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Deutsche Post Porto für Briefe könnte bald auf 90 Cent steigen

Die Post könnte das Porto für einen Standardbrief im Juli um bis zu 20 Cent erhöhen. Quelle: dpa

Die Deutsche Post kann ihr Briefporto im Juli kräftig erhöhen. Die Bundesnetzagentur hat eine Steigerung von 10,63 Prozent über alle Produkte bewilligt, der Preis des Standardbriefs könnte aber deutlich stärker steigen.

Die Bundesnetzagentur erlaubt der Deutschen Post eine kräftige Erhöhung des Briefportos um insgesamt 10,63 Prozent bis Ende 2021. Diese Erhöhung könnte die Post schon zum 1. Juli umsetzen. Zuvor hatte es ein monatelanges Tauziehen um den Erhöhungsspielraum gegeben, ursprünglich wollte die Bundesnetzagentur nur 4,8 Prozent einräumen. Nun sind es 8,86 Prozent plus weitere knapp 1,8 Prozent, die den Zeitraum der Auseinandersetzung abdecken. Der Bund hält über die staatliche Förderbank KfW etwa 20,6 Prozent der Deutsche-Post-Aktien.

Die Preisanpassung kann der Bonner Konzern nun frei über seine verschiedenen Produkte verteilen. Besonders der Preis des Standardbriefs dürfte deutlich steigen und könnte sogar noch über den bislang im Raum stehenden 10 Cent Erhöhung liegen – Branchenkreisen zufolge könnte das Versenden eines Briefs bald bis zu 90 Cent kosten.

Die Deutsche Post will die neuen Briefpreise nach eigener Aussage erst Ende Mai endgültig beantragen. Zuvor haben die Wettbewerber der Post noch Gelegenheit, zu der möglichen Preiserhöhung Stellung zu beziehen. „Welche Portoerhöhung die Post anstrebt, wissen wir erst, wenn sie einen konkreten Entgeltantrag stellt“, sagte auch der Chef der Bundesnetzagentur, Jochen Homann.

Es wäre die zweite große Preiserhöhung in Folge. Erst Anfang 2016 hatte die Post den Preis für den Standardbrief von 62 auf 70 Cent erhöht, damals die größte Steigerung seit 1989. Der Preis galt für drei Jahre.

Die erneute starke Preiserhöhung geht auch auf ein Missverhältnis der Kosten und Erlöse im schnell wachsenden Paketmarkt zurück. Zwar werden durch den weiter rasant wachsenden Online- und sonstigen Versandhandel immer mehr Pakete verschickt. Jedoch stieg der Gewinn nicht in gleichem Maße, unter anderem da Personal fehlt für Sonderwünsche wie Lieferungen am selben Tag. Hier will der Konzern die Preisschraube aber vor allem bei den Geschäftskunden anziehen, beispielsweise bei Versandhäusern wie Amazon.

Das Briefgeschäft selbst schwächelt jedoch insgesamt, weil immer mehr Menschen Email und andere digitale Kanäle nutzen. Dabei hat die Post ehrgeizige Ziele: Bis 2020 will der Konzern „mehr als fünf Milliarden Euro“ verdienen, sagte Vorstandsvorsitzender Frank Appel bei der Vorstellung der Jahreszahlen 2018.

Die Netzagentur will in Zukunft auch die Qualität der Zustellung stärker kontrollieren. Man werde überprüfen, ob die Deutsche Post tatsächlich etwa 5000 neue Mitarbeiter einstellen werde, sagte Netzagentur-Chef Homann.

An der Börse waren die Post-Aktien bei Anlegern gefragt. Die Papiere notierten am Mittag mit einem Plus von 1,74 Prozent bei 31,26 Euro.

Mit Material von dpa und Reuters.

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