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FinTechDie jungen Wilden müssen um Vertrauen kämpfen

Junge, digitale Finanzdienstleister elektrisieren die traditionelle Bankenwelt. Aber sind sie auch zuverlässig? Was dran ist am FinTech-Hype und wie Verbraucher und Firmenkunden davon profitieren können.Mark Fehr 05.02.2016 - 11:18 Uhr

Wie Verbraucher und Firmenkunden von jungen, digitalen Finanzdienstleistern profitieren.

Foto: Getty Images

Yassin Hankir zieht schon sein zweites FinTech-Start-up hoch. Savedroid heißt das aktuelle Baby, was so viel bedeutet wie Sparroboter. Die App für das Mobiltelefon soll den inneren Schweinehund im Nutzer an die kurze Leine nehmen und ihn zum Sparen anregen, wann immer die Möglichkeit dazu besteht.

Die rein finanzielle Dienstleistung des Sparkontos ist dabei nur ein Teil des Geschäftsmodells, erklären Hankir und sein Mitgründer Marco Trautmann am Konferenztisch im Savedroid Büro mitten im rauen Gutleutviertel nicht weit vom Frankfurter Hauptbahnhof. Strategie von Savedroid soll vielmehr sein, anhand der Kontobewegungen der Kunden deren Sparpotenzial zu erkennen. Beispiel: Der Handy- oder Energieversorgungsvertrag ist zu teuer und könnte gegen ein billigeres Angebot bei vergleichbarer Leistung getauscht werden.

Platz 1: Gini

Das Münchener Start-up Gini will vor allem vereinfachen – es bündelt, sortiert, erinnert, bezahlt und kündigt. Mit der Smartphone-App Gini Pay werden beispielweise Überweisungsträger im B2B-Bereich einfach abfotografiert. Nutzer müssen also weder Konto- noch IBAN-Nummern abtippen. „Gini versteht Dokumente in Echtzeit. Und bekämpft Papierkram“, wirbt das Unternehmen auf seiner Webseite. Mit ihrem Vereinfachungskonzept konnte das Team um Steffen Reitz und Holger Teske die Jury überzeugen – und wurde deshalb auch zum besten Fintech 2015 gewählt.

Foto: Presse

Platz 2: Weltsparen

Das 2012 gegründete Portal Weltsparen.de der Saving Global GmbH ist der erste Online-Marktplatz für europäische Festgelder. Bei ausgewählten Partnerbanken aus ganz Europa können Kunden online ihr Geld anlegen – mit deutlich attraktiveren Zinsen bis zu 2,5 Prozent. Auf dem Bild sind die Gründer Michael Stephan, Frank Freund und Tamaz Georgadze (von links) zu sehen.

Foto: Presse

Platz 3: Numbers 26

Die moderne Banking-App von Maximilian Tayenthal (links im Bild) und Valentin Stalf soll das herkömmliche Girokonto ersetzen. Ihr Konto ist komplett kostenlos, kann per Smartphone und in Echtzeit bedient werden – und eine Mastercard gibt es noch dazu. Mit ihrem Angebot treten die beiden Unternehmer in direkte Konkurrenz zu den bestehenden Direktbanken – und werben mit der Einfachheit ihrer Produkte. Für den Firmennamen ist übrigens der berühmte bunte Zauberwürfel verantwortlich, der aus 26 einzelnen Würfeln besteht. „Das ist unsere Inspiration dafür, dass man auch das komplexe Bankensystem mit der richtigen Strategie einfach lösen kann“, erklären Tayenthal und Stalf ihre Firmenphilosophie.

Foto: Presse

Fairr.de

Das Berliner Start-up Fairr.de gehört zu den übrigen Finalisten und hat sich auf Altersvorsorge spezialisiert. Fairr.de will sich in diesem Segment gegen die großen Banken behaupten. Die Kunden können online verschiedene Rentenprodukte abschließen – beispielsweise den „fairriester“, einen Riester-Fondssparplan mit ETFs und Anlageklassenfonds. Die Besonderheit dabei: Das Start-up verzichtet auf Abschlussprovisionen und wirbt mit niedrigen laufenden Kosten.

