Bertelsmann: Aus für Brockhaus
Völlig überraschend verlässt Hartmut Ostrowski (links), der Chef des Mediengiganten Bertelsmann seinen Posten. Auf ihn folgt der bisherige Finanzvorstand Thomas Raabe (rechts im Bild). Die Entscheidung sei aus „persönlichen Gründen“ gefallen, heißt es offiziell. Was genau hinter dem Wechsel an der Konzernspitze steht, ist bisher unklar. Am Geschäftserfolg kann es jedenfalls nicht liegen. Bertelsmann steht prächtig da, Ostrowski hinterlässt ein gut bestelltes Haus. Mit einem Umsatz von 15,786 Millionen Euro und einem Konzernergebnis von 656 Millionen übertrafen die Gütersloher im vergangenen Jahr alle Erwartungen. Aus mehreren Kanälen fließt das Geld…
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Texte: Konrad Daubek
Foto: WirtschaftsWoche…in die Konzernzentrale nach Gütersloh. Zum Medienimperium gehören Fernsehsender, Buch- und Zeitschriften- Verlage, ein Dienstleistungsunternehmen und mehrere Buchgemeinschaften und Musikclubs. In mehr als 50 Ländern ist Europas größtes Medienunternehmen aktiv. Foto: dapd/Roberto Pfeil
Foto: WirtschaftsWocheDas stärkste Pferd im Stall ist die RTL Group, die mit Beteiligungen an 40 Fernsehsendern und 33 Radiostationen zu Europas führenden Unterhaltungskonzernen zählt. Die Bertelsmann AG hält 91,6 Prozent der Anteile. Zu den wichtigsten Sendern gehört RTL Deutschland, der erfolgreichste deutsche Privatsender. Außerdem der Französische Sender M6 sowie die RTL-Sender in den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Kroatien und Ungarn. Die 12.339 Mitarbeiter der RTL Group erwirtschaften 34,7 Prozent des Gesamtumsatzes der Bertelsmann AG. Foto: RTL Group
Foto: WirtschaftsWocheDie Verlagsgruppe Random House gehört seit 1998 als hundertprozentige Tochtergesellschaft zum Bertelsmann-Konzern. Zu ihr gehören 200 Verlage in 16 Ländern - allein in Deutschland sind es über 30 Verlage. Darunter der Goldmann Verlag, der Heyne Verlag und natürlich der C. Bertelsmann Verlag. Schon früh begann Random House auch am Markt mit E-Books Fuß zu fassen. Foto: Random House
Foto: WirtschaftsWocheMit Gruner und Jahr gehört auch einer der wichtigsten deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage zu Bertelsmann. 74,9 Prozent der Anteile halten die Gütersloher. Der Rest gehört der Hamburger Familie Jahr. Zu den bekanntesten Titeln des Hauses gehört der „Stern“, die „Financial Times Deutschland“, die Wirtschaftsmagazine „Capital“, „Impulse“ und „Börse Online“, sowie die Frauenzeitschrift „Brigitte“. Foto: dpa/Wolfgang Langenstrassen
Foto: WirtschaftsWocheArvato ist ein großer Medien- und Kommunikationsdienstleister, der zu 100 Prozent zur Bertelsmann AG gehört. Die Firma legte im Jahr 2008 mit der DeutschlandCard eines der großen Kundenbindungssysteme auf und versuchte damit zum Konkurrent des bekannten Bonus-Systems Payback zu werden. Foto: Arvato
Foto: WirtschaftsWocheDie fünfte Säule im Bertelsmann-Imperium bildet die Direct Group. Sie betreibt Bücher-, Musik- und DVD-Klubs, sowie Buchhandlungen in 12 Ländern. Die Buchclub-Sparte wurde in den letzten Jahren immer wieder verkleinert. Nachdem Ableger in den USA, in Italien und Großbrittanien aufgegeben wurden, verkaufte Bertelsmann im Mai 2011 auch das Geschäft in Frankreich. Die Direct Group ist zu 100 Prozent im Besitz der Bertelsmann AG. Doch wem gehört eigentlich Europas größter Medienkonzern? Foto: dpa/Steffen Kugler
Foto: WirtschaftsWocheZu den wichtigsten Köpfen bei Bertelsmann gehört die Milliardärin Liz Mohn, Witwe des im Jahr 2009 verstorbenen Reinhard Mohn. Die Familie Mohn besitzt 19,1 Prozent des Aktienkapitals der Bertelsmann AG und hat das letzte Wort, wenn es etwas zu entscheiden gibt. Foto: Reuters/Fabrizio Bensch
Foto: WirtschaftsWocheWichtigster Anteilseigner am Bertelsmann Konzern ist allerdings nicht die Familie, sondern die Bertelsmann Stiftung. Ihr gehören 77,9 Prozent der Anteile. Sie wurde 1977 von Reinhard Mohn gegründet und zählt zu den größten Stiftungen in Deutschland. Wichtigste Anliegen der Stiftung sind gute Bildung sowie eine gerechte und funktionierende Wirtschaft. Foto: AP/Michael Sohn
Foto: WirtschaftsWocheDie restlichen Anteile gehören zu verschiedenen Stiftungen, unter anderem zur Reinhard Mohn Stiftung und zur Stiftung der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft. Das Foto zeigt Liz Mohn vor einem Bild ihres verstorbenen Gatten Reinhard Mohn. Foto: dpa/Matthias Benirschke
Foto: WirtschaftsWocheDer traditionsreiche Brockhaus steht vor dem Aus. Der Medienriese Bertelsmann will das Geschäft mit Lexika aufgeben. Das teilte der Konzern am Dienstag mit. Zunächst soll der wichtige Direktvertrieb bis Mitte 2014 eingestellt werden. Die Online-Aktualisierungen und weitere Verpflichtungen sollen noch sechs Jahre fortgeführt werden. Der Vertrieb über den Buchhandel allein reiche aber nicht zum wirtschaftlichen Überleben aus, hieß es.
Die Marke Brockhaus gehört zum Wissenmedia Verlag. Der ist wiederum Teil des Direktvertriebsunternehmens InmediaOne. Das wird seine Arbeit in den kommenden zwölf Monaten schrittweise einstellen. Ein Großteil der 300 Arbeitsplätze an den Standorten Gütersloh und München fällt weg. Dazu kämen noch rund 300 selbstständige Handelsvertreter, sagte Fernando Carro, bei Bertelsmann verantwortlich für das Club- und das Direktkundengeschäft, der „Neuen Westfälischen“ in Bielefeld (Mittwoch). Ein Sozialplan soll erarbeitet werden.
„Die Zukunft der Marke Brockhaus ist noch unklar“, sagte Pressesprecher Matthias Wulff. Denkbar sei, eine Lizenz für die Marke Brockhaus zu vergeben. „Denn Brockhaus ist ja eine gute Marke.“ Verlagsgründer Friedrich Arnold Brockhaus hatte das erste Conversationslexikon 1810 fertiggestellt. Bertelsmann hatte die Marke Brockhaus erst 2009 nach der Zerschlagung des Bibliographischen Instituts & F.A. Brockhaus AG gekauft.
Zuletzt seien die Lexika vor allem über den Direktvertrieb vermarktet worden, sagte der Sprecher. Damit werde nun der größere Teil des Geschäfts aufgegeben. Es sei nur ungenügend gelungen, neue Kunden zu gewinnen und den bestehenden Kunden neue Produkte zu verkaufen, räumte das Unternehmen ein.