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Abschied von Daniel Craig James Bond – die Lizenz zum Kassieren

Daniel Craig als James Bond und Ana de Armas als Paloma in einer Szene des James-Bond-Films „Keine Zeit zu sterben“. Quelle: dpa

Der Start des jüngsten James-Bond-Abenteuers markiert eine Zäsur – Daniel Craig sagt Goodbye. Was das für Film-Produzenten, Werbepartner und Fans bedeutet.

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Der Titel führt dann doch etwas in die Irre - zwar heißt der neueste James Bond -Streifen, der nun mit fast zwei Jahren Verspätung in die Kinos kommt, „Keine Zeit zu sterben“. Doch echte Bond -Fans wissen, dass der Film tatsächlich einen Abschied markiert. Mit der offiziell 25. Verfilmung einer der wertvollsten Reihen der Filmgeschichte verabschiedet sich Daniel Craig.

Der englische Schauspieler, der 2006 mit „Casino Royal“ seinen Einstand in der Rolle des Mannes mit der Lizenz zum Töten feierte, schlüpft zum letzten Mal in den sehr körpernah geschnittenen dunklen Anzug des Gentleman-Killers.

Nicht nur für die Bond-Gemeinde, auch für die Produktionsfirma Eon, bedeutet Craigs Abschied einen Einschnitt. Für die Anhänger, weil viele von ihnen im smarten Briten den legitimen Nachfolger des Schotten Sean Connery sehen. Connery, der im Sommer vergangenen Jahres starb, verkörperte für Filmfreunde lange den einzig wahren Bond. Nicht zuletzt, weil er 1962 bei der Premiere „James Bond jagt Dr. No“ den Doppelnull-Agenten als Erster spielte – obwohl Bond-Schöpfer Ian Fleming ursprünglich eigentlich einen ganz anderen Schauspieler für die Rolle favorisiert hatte. Fleming dachte eher an den Amerikaner Cary Grant.

Auf Connery, der 1983 noch einmal für einen einzigen Film zurückkehrte, folgten vier weitere Bond-Darsteller: George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan. Bis 2006 Daniel Craig zum ersten Mal muskelbepackt aus den Wellen stieg und mit seinem lakonischen Humor und stoischem Auftritt seitdem vielen Bond-Freunden als einzig würdiger Nachfolger Connerys gilt.

Daher bedeutet Craigs bevorstehende Demission gerade auch für Eon einen tiefen Einschnitt – und ein nicht zu unterschätzendes Risiko. Denn mit Craig hatten sie einen echten Zuschauermagneten. Kein anderer Bond spielte mehr Geld an den Kinokassen ein als „Skyfall“ aus dem Jahr 2012. 1,1 Milliarden Dollar brachte der Streifen mit seinem spektakulären Finale in den schottischen Highlands weltweit ein, nicht eingerechnet die Verkäufe als DVD oder die Erlöse der Streamingdienste.

Unter dem Strich, das haben Fanseiten errechnet, spielten die 25 Verfilmungen fast sieben Milliarden Dollar ein – macht man die Rechnung allerdings inflationsbereinigt auf, beläuft sich das Ergebnis auf mehr als 16,4 Milliarden Dollar. Kein schlechter Schnitt bei einem vergleichsweise bescheidenen Gesamtproduktionsbudget von 1,6 Milliarden Dollar. Doch auch die sieben Milliarden sorgen für eine Platzierung unter den Top Ten der erfolgreichsten Filmreihen aller Zeiten. Bond bringt es hier immerhin auf Rang 6. Angeführt wird die Liste von Disneys Marvel-Verfilmungen. Die 23 Filme brachten dem Micky-Maus-Konzern mehr als 22,5 Milliarden Dollar ein.



Die tatsächlichen Einnahmen, die die 007-Rechteinhaber jedoch mit den Abenteuern des Agenten erzielten, liegen weit höher als die bloßen Ticketverkäufe. Denn wie kaum eine andere Filmfigur bot sich Bond von Anfang an als Werbeträger an – kein Bond, der ohne Produktplatzierungen auskommt. Tatsächlich sind die Filme und das Bond-Universum ein wahres Eldorado für Marken, denn von Alkohol über Uhren und Anzüge bis Autos erfüllen sie durchaus einen Zweck: Sie definieren zu einem wesentlichen Teil Bonds Charakter und seinen Lebensstil. Damit gehen sie über plump-plakative Requisiten, die halt irgendwie im Hintergrund der Filmszene herumstehen weit hinaus – für Marketingprofis ein gefundenes Fressen. Die Liste der Marken, die sich in den vergangenen fast 70 Jahren an Bond banden ist daher schier endlos und reicht von englischen Ikonen wie Aston Martin, Land Rover und Barbour über Champagner der Marke Bollinger bis zu den wechselnden Uhrenmarken von 007. Die Namen seiner Zeitmesser reichen von Rolex über Seiko bis Omega. Um die Lizenz zum Ankleiden balgten sich unter anderem die Edelschneider Brioni und Tom Ford. Und auch der bayerische Autobauer BMW nutzte die Strahlkraft der Filmfigur für seine Zwecke – noch heute stehen im BMW-Museum in München einige der Filmfahrzeuge.

Wie viel Geld in den Placements steckt, wird gehütet wie eines der vielen nützlichen Spielzeuge, die Q. für Bond bastelt. Doch als der Agent in „Skyfall“ zum Entsetzen vieler Hardcore-Fans zur Heineken-Flasche griff, soll das dem Bierbrauer 45 Millionen Dollar wert gewesen sein. Aus Sicht der Produktionsfirma ein mehrfach cleverer Zug – denn allein die Bekanntgabe, dass Heineken im neuen Bond auftaucht, verschaffte auch dem Film reichlich PR und weltweite Presseaufmerksamkeit. So spannt Eon die Dutzenden von Marken und ihre je eigenen Werbemaschinen ein in den Dienst von James Bond – 007-Influencer in nicht eben geheimer Mission.

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Das Markenfeuerwerk hat indessen auch Nachteile. Wegen der Corona-bedingten Verzögerungen mussten eine Reihe von Szenen von „Keine Zeit zu sterben“ aufwändig nachgedreht werden, weil einige der Produkte inzwischen längst auf den Markt gekommen waren.

Sean Connery und die Macher der frühen Bind-Filme waren da zu ihrer Zeit noch vergleichsweise bescheiden – in „Dr. No“ ist die Liste der Sponsoren noch recht kurz. Darauf stehen die Fluggesellschaft PanAm – und Waffenhersteller Smith and Wesson. in „Dr. No“ ist die Liste der Sponsoren noch recht kurz. Darauf stehen die Fluggesellschaft PanAm – und Waffenhersteller Smith and Wesson.

Wie es nun auch in Sachen Sponsoring und Marketing beim Agenten mit der Lizenz zum Kassieren weitergeht, dürfte im wesentlichen davon abhängen, wer Nachfolger von Daniel Craig wird. Als heiße Anwärter gelten Idris Elba und Tom Hardy - auch die sind gut darin, Maßanzüge mit Leben zu füllen.

Mehr zum Thema: Der teuerste James-Bond-Film aller Zeiten kommt in die Kinos. Die Produktion von „Keine Zeit zu sterben“ dürfte weit mehr als 300 Millionen Dollar gekostet haben. Die spannendsten Zahlen zur Bond-Saga in Grafiken.

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