Foto: Presse

Exporo

Das Crowdfunding-Portal Exporo ist eine Plattform für Immobilien und Immobilienprojekte. Das Hamburger Start-up vermittelt dabei Kapital zwischen Projektentwicklern und Anlegern – und ist mit einem Kapitalvolumen von mehr als 10 Millionen Euro in diesem Segment deutschlandweit führend. Im Dezember 2014 startete Exporo sein erstes Projekt in der Hamburger Feldbrunnenstraße (Foto). Mehr als 440 private Geldgeber haben sich mit Summen ab 500 Euro beteiligt – so konnte diese Immobilien-Schwarmfinanzierung innerhalb von nur 14 Wochen realisiert werden.

Foto: Presse

Fino

Bei Fino Digital können Kunden innerhalb von acht Minuten ihr Konto wechseln – per Mausklick, ganz ohne Schreibaufwand. Seit Herbst 2015 ist das Portal von Fino-Gründer Florian Christ (Bild) im Netz zu finden – und rund 15 Banken kooperieren mittlerweile mit dem jungen Kasseler Unternehmer.

Foto: Presse

Vaamo

Die Vaamo Finanz AG bietet individuelle Online-Investment-Lösungen für Privatpersonen an. Dazu können Nutzer ein eigenes Vaamo-Konto eröffnen. Das Besondere dabei: Die persönlichen Sparziele der Kunden stehen im Vordergrund. Ein technisches Kontrollsystem hilft dabei, dass die Nutzer ihre Ziele auch tatsächlich erreichen. Bei Vaamo gibt es weder einen Mindestanlagebetrag noch eine Mindestlaufzeit; die Kunden zahlen einen Pauschalpreis. Das Frankfurter Start-up kooperiert zur Depotführung und Transaktionsabwicklung mit der FFB.

Foto: Presse

Massup

Das Start-up hat sich auf die Vermittlung von Versicherungen aller Art spezialisiert. Massup bietet dabei mehr als 150 Nischenprodukte an – von der Brille bis zum Smartphone. Makler wählen dabei selbst aus, welche Versicherung sie anbieten und können die Plattform in ihre eigene Webseite integrieren. Der Abschluss erfolgt digital – per Mausklick, Onlinebanking und ganz ohne Papier.

Foto: Screenshot

Knip

Auch Knip gehört zu den Start-ups, die sich auf Versicherungen konzentrieren. Knip versteht sich als „mobiler Versicherungsmanager, der es Kunden ermöglicht, seine Versicherungsprodukte in einer einzigen App zu bündeln“. Eine Übersicht zeigt dem Kunden seine bestehenden Versicherungen, seine Beitragszahlungen sowie Vertragslaufzeiten. Außerdem erhalten Kunden individuelle Empfehlungen, wie sie ihren Versicherungsschutz optimieren können.

Foto: Presse

Kesh

Mit dem mobilen Bezahlsystem Kesh können per App Zahlungen in Echtzeit durchgeführt werden – egal, ob im Supermarkt, im Online-Shop oder unter Privatpersonen. Wie das funktioniert? Kunden registrieren sich über die App und legen bei der BIW, der Bank für Investments und Wertpapiere, ein elektronisches Konto an. Durch eine Verknüpfung mit dem Bankkonto des Kunden können Zahlungen bis zu 200 Euro pro Monat durchgeführt werden.

