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Air Berlin vor Ende der Bieterfrist „Alle Bekloppten haben sich gemeldet“

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Die Lautstarken und die Außenseiter

Für Aufsehen sorgten in den vergangenen Tagen vor allem die Underdogs im Bieterrennen. „Alle Bekloppten haben sich gemeldet“, klagt ein Insider. Bei diesen Investoren sei unklar, ob sie genug Geld und Kompetenzhaben.

LinkGlobal: „Chinesen wollen bei Air Berlin einsteigen“, lautete die Schlagzeile Mitte der Woche über einen neuen Interessenten im Bieterrennen. Das Logistikunternehmen LinkGlobal hatte bereits Ende August einen „Letter of Intent“ verschickt. Darin erklärt Geschäftsführer Jonathan Pang seine Absicht, ein Angebot für Air Berlin abzugeben.

Das soll im Wesentlichen einer anderen Investition auf dem deutschen Boden Auftrieb bringen: dem Regionalflughafen Parchim. Pang hat den brachliegenden Flughafen vor zehn Jahren gekauft und träumt davon, dort ein Drehkreuz für Frachtverkehr und Reisende aus China aufzubauen. Trotz jahrelanger Investitionen in den Flughafen ist davon bislang wenig zu sehen.

Chancen: Ziemlich schlecht. Bei Air Berlin glaubt zumindest niemand daran:  "Wir müssen ja alles prüfen, auch so etwas Skurriles.", sagt ein Insider.

Hans Rudolf Wöhrl: Interessensbekundung, scheinbarer Ausstieg, Comeback mit Paukenschlag: Hans Rudolf Wöhrl hat zusätzlichen Schwung in das Bieterrennen gebracht. Vielfach als chancenloser und selbstdarstellerischer Quereinsteiger verschrien, machte er mit bis zu 500 Millionen Euro immerhin die größte konkrete Kaufofferte. Dafür geht der Unternehmer aber auch in die Vollen: Er will die gesamte Air-Berlin-Gruppe inklusive der Tochter Niki.

"Unser Angebot ist keineswegs unseriös, sondern gut vorbereitet und mit namhaften Partner aus der Branche und Investoren abgestimmt", erklärte Wöhrl gegenüber der WirtschaftsWoche. 

Wöhrls Pläne sind sportlich: Die Linie, die seit Jahren Unsummen verbrennt, soll "bereits im Sommer 2018 keine Verluste mehr machen". Dafür sollen einerseits massive Kostensenkungen und auf der anderen Seite deutlich höhere Einnahmen sorgen. Die nötige Sanierung will Wöhrl allerdings bestenfalls in Teilen selbst machen. Er hat dem Insolvenzverwalter – zu dessen Verwunderung -  mit dem Kaufangebot eine Art To-Do-Liste geschickt, in der er seine Auflagen formuliert und die der Insolvenzverwalter erst mal abarbeiten soll. 

Chancen: Schlecht. Aus dem Umfeld von Airline und Insolvenzberater war bereits deutlich zu vernehmen, dass Wöhrls Plan zu unausgegoren sei. Dazu will der Unternehmer erstmal nur 50 Millionen Euro zahlen – viel zu wenig für die Insolvenzverwalter. „Der Druck ist da, dass gleich beim Verkauf zumindest die 150 Millionen für den Überbrückungskredit der Bundesregierung wieder reinkommen“, heißt es im Umfeld der Insolvenzberater. Allein um Air Berlin fliegen zu lassen bis die EU- Kommission eine Übernahme wettbewerbsrechtlich zulässt, könnten weitere 150 Millionen und mehr fällig werden. Dazu könne Wöhrl nicht wissen, wie schlecht es um Air Berlin tatsächlich stehe, weil er bislang noch nicht im Datenraum die Details der fliegenden Misere angesehen habe. 

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