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Burger King, McDonalds & Co. So ergeht es Franchisenehmern in der Krise

A worker takes his lunch break as Burger King restaurant remains opened for take-out orders during a partial lockdown in the cities of Accra and Kumasi to slow the spread of the coronavirus disease (COVID-19) in Accra, Ghana March 31, 2020. REUTERS/Francis Kokoroko Quelle: REUTERS

Marken wie McDonalds, Fressnapf, L’Osteria, Apollo Optik oder Accor haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind Franchisesysteme, deren Filialen selbstständige Unternehmer leiten. Die Krise belastet diese Partnerschaft, zeigt eine Umfrage der WirtschaftsWoche. Einige Systeme zeigen deshalb eine bisher unbekannte Kulanz.

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Es waren die vielen sinnlosen Meetings, die Tobias Wolf dazu brachten, Hamburger verkaufen zu wollen. Als IT-Berater hing er jeden Tag in Konferenzen fest. Irgendwann hatte er genug. Er nahm seine Ersparnisse und eröffnete seine Burger-King-Filiale, die erste. 19 Jahre ist das her. Heute besitzt Wolf vier Filialen, sechs weitere Restaurants betreibt er gemeinsam mit einem Geschäftspartner. Er sei zufrieden, sagt Wolf. Ein Teil eines Franchisesystems zu sein, hat sich für ihn ausgezahlt. Bis Corona kam, zumindest. Für seine sechs Filialen musste Wolf wegen der Krise Insolvenz anmelden.

Es gibt in Deutschland Tausende Unternehmer wie Tobias Wolf, die als Teil eines Franchisesystems Filialen für eine große bekannte Marke betreiben. Das Konzept funktioniert so: Die Zentrale entwickelt das Geschäftskonzept und kümmert sich um Werbung, um die Einhaltung von gewissen Standards oder verhandelt Lieferverträge. Die Franchisenehmer wiederum eröffnen und betreiben Filialen, sie stellen die Mitarbeiter ein und kümmern sich um das Tagesgeschäft. Ein Teil ihrer Umsätze überweisen sie an die Zentrale – als Lizenzgebühren zur Nutzung des Geschäftskonzepts und der Marken.

Es ist eine sensible Partnerschaft, die in der Krise unter Druck gerät. Wie in der gesamten Wirtschaft mangelt es den Franchisesystemen an Kunden und Umsatz. Sie müssen Kosten sparen – nur wie? Nur wenn sowohl Marke als auch Franchisenehmer gesund und leistungsfähig sind, können beide Partner profitieren. Die Filialen sind abhängig von den Zentralen – und umgekehrt.

Was das bedeuten kann, zeigt nicht nur Wolfs Beispiel, sondern auch Namen wie Vapiano, Maredo oder Mr. Minit. Alle drei Franchisegeber mussten Insolvenz anmelden, sie hatten nicht mehr genug Geld auf dem Konto, um ihre Kosten decken. Die Insolvenz allerdings betrifft vorerst nur die Zentrale. Die Filialen von Vapiano und Co. sind weiter geöffnet. Die Franchisenehmer müssen nun hoffen, dass Investoren oder Käufer für die Marken finden.

Die WirtschaftsWoche hat sich deshalb unter den größten und bekanntesten Franchisesystemen Deutschlands umgehört. Das Ergebnis der Umfrage: In der Krise entdecken viele Systeme eine neue Kulanz. Aus Angst davor, Franchisenehmer zu verlieren, nehmen die Zentralen Einbußen in Kauf.

Denn die Zentralen finanzieren sich zum größten Teil über Lizenzgebühren. Bei der Tierbedarf-Kette Fressnapf sind das nur etwa 3,3 Prozent des Umsatzes. Große Spieler wie Burger King verlangen zehn Prozent Lizenzgebühren und Werbebudget. Bei Subway etwa zahlen die Partner acht Prozent ihres Umsatzes als Franchisegebühr, hinzukommen noch mal 4,5 Prozent vom Umsatz als Marketingbudget.

Andere Ketten sehen abgestufte Gebühren vor: Die Optikerkette Apollo etwa verlangt abhängig vom Erfolg 6,5 bis 10 Prozent des Umsatzes. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr Gebühren. Außerdem fällt eine Gebühr für Werbeausgaben von noch mal sechs Prozent an.