Foto: Screenshot

Frankfurt am Main ist der wichtigste deutsche Stützpunkt der klassischen Bankenbranche. Im Schatten der Wolkenkratzer siedeln sich allerdings immer mehr kleine Finanz-Start-ups wie Savedroid an. Immerhin elf FinTechs gibt es hier, in der Kreativhauptstadt Berlin sind es 29. Hankirs erste FinTech-Gründung namens Vaamo ist in einem Hinterhaus an der Mainzer Landstraße im Frankfurter Gallusviertel entstanden. Lage und Einrichtung der Räume des Internetportals für digitalisierte Vermögensanlage gleichen dem Savedroid-Büro: Offene Küche, Fußballtisch, freilaufender Bürohund. Start-up-Feeling eben.

Das Marketinggetöse der Newcomer kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Zahl noch winzig ist im Vergleich zum traditionellen Bankensektor. Rund 200 FinTechs gibt es nach Schätzung des Bankenverbands in Deutschland, viele von ihnen müssen ihren Kundenstamm erst noch aufbauen. Dem gegenüber steht die Finanzgruppe der Sparkassen mit allein rund 50 Millionen Kunden, ganz zu schweigen von den rund 1000 Volksbanken und den privaten Banken mit ihren Filialketten. Obwohl oder gerade weil die FinTechs sich oft als Herausforderer des Establishments stilisieren, ist ihre Akzeptanz bei Verbrauchern noch gering. Firmenkunden dagegen haben weniger Berührungsängste.

Akzeptanz bei Verbrauchern noch gering

Für sich genommen sind die digitalen Finanzdienstleister zu klein, um eine nennenswerte Herausforderung für den etablierten Bankensektor darzustellen. Doch ihre große Zahl und Beweglichkeit machen das Phänomen FinTech zu einem Thema, mit dem sich längst auch die Vorstände der großen Finanzkonzerne auseinandersetzen müssen.

Disruption – englisch für Zerstückelung – lautet die aggressive Kampfparole der FinTech-Branche. Zerlegt werden soll die lange Wertschöpfungskette der Banken, wobei nicht ein großer Hightech-Konzern die bisherigen Finanzdienstleister im Alleingang vom Kunden abschneiden soll.

Nein, Jungunternehmen wollen jeweils kleinste Kompetenzen aus der breiten Palette an Finanzdienstleistungen an sich reißen. Sie alle träumen davon, mit einem spezialisierten Geschäftsmodell zum millionenschweren Einhorn zu werden, also dem Liebling der Investoren.

Die zehn wichtigsten jungen Finanzdienste aus dem Internet
Erläuterung
Avuba
Ayondo
Klarna
Kreditech
Moneymeets
Smava
Stockpulse
Vaamo
Weltsparen
Wikifolio

Wie das geht, hat der Ex-Banker Carlo Kölzer mit seinem Unternehmen 360T vorgemacht. Bei der digitalen Devisenhandelsplattform können Unternehmen Währungsgeschäfte billiger abwickeln als bei Banken. Im Sommer 2015 griff die Deutsche Börse zu und kaufte die Anteile für 725 Millionen Euro von Kölzer und dem Frankfurter Finanzinvestor Brockhaus Private Equity.

Ihre enge Spezialisierung macht die Angreifer nicht weniger gefährlich für die herkömmliche Konkurrenz. „Auch Ameisen können einen Elefanten töten, wenn jede nur einmal zubeißt“, tönte ein Gründer auf einem Finanzkongress vor zwei Jahren.

Doch diese martialische Rhetorik legt sich, vor allem bei FinTechs, die schon länger am Markt sind. Sie haben erkannt, dass die ihnen von Investoren und frustrierten Bankkunden entgegengebrachte Euphorie ihre alternativen Geschäftsmodelle nicht zum Selbstläufer macht.

Platz 10: Dresden

In der sächsischen Landeshauptstadt Dresden sind Crowdlending-Anbieter sehr beliebt. Das geht aus einem Städteranking hervor, in dem Kreditvergabehöhen verglichen wurden, die über die Webseite Auxmoney angefragt und von privat an privat vergeben wurden. Dresden landet demnach auf dem zehnten Platz der Hochburgen, in denen die durchschnittlich höchsten Kreditprojekte privat finanziert werden. Unter den ostdeutschen Städten belegt Dresden mit einem durchschnittlichen Crowdlending-Umfang von 6587 Euro den dritten Rang.

