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Amazon: Packstation im Bus Kommen Pakete bald mit dem Nahverkehr?

Statt Paketbote oder Packstation könnten Kunden ihr Amazon-Paket womöglich bald aus einer „mobilen“ Packstation in Bahnen und Bussen entgegen nehmen. Quelle: dpa

Weil die Großstadt-Straßen so verstopft sind, experimentieren Paketdienste mit dem öffentlichen Nahverkehr: Amazon holt sich ein Patent für Packstationen in Bussen. Und in Frankfurt bringt bald die Straßenbahn Pakete.

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Was wäre, wenn der Kunde nicht zur Packstation fahren müsste, wenn er ein Paket abholt – sondern die Packstation zu ihm kommt? Mit diesem Gedanken spielt der Onlinegigant Amazon anscheinend bereits länger. Darauf deutet ein Patent hin, dass Amazon vor einigen Wochen in den USA bewilligt bekommen hat. Das Patent mit der Nummer „0227882 A1“ beschreibt den Plan, Packstationen in Bussen oder Straßenbahnen einzubauen.

Damit würden die Packstationen auf festgelegten Routen durch die Stadt fahren. Der Empfänger könnte einfach seine Position angeben, und bekäme dann die passende Bushaltestelle angezeigt. „Sobald der Nutzer eine Busstation ausgewählt hat, könnte das System eine Liste von Zeitfenster präsentieren, zu denen verschiedene Busse mit mobilen Abholstationen geplante Stopps an der Haltestelle haben, aus denen der Nutzer dann wählen kann“, heißt es in dem Patent.

Nachteil: Der Empfänger muss zur richtigen Zeit vor Ort sein. Sonst fährt sein Paket einfach weiter.

Der Onlinehandel wächst immer noch rasant. Um etwa neun Prozent steigt die Menge der Pakete, die an Privatpersonen ausgeliefert werden, in Deutschland jedes Jahr an, berichtet der zuständige Branchenverband Biek. Und die steigende Zahl an Paketen bringt immer noch immer mehr Probleme mit sich – insbesondere in den Innenstädten. Die Straßen sind überfüllt, Lieferwagen stehen lange im Stau. Sie müssen ständig nach Parkplätzen suchen oder blockieren einfach Fahrstreifen. Das verschlimmert die Stauproblematik nur. Zudem schaden die Abgase gleichzeitig noch der Umwelt. Dabei erreichen die Paketboten die Empfänger oft nicht mal zuhause.

Die Paketdienste suchen deshalb nach Möglichkeiten, Pakete einfacher und umweltschonender in die Innenstadt zu bringen.

Für Amazon wäre es nicht das erste Projekt im Nahverkehr. In New York schickte der Konzern seine Zusteller bereits per U-Bahn zu den Empfängern. Amazon wollte testen, ob die Paketboten so schneller sind, als wenn sie in den New Yorker Staus festhängen. In anderen Städten, wie zum Beispiel Moskau, ist das Standard.

Auch in Südamerika oder Afrika spielen Busse eine entscheidende Rolle im Paketversand. Dort transportieren insbesondere Überlandbusse immer auch Sendungen. Dort funktioniert das Konzept gut – allerdings gibt es für Privatpersonen dort auch kaum andere Möglichkeiten, Pakete von einer Stadt in die andere zu versenden. Die Empfänger müssen ihre Sendungen dann direkt an den Busterminals abholen.

In Frankfurt führt der dortige Verkehrsbetrieb VGF aktuell die „Logistiktram“ ein. Dort soll getestet werden, ob per Straßenbahn Pakete und auch andere Güter transportiert werden können. Das Projekt startet im April.

Das Besondere: An den Straßenbahnhaltestellen soll es auch Mikrodepots geben, in denen die Sendungen zwischengelagert werden können. Dann könnten die Zusteller die Sendungen aus der Tram dort abholen und zum Beispiel per Fahrrad weiter transportieren. An dem Pilotprojekt sind neben der Stadt auch Beratungsunternehmen und die Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) beteiligt.

Die Post hingegen hat ihre Versuche, Pakete mit dem Bus zuzustellen, bereits aufgegeben: Sechs Jahre ist es her, dass der Konzern den Postbus ins Leben rief. Damit wollte der Konzern in den Fernbusverkehr einsteigen, testete aber auch den Versand von Paketen. Erfolgreich war das Projekt nicht. Erst stieg der ADAC als Partner aus, dann entschied sich auch die Post, ihre Experimente mit den Bussen zu beenden. Knapp vier Jahre später verkaufte der Konzern seine Aktivitäten an den Anbieter Flixbus.

Das Problem: Weder können die Reisebusse große Menge an Paketen transportieren, noch ist der Transport besonders schnell. Schließlich richtet sich der Fahrplan nach Busstationen, und nicht nach Paketzentren. Somit sind vielleicht die Reisenden am richtigen Ort. Aber nicht die Pakete. Zusteller müssten trotzdem die Bushaltestelle aufsuchen, um die Sendungen einzusammeln.

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