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Manfred Knof hört aufDas steckt hinter dem plötzlichen Chefwechsel bei der Commerzbank

Große Überraschung bei der Commerzbank: Chef Manfred Knof kündigt an, den Konzern verlassen zu wollen. Eine zentrale Rolle bei dessen Entscheidung dürfte ausgerechnet Ex-Bundesbank-Chef Jens Weidmann gespielt haben.Lukas Zdrzalek 10.09.2024 - 22:01 Uhr

Commerzbankchef Manfred Knof bei einer Bilanzpressekonferenz der Commerzbank in Frankfurt am Main.

Foto: Commerzbank AG

Selbst jahrzehntelange Commerzbank-Kenner gaben sich am Dienstagabend überrascht, obwohl sie über allerbeste Drähte in die obersten Etagen des Konzerns verfügen. Sogar ein umgangssprachlicher Ausdruck erscheint angebracht, um den Gemütszustand mancher Insider zu beschreiben: Sie waren völlig von den Socken ob der Entwicklung, die sich in der Konzernzentrale zu Frankfurt ereignet hat. Diese lässt sich in einen Satz pressen: Commerzbank-Chef Manfred Knof hat angekündigt, die Bank zum Jahresende 2025 verlassen zu wollen, wenn sein Vertrag ausläuft.

Dabei hatten Medien noch vor Kurzem berichtet, Knof wolle seinen Vertrag unbedingt verlängern, strebe nach der ersten nun eine zweite Amtszeit an. Umso drängender stellt sich nun die Frage, was zu Knofs Stimmungsumschwung geführt haben könnte, vor welchen Herausforderungen das Institut steht – und wie es an der Spitze der Bank weitergehen könnte. Die WirtschaftsWoche hat deshalb die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Personalie recherchiert, die für die deutsche Bankenbranche die zentralste in diesem Jahr sein dürfte:

Wollte Knof wirklich weitermachen?

Knof soll in jedem Fall für eine zweite Amtszeit bereitgestanden haben, ist zu erfahren. Auch gingen hochrangige Insider des Konzerns noch bis Dienstagabend davon aus, dass Knof nicht nur zur Verfügung stünde, wenn er gefragt würde. Sondern dass er auch unbedingt weitermachen wollte. Dann aber verschickte die Bank gegen 18 Uhr die Pflichtmitteilung an die Aktionäre, in der sie Knofs baldige Demission publik machte. 

Staatsbeteiligung

Jetzt endet die Commerzbank-Blüte

Kommentar von Lukas Zdrzalek

Wieso fiel die Entscheidung jetzt?

Weil der Druck zu groß wurde. Die Medienberichte der vergangenen Wochen lähmten die Bank bereits. So hatte ein Commerzbanker der WirtschaftsWoche vor wenigen Tagen gesagt: „Es gibt in der Kantine kein anderes Thema mehr.“ Und ein zweiter Kenner des Konzerns beklagte: „Die Diskussion bringt wieder Unsicherheit in die Bank.“ Hinzu kommt: Ende September beginnt die traditionelle Strategietagung des Instituts im bankeigenen Tagungshotel Collegium Glashütten im Taunus. Bloß erscheint ein solches Treffen wenig zielführend, wenn nicht klar ist, wer die dabei ausgearbeitete Strategie hinterher umsetzen soll.

Wieso geht Knof?

Nach WirtschaftsWoche-Recherchen soll Aufsichtsratschef Jens Weidmann eine entscheidende Rolle gespielt haben. So ist aus Kreisen der Bank zu vernehmen, dass Weidmann Knof keine Signale gesendet haben soll, unbedingt mit Knof als Vorstandschef weitermachen zu wollen. Spätestens seit einem WirtschaftsWoche-Artikel im Februar dieses Jahres stand in der Bank aber zur Diskussion, wie gewinnbringend eine zweite Amtszeit Knofs sein könnte; und ob er überhaupt einen zweiten Vertrag als Commerzbank-Chef erhalten würde. Insofern war das fehlende Signal von Weidmann an Knof dann eben doch eines: Es offenbarte dem obersten Commerzbanker, dass der eigene Aufsichtsratschef nicht vollends zufrieden mit ihm sein kann. Und dabei soll es Weidmann nicht belassen haben. 

Er soll auch klargemacht haben, dass eine Vertragsverlängerung für Knof kein Selbstläufer sei, ist aus der Bank zu hören. Das ist zwar eine formell korrekte Aussage: Der Aufsichtsrat ist qua Gesetz dazu verpflichtet, zu prüfen, ob eine zweite Amtszeit eines Konzernchefs sinnvoll ist. De facto aber ist ein Vorstandsvorsitzender nach der ersten Amtszeit für eine zweite gesetzt. „Die Verlängerung läuft normalerweise wie auf Autopilot“, sagt ein Szenekundiger, der viele deutsche Vorstandsetagen kennt. Deshalb dürfte Knof den mutmaßlichen Formalia-Verweis von Weidmann als weiteren Indikator dafür gedeutet haben, dass er nicht der Wunschkandidat des Aufsichtsratschefs ist.

Die beiden Hinweise dürften für Knof als Gründe ausgereicht haben, um doch nicht (mehr) um eine zweite Amtszeit zu kämpfen. Zumal ihm eine offene Feldschlacht gedroht hätte, wenn er diese doch angestrebt hätte. Und zwar im eigenen Haus – mit für ihn allenfalls unklaren Siegchancen.

Denn neben Knof sagen Szenekundige seit Langem auch Bettina Orlopp Interesse an dem Posten nach, die derzeit als Finanzvorständin der Commerzbank amtiert. Bloß ist Knof ganz gewiss klug genug, sich nicht auf eine solche Auseinandersetzung einzulassen, wenn er den eigenen Aufsichtsratschef nicht als Unterstützer ausmachen kann. 

Konkurrenten um den Chefposten? Commerzbank-Vorstandschef Manfred Knof und Commerzbank-Finanzvorständin Bettina Orlopp.

Foto: imago images

Wieso unterstützte Weidmann Knof nicht?

Das ist unklar. Spekulationen aber gibt es in der Bank einige: Bei Weidmann könnte der Eindruck entstanden sein, dass der Aufsichtsrat mit den Artikeln der vergangenen Wochen unter Druck gesetzt werden sollte, einer raschen Vertragsverlängerung zuzustimmen. Zwar gibt keinerlei Beweise dafür, dass Knof oder seine Getreuen hinter den Berichten stehen. Dass die Artikel aber für Unmut im Aufsichtsrat sorgten, ist sicher. So hieß es vor wenigen Tagen aus dem verschwiegenen Gremium gegenüber der WirtschaftsWoche: „Der Aufsichtsrat lässt sich nicht unter Druck setzen.“ Und so könnte Weidmann das Bedürfnis verspürt haben, einmal vorzuführen, dass er und der Aufsichtsrat über den Chefposten der Commerzbank bestimmen – und niemand sonst.

Zudem spekulieren Insider über weitere Gründe für Weidmanns Vorgehen: Womöglich könnte er bemerkt haben, dass sich kaum ein Commerzbanker eine Verlängerung Knofs wünscht. Finanzvorständin Bettina Orlopp dagegen hat zahlreiche Fans in dem Institut: Sie, heißt es, verstehe die Bank weitaus besser als Knof, weil sie schon ein Jahrzehnt bei dem Institut arbeitet. Knof dagegen heuerte bei dem Geldhaus erst Anfang 2021 an, nachdem die alte Führungsspitze um Martin Zielke plötzlich abtreten musste. Vor seinem Amtsantritt bei der Commerzbank hatte Knof vor allem für den Versicherer Allianz gearbeitet, dessen Geschäftsmodell sich von dem einer Großbank deutlich unterscheidet.

Geht Knof nur wegen Weidmann?

Manche Commerzbank-Insider legen großen Wert auf die Feststellung, dass Knof die Bank auch verlassen will, weil es in seiner Familie Bedenken gegen eine weitere Amtszeit gegeben haben soll. Tatsächlich ist das Chefamt einer Großbank, die auch noch im wichtigsten deutschen Aktienindex Dax notiert, überaus zeitraubend. Kein Wunder also, dass es in der Pressemitteilung der Bank eine entsprechende Andeutung gibt. Darin lässt sich Knof mit den Worten zitieren, er habe „die Sommerpause im Kreise meiner Familie genutzt, um mir diesen Schritt reiflich zu überlegen.“

Welche Verdienste hat Knof?

Der Manager hat den Sanierungsplan der Bank umgesetzt, der vorsah, hunderte Filialen zu schließen und tausende Mitarbeiter zu entlassen. Diese Einschnitte waren bei Knofs Amtsantritt notwendig, um die viel zu hohen Kosten des einstmals dauerkriselnden Instituts zu senken. Knofs Kritiker verweisen aber darauf, dass der Plan bereits vor Amtsbeginn ausgearbeitet worden sei, unter anderem von Finanzvorständin Orlopp. Zudem sind unter Knof die Gewinne der Bank merklich angewachsen. Das aber liegt vor allem an den stark gestiegenen Leitzinsen der Europäischen Zentralbank seit Sommer 2022.

Vor welcher Herausforderung steht Knofs Nachfolger?

Die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank dürften in den nächsten Monaten wieder leicht sinken – mit der Folge, dass die Zinseinnahmen der Commerzbank nicht länger steigen, sondern stagnieren oder gar fallen könnten. Das Institut muss deshalb versuchen, diese absehbare Wachstumsschwäche zu kompensieren, indem sie ihre Gebühreneinnahmen ausbaut. Dazu muss sie den Verkauf bestimmter Finanzprodukte, etwa von Aktienfonds, ankurbeln. 

Zwar hat Knof schon vor einiger Zeit einen Plan vorgelegt, der aufzeigt, wie stark die Gebühreneinnahmen steigen sollen. Kritiker monieren aber, dieser basiere auf überzogenen Annahmen. Knofs Nachfolger muss es daher gelingen, in diesem Bereich neue Ideen zu ersinnen, um den Plan besser zu unterfüttern.

Wer wird Knofs Nachfolger?

Das steht noch nicht fest. Der Aufsichtsrat startet nun einen formellen Suchprozess. Wobei das Wort formell hier abermals eine große Bedeutung haben dürfte: Hochrangige Insider rechnen fest damit, dass bald schon Bettina Orlopp zur obersten Commerzbankerin aufsteigt. Alles andere wäre eine große Überraschung. 

Dass der Frankfurter Finanzkonzern aber zu Überraschungen neigt, hat er am Dienstagabend mal wieder bewiesen.

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