Weil in der Coronakrise viele Filialen schließen mussten, haben sie keine Umsätze – und zahlen deshalb auch keine Gebühren. Oder aber sie haben finanzielle Schwierigkeiten – und können deshalb einfach keine Gebühren bezahlen. Normalerweise wäre das ein Grund, die Verträge zu kündigen. In der Krise jedoch zeigen sich viele Zentralen kulant: Sie stunden Gebühren oder erlassen sie ganz, sie helfen mit günstigen Krediten aus oder bieten Hilfe bei der Beantragung von Staatsgeldern.

Das Fitness-Franchise Fitbox etwa verlangt eine Fixgebühr von 890 Euro im Monat von seinen Filialen. Deren Problem in der Krise: Fitbox bietet ein persönliches Training an, da ist es schwer, Distanz zu waren. Also sind die meisten Studios dicht. „Wir haben jedem angeboten, die Gebühren zu stunden“, sagt deshalb Gründer Björn Schultheiss von Fitbox. Etwa ein Viertel der Franchisenehmer hätte dies angenommen. Auch Apollo Optik erklärt, man würde die Fristen für Zahlungen verlängern.

Die Restaurantkette L’Osteria stundete die Gebühren für März und April. Die Hotelkette Accor – schwer getroffen von Reiseverboten – erließ ihren 205 Hotels gleich die Franchisegebühren für März, April und Mai. Zudem verhandelte sie Lieferantenverträge neu, um die Kosten zu senken. McDonalds stundete ebenfalls auf Gebühren und erließ als Inhaber der Restaurantgebäude sogar einen Teil der Mieten. Die Zentrale habe so auf einen „mittleren zweistelligen Millionenbetrag“ verzichtet. Aber auch kleinere Systeme die Feinschmecker-Kette "Vom Fass" greift zu solchen Maßnahmen und erließ ihren Partnern die Franchisegebühren.

Das Risiko ist groß, dass ohne dieses Entgegenkommen Franchisenehmer in die Pleite geraten, so wie die Burger King-Partner von der Toma Gastro GmbH. Die sechs Filialen liegen an Autobahnrastplätzen in Süddeutschland, sagt Mitinhaber Tobias Wolf. Aber die Autobahnen seien leer. „Wo niemand langfährt, kommt erst recht niemand auf die Idee, mal Pause zu machen.“

Er muss nun mit seinem Vermieter und Burger King über die Zukunft des Unternehmens verhandeln. Wolf würde die Filialen gerne weiter betreiben. Doch dazu müssen beide Verhandlungspartner zustimmen und ihm entgegenkommen. „Natürlich sind Franchisenehmer in solchen Situationen stärker abhängig vom Franchisegeber“, sagt Anwalt Marcus Winkler, der vom Gericht bestellte Sachverwalter für die Toma Gastro GmbH. Letztendlich habe es der Geber in der Hand, ob er weiter mit seinen Filialisten zusammenarbeiten wollte. Doch das Verhältnis zwischen Wolf und Burger King sei gut und über Jahre gewachsen. „Wir wollen das Unternehmen retten“, sagt Wolf selbst.

Auch für die Zentralen sind Insolvenzen von Franchisenehmern ein Rückschlag: Sie verlieren nicht nur einen Gebührenzahler, sie verlieren auch einen Teil ihrer Marktabdeckung. Und schon eine einzelne insolvente Filiale kann den Ruf belasten. „Wir sind sehr froh darüber, dass bislang noch kein Franchisepartner in der Coronakrise aufgegeben hat“, sagt deshalb etwa Stefan Tewes, Gründer der Kaffeekette Coffee Fellows.

Das Fitness-Franchise Fitbox verzeichnet sogar Zuwachs. In den vergangenen Wochen habe er zwei neue Verträge unterschrieben und vier Absichtserklärungen, erklärt Fitbox-Gründer Björn Schultheiss. Da einige Franchisenehmer mehrere Filialen betreiben wollen, würde die Zahl der Studios von aktuell 81 auf 88 wachsen. „Das sind Leute, die nicht in der Krise Klopapier gekauft haben. Sondern Macher, die gründen wollen“, sagt Schultheiss. Er ist überzeugt: Sein Franchisesystem verkraftet auch die Krise.

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In der Coronakrise zeigen sich die Vorteile des Franchisesystems. Während viele Firmen um ihre Existenz bangen, entwickeln Systembetriebe wie McDonald’s und Burger King plötzlich Gefühle der Fürsorge und Großzügigkeit gegenüber ihren selbstständigen Lizenznehmern. Doch das System hat auch seine Tücken.

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