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Deutsche Post über Klimaziele „Erst ab 400 Kilometer ziehen wir einen Flug in Betracht“

Post-Chef Appel bei der Enthüllung der

Bis 2050 will die Deutsche Post DHL klimaneutral werden. Vielen ist das zu langsam. Post-Vorstand Thomas Ogilvie erklärt, warum es nicht schneller geht: Die Post hat über 200 Flugzeuge. Er hofft auf alternative Antriebe.

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Thomas Ogilvie ist Personalvorstand bei der Deutschen Post und unter anderem für das Geschäftsfeld Streetscooter verantwortlich.

WirtschaftsWoche: Im Foyer des Post-Towers hängt eine riesige Null aus Moos. Wie oft am Tag sehen Sie sich dieses Symbol noch an?
Thomas Ogilvie: Die grüne Null sehe ich täglich, nicht nur im Foyer. Sie ist omnipräsent in unserem Haus. Die Null stellt unsere Verpflichtung und Aspiration dar, unser Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen.

Und was heißt klimaneutral für die Deutsche Post DHL?
Klimaneutral heißt klimaneutral. Null heißt Null.

Sie machen Ihr Geschäft mit dem wachsenden Onlinehandel und dem Transport rund um die Welt. Ist es überhaupt möglich, damit zu wachsen und gleichzeitig emissionsneutral zu werden?
Wir sind überzeugt, dass wir als weltweit führender Post- und Logistikkonzern eine Verantwortung haben. Als Marktführer sehen wir uns in einer Vorreiterrolle: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Element unserer Unternehmensstrategie und wir wollen hier Innovationen in der gesamten Industrie vorantreiben. Gerade weil unser Geschäft auf Straßen-, Luft- und Seetransporten basiert und wir damit natürlich Emissionen produzieren, müssen wir uns fragen, wie wir diese ganz vermeiden oder mindestens reduzieren können. Dies bringt neben dem ökologischen Effekt auch wirtschaftliche Effizienzgewinne über niedrigere Kosten. Wir haben hier bereits viel erreicht und damit ein starkes Fundament, auf das wir aufbauen.

Post-Vorstand Thomas Ogilvie Quelle: imago images

Ein Vertreter von Fridays For Future hat dazu auf Ihrer Hauptversammlung gesagt: „Ich persönlich finde es sehr spannend, wie sehr man sich selbst für Bestrebungen wie eine Klimaneutralität bis 2050 feiern kann, obwohl absolut klar ist, dass das viel zu spät ist.“
In unserer Zielsetzung orientieren wir uns an der wirtschaftlichen und technischen Machbarkeit. Neben dem Null-Emissionen-Ziel für 2050 haben wir uns ambitionierte Zwischenziele für 2025 gesetzt. Darüber hinaus soll 70 Prozent unserer Zustellung und Abholung bis 2025 „sauber“ erfolgen, also zum Beispiel zu Fuß, per Fahrrad oder Elektroauto. Das ist schon sehr ambitioniert.

Sie haben den StreetScooter, Ihren Elektrolieferwagen. Was machen Sie noch, um Emissionen zu sparen?
Wir sind sehr stolz auf unsere Tochter StreetScooter. Mit mehr als 9000 Fahrzeugen allein in unserer Flotte ist StreetScooter Deutschlands am meisten verbreitetes Elektroauto. Aber natürlich machen wir als Konzern noch viel mehr. Ein vielversprechendes Beispiel ist unser Projekt in Großbritannien, wo wir die Dächer von Lkw mit Solarfolien ausstatten und die Energie den Motoren zustimmen. Dadurch sparen wir fünf Prozent des Dieselverbrauchs ein.

Das klingt noch nicht nach sehr hohen Einsparungen.
Im Rahmen unserer Mission 2050 beschäftigen wir uns intensiv sowohl mit großen als auch mit kleinen Hebeln, die uns helfen, unser Geschäft klimafreundlicher zu betreiben. Es geht um die Entwicklung und Einführung neuer, wegweisender technischer Lösungen, aber auch um eine Vielzahl inkrementeller Verbesserungen in unserem Tagesgeschäft, wie zum Beispiel die Optimierung unserer Routen, die komplette Vermeidung von Fahrten oder die Energieeffizienz in unseren Gebäuden.

Der Post-Tower leuchtet abends gerne bunt. Stellen Sie das auch zur Debatte?
Der Post-Tower leuchtet durch Ökostrom und ist damit schon CO2-neutral. Im Hinblick auf die Energieeffizienz unserer Immobilien sind wir schon sehr weit. Weltweit decken wir 77 Prozent unseres Energiebedarfs über erneuerbare Energien ab. In 17 Ländern beziehen wir sogar schon unseren gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Energien. Die spannende Frage wird sein, wie wir Emissionsneutralität in der Luftfracht erreichen können.

Die Klimaziele der Deutschen Post

Allerdings. Ihre Expressflugzeuge machen fast 70 Prozent Ihrer Emissionen aus.
Bis das erste emissionsfreie Flugzeug auf dem Markt ist, wird es sicher noch etwas dauern. Aber wir bringen uns bereits in Forschungsgruppen und Organisationen ein, die sich mit der Herstellung und Förderung von alternativen Flugkraftstoffen beschäftigen.

Also hoffen Sie, dass bis 2050 ein Daniel Düsentrieb alternative Antriebe für Flugzeuge entwickelt hat?
Hoffen klingt nach passivem Zusehen, was passiert. Das tun wir nicht. Im Gegenteil: Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Vorreiter in unserer Branche in punkto unternehmerische Verantwortung, grüne Logistik und nachhaltiges Investieren zu sein. Deshalb sind wir aktiv beteiligt, die Zukunft unserer Industrie zu gestalten und bringen uns hier sehr stark ein. Als großer Kunde der Flugzeugbauer sind wir ein wichtiger Faktor, um Entwicklungen voranzutreiben. Wie genau die Welt in 30 Jahren aussehen wird, ob es zum Beispiel bis 2050 alternative Antriebsmöglichkeiten für Flugzeuge gibt, ist schwer vorauszusagen. Wer hätte vor 30 Jahren die heute alltägliche und intensive Nutzung von Smartphones, Social Media und Datenanalysen vorhersehen können?

Trotz der grünen Null im Foyer: Im vergangenen Jahr sind die Post-Emissionen um 2,1 Prozent gestiegen. Wieso?
Unser operatives Geschäft hat sich im vergangenen Jahr positiv entwickelt und darüber freuen wir uns natürlich. Wir haben 2018 deutlich mehr Sendungen transportiert, weshalb wir mehr CO2-Emissionen verursacht haben – allerdings sind unsere Emissionen im Verhältnis zum Volumen deutlich weniger stark gestiegen. Wir investieren kontinuierlich in emissionseffiziente Technologien. Deshalb haben wir zum Beispiel 14 neue hochmoderne Flugzeuge bