon Kritik an Cryan laut als das Achleitner diese überhören könnte. Aus dem Umfeld eines der größeren Anteilseigner sind deshalb warnende Töne zu hören - wenn auch hinter vorgehaltener Hand: "Achleitner hat einen Pakt mit den Großinvestoren geschlossen und wenn die ihm sagen, er soll Cryan fallenlassen, dann wird er das auch tun." Quelle: dpa

Bislang haben erst wenige Institute im Euro-Raum die für sie 2018 geltenden Vorgaben veröffentlicht. Nach Angaben der EZB-Bankenaufsicht wird im Schnitt eine Quote von 10,6 Prozent gefordert. Für 2017 waren es 10,4 Prozent. Die meisten Geldhäuser halten deutlich mehr Kapital vor als es die Mindestanforderungen vorsehen. Nur ein Bankhaus im Währungsgebiet verfehlte zuletzt die verlangte Quote - ein Jahr zuvor waren noch fünf Institute durchgefallen.

Die EZB ist für die Aufsicht über die großen Geldhäuser im Währungsraums zuständig. Direkt überwacht sie 119 Institute, darunter 21 Banken in Deutschland. Die Kontrolle der kleineren Geldhäuser teilt sie sich mit den nationalen Aufsehern der Euro-Länder.

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