Quelle: auxmoney

Foto: dpa

Platz 9: Berlin

Auch wenn in der Bundeshauptstadt das insgesamt über Crowdlending vermittelte Kreditvolumen das größte aller deutschen Städte ist – ein Berliner Kreditnehmer fragt bei der Crowd im Durchschnitt einen Kredit von „nur“ 6724 Euro an, das ist im bundesdeutschen Vergleich eher Mittelmaß – und im Ranking gerade einmal Platz neun.

Foto: dpa

Platz 8: Köln

Die Crowd am Dom: Wer Peer-to-Peer-Lending mag und aus Köln kommt, leiht sich von privaten Kreditgebern durchschnittlich 6783 Euro pro Projekt. Damit ist Köln unter den Städten am Rhein aber nicht der Spitzenreiter, sondern landet lediglich auf Platz zwei.

Foto: dpa

Platz 7: Essen

Auf Platz sieben befindet sich die nordrheinwestfälische Großstadt Essen. Ein über den Schwarm finanziertes Projekt weist hier im Durchschnitt ein Volumen von 6790 Euro auf.

Foto: dpa

Platz 6: Nürnberg

Mit gleich zwei Großstädten ist der Freistaat Bayern im auxmoney-Städteranking vertreten: Nürnberg in Mittelfranken ist eine davon. Die durchschnittliche Kredithöhe von 6810 Euro verschafft der kreisfreien Großstadt Platz sechs.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 5: Leipzig

Unter den ostdeutschen Metropolen ist Leipzig die Nummer eins. Im bundesweiten Städteranking verschafft die durchschnittliche Kreditsumme von 6867 Euro der Messestadt Platz fünf.

Foto: dpa

Platz 4: Hamburg

Auch im Norden hat die relativ neue Art der Finanzierung schon ihre Anhänger gefunden. In der Hansestadt Hamburg etwa hat ein durchschnittliches über die Crowd-finanziertes Kreditprojekt einen Umfang von 7156 Euro. Platz vier für den Schwarm in Hamburg.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 3: München

Die „Mia-san-mia“-Einstellung der Münchener zeigt sich auch in Sachen Crowdlending: Die Stadt erreicht eine durchschnittliche Kredithöhe von mehr als 8000 Euro – das bringt der bayerischen Landeshauptstadt den dritten Platz im Ranking ein.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 2: Düsseldorf

Im direkten Vergleich der Karnevalshochburgen hat Düsseldorf gegenüber seinem „Erzrivalen“ Köln auf Platz acht in Sachen Crowdlending die Nase vorn. Die 8629 Euro, die sich der Düsseldorfer Crowd-Fan pro Kreditprojekt finanzieren lässt, reichen im bundesweiten Vergleich sogar für Platz zwei.

Foto: dpa Picture-Alliance

Platz 1: Frankfurt

Spitzenreiter des Rankings ist Frankfurt. Hier beträgt ein durchschnittliches über Crowdlending finanziertes Kreditprojekt 8788 Euro. Das Brisante: mit Frankfurt ist ausgerechnet die Stadt in Sachen Crowdlending führend, in der die meisten Banken sitzen. Crowdlending-Anbieter kann man durchaus als ihre „natürlichen Konkurrenten“ bezeichnen.

Foto: dpa

Trotz des technischen Vorsprungs haben die Neuen es schwer, schnell auf eine kritische Masse an Kunden zu kommen. Viele erkennen daher ihr Heil in der Kooperation mit den Banken. Die Zusammenarbeit mit den Etablierten hilft auch, die strengen Regulierungsauflagen zu meistern, deren Komplexität viele Gründer unterschätzen.

Wie sehen Kooperationen zwischen Herausforderern und Platzhirschen aus? Dass etwa Hankirs Savedroid die Sparkonten der Nutzer von einer Bank verwalten lässt, ist noch keine Zusammenarbeit in diesem Sinne. Fast alle FinTechs kaufen solche Basisdienste von Banken ein. Ziel einer engen Kooperation ist dagegen, dass die Großen den Kleinen Zugang zu ihren Millionen Privat- und Firmenkunden bieten und im Gegenzug Zugriff auf die technischen Innovationen der Start-ups erhalten.

Brutkasten für die Kleinen

Vorreiter bei diesem Modell ist die Frankfurter Commerzbank mit ihren Beteiligungstöchtern Commerzventures und Main Incubator. In ihrem Frankfurter Brutkasten betreut die Großbank junge FinTechs, damit sie sich unter den Fittichen der Großbank zur Marktreife entwickeln können.

Zum Portfolio des Commerzbank-Inkubators gehören mittlerweile vier Beteiligungen, alle mit den FinTech-typischen kryptisch-modernen Markennamen: Der Firmenkundenbezahldienst Traxpay, der digitale Rechnungsabwickler Gini, der Gehaltsabrechner Optiopay oder BuyBye, mit dem Unternehmen und Verbraucher flexibel die jeweils neuesten IT-Geräte mieten können.

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Die Commerzbank-Beteiligungen richten sich vorwiegend an Geschäftskunden, die mit diesen Lösungen wiederum ihre Endkundschaft besser bedienen können. Das ist kein Zufall, denn Christian Hoppe, der den Inkubator ins Leben gerufen hat, kommt aus dem Mittelstandsbanking der Commerzbank.

Es gibt aber vor allem FinTechs, die sich direkt an Sparer und Verbraucher richten. Das gilt etwa für das in Großbritannien entstandene Unternehmen Azimo. Das Geschäftsmodell lässt sich in einem Satz zusammenfassen: „Wir sind Western Union auf dem Smartphone“, sagt Azimo-Gründer Michael Kent. Gastarbeiter aus Schwellenländern sollen per App schneller Geld in die Heimat schicken können als es Western Union schafft – und vor allem billiger.

Kredit vom FinTech

Aufsehen erregen auch Schwarmfinanzierer wie Auxmoney aus Düsseldorf. Sie bringen private Schuldner und Privatanleger zusammen, nehmen also Banken als klassische Kreditvermittler aus dem Spiel. Wer Geld braucht, etwa um ein neues Motorrad zu finanzieren, findet über Auxmoney Gläubiger, die das Geld dafür gegen entsprechende Zinsen vorstrecken.

Dieses in Großbritannien und den USA entstandene Prinzip des Crowdlendings wurde erstmals vom Berliner Kreditportal Smava nach Deutschland importiert. Smava allerdings hat sich mittlerweile hauptsächlich zur Vermittlungsplattform entwickelt, auf der Kreditnehmer die Zins- und Tilgungskonditionen der Banken vergleichen und das aus ihrer Sicht günstigste Angebot abschließen können.

Der amerikanische Schwarmfinanzierer Lending Club hat im vergangenen Jahr bei seinem Börsengang Rekorde gebrochen. Rund neun Milliarden Dollar an Krediten hat das Unternehmen aus dem Silicon Valley schon vergeben. Das ist viel, doch selbst alle Lendingportale zusammen können es noch längst nicht mit den Banken aufnehmen, wenn es darum geht, ganze Volkswirtschaften mit Geld zu versorgen.

Nutzen schaffen die Vermittler für die Kreditgeber nur, wenn sie bonitätsschwache Schuldner gründlicher und effizienter aussieben als es die Banken schaffen. Das ist für sie besonders wichtig, schließlich werben die Neulinge damit, dass sie auch Kunden bedienen, die bei herkömmlichen Banken abblitzen. Das dürfte auch Schuldner mit schlechter Bonität anlocken, die wegen oder geringen Einkommens oder wegen Altschulden keine klassischen Bankkredite bekommen. Was die langfristigen Ausfallraten der Schwarmkredite betrifft, liegen kaum verlässliche Daten vor. Die Plattformen lassen sich hier ungern in die Karten schauen, weil sie der Konkurrenz keinen Einblick in ihr Risikomanagement geben wollen.

Nicht nur bei US-Investoren genießen FinTech-Firmen breite Akzeptanz. Der Kleinkreditanbieter Ferratum, gegründet von dem Finnen Jorma Jokela, ging im Frühjahr 2014 erfolgreich in Frankfurt an die Börse. Bei Ferratum können Kunden in zahlreichen Ländern Finanzspritzen über das Mobiltelefon beantragen, um im Alltag besser über die Runden zu kommen. Das geht schnell und unkompliziert, den Nutzern fällt die recht hohe Effektivverzinsung nicht so stark auf, weil sie das Geld nur kurzfristig leihen und die Beträge relativ niedrig sind.

Ferratum hat sein Angebot jedoch auch um Kredite für kleine und mittlere Unternehmen erweitert. Daher wollen die Finnen jetzt die FCB Firmen-Credit Bank in Frankfurt übernehmen, sobald die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank ihre Zustimmung gegeben haben. Der Geschäftsbereich Ferratum Business soll dann Kredite bis 50.000 Euro mit einer Laufzeit von bis zu zwölf Monaten an kleine und mittlere Unternehmen vergeben.

Ferratum-CEO Jokela und sein Finanzchef Clemens Krause wollen mit der geplanten Akquisition den Finanzplatz Frankfurt zum Zentrum ihres Firmenkundengeschäfts machen. Das soll der Bedeutung der deutschen Wirtschaft mit ihrer mittelständischen Struktur Rechnung tragen.

Mittelstand beißt an

Eine aktuelle Umfrage durchgeführt vom Kreditportal creditshelf und der Technischen Universität Darmstadt bestätigt den finnischen Vorstoß in den Mittelstand. Danach erwägen drei von vier Mittelständlern, kurzfristige Kredite für das operative Geschäft über digitale Anbieter anzufragen. Befragt wurden immerhin 100 Finanzentscheider aus mittelständischen Unternehmen verschiedener Branchen. Dafür erwarten die Unternehmer allerdings, dass die FinTechs unkomplizierter und billiger arbeiten als traditionelle Kreditinstitute.

Weniger positiv sieht die Akzeptanz bei Privatkunden aus. Das jedenfalls ergab Umfrage durch die internationale Unternehmensberatung Prophet aus dem November. Danach sind 90 Prozent der 1000 befragten Bundesbürger skeptisch gegenüber Finanzdienstleistern aus der FinTech-Branche und wollen daher lieber bei ihrer Hausbank bleiben. „Die Kunden möchten ihr Kapital ungern unbekannten Start-ups anvertrauen, von denen sie selten wissen, wer dahintersteckt und ob es sie morgen noch gibt“, begründete Prophet-Partner Felix Stöckle damals das Ergebnis.

FinTechs wie Ferratum aus Finnland oder Yassin Hankirs Savedroid haben dem Finanzplatz Frankfurt den Vorzug gegenüber der Start-up-Hauptstadt Berlin gegeben. Die hessische Politik will, auch ermutigt durch solche Ansiedlungen, den Rückstand zum Platzhirsch aufholen. Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) hat einen Wettbewerb ausgerufen, bei dem die besten Konzepte für ein FinTech-Gründerzentrum am Main gesucht werden. Nach Ansicht des Ministers bietet Frankfurt mit seiner IT-Kompetenz und der Präsenz internationaler Banken die besten Standortvoraussetzungen dafür.

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