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Deutsche BahnVielleicht müssen wir unser Bild von der maroden Bahn revidieren

Erneut macht die Deutsche Bahn gigantische Verluste. Es sind aber vor allem die Reformen, die Mut machen. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Artur Lebedew 08.08.2025 - 08:08 Uhr
Züge der Deutschen Bahn im Frankfurter Hauptbahnhof. Vergangenen Donnerstag hat der Konzern seine Halbjahreszahlen vorgestellt. Foto: Boris Roessler/dpa

Zwei Dinge hat die neue Bundesregierung um Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) unternommen, um die Deutsche Bahn zu retten. Zum einen hat sie der Bahnindustrie für die nächsten Jahre so viel Geld zur Verfügung gestellt wie noch nie: Allein für die Infrastruktur sollen bis 2029 über 100 Milliarden Euro durch das Sondervermögen zur Verfügung stehen. Zweifellos ein Wendepunkt für die gesamte Industrie.

Die andere Maßnahme zur Bahn-Rettung kommt subtiler daher, ihre Wirkung könnte sich aber bald auszahlen: Der neue Minister hat früh die Führungsriege der Deutschen Bahn angezählt und Bahnchef Richard Lutz und Co. mit einem Personalwechsel gedroht. Irgendwie ein seltsamer Schritt: Entweder man wechselt sein Personal aus, oder man lässt es in Ruhe arbeiten. Aber siehe da: Die Bahnführung kämpft so sehr um Reformen (und wohl auch um ihren Job) wie lange nicht.

Zu sehen war dies zuletzt bei der Halbjahresbilanz des Konzerns: Natürlich, die 760 Millionen Euro Verlust allein in den ersten sechs Monaten sind desaströs. Aber positiv gesprochen: Es waren schon mal deutlich mehr. Immerhin über 100 Millionen Euro konnten die Bahnmanager innerhalb eines Jahres nur durch Strukturveränderungen und Personalanpassungen einsparen.

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Beispiel DB Cargo: Seit Jahren ist die Sparte das Sorgenkind des Konzerns. Die Umsätze sind gefallen – die Verluste aber auch. In den Bereichen Kombi- und Ganzzugverkehr sei man erstmals profitabel. Der ruinöse Einzelwagenverkehr wird umgekrempelt. Und Güterbahnchefin Sigrid Nikutta rechnet schon im nächsten Jahr mit einer schwarzen Null. Es wäre die erste seit über zehn Jahren!

Anderes Beispiel: DB Regio. Seit über einem Jahr erwirtschaftet die Tochter Gewinne. Die Umsätze wachsen, selbst das lange defizitäre Busgeschäft bringt nun Geld ein. „Bei Regio haben wir die Wende geschafft“, frohlockte Lutz während der Bilanzkonferenz am Donnerstag.

Fokus aufs Kerngeschäft

Und natürlich bleiben die Probleme des Konzerns gigantisch: Die Pünktlichkeitsquote im Fernverkehr verharrt knapp oberhalb schwacher 60 Prozent, vor allem Geschäftskunden meiden immer mehr die Bahn. Die Schienen bleiben überlastet und um Neustrecken oder wirkliche Digitalisierung macht die Bahn weiterhin einen Bogen.

Trotzdem könnte sich in den nächsten Jahren etwas bewegen. Wenn die Führungsriege nun endlich ausreichend Mittel für die Infrastruktur zur Verfügung bekommt, wenn sie weiter ihren Fokus von sonstigen Geschäften wie Flugtaxis (aufgegeben: Volocopter) und Lkw-Logistik (verkauft: Schenker) auf das Bahngeschäft konzentriert und weiter echte Reformen vorantreibt, dann, ja dann… müssen wir eines Tages unser Bild von der maroden Bahn revidieren.

Man wird ja wohl noch träumen dürfen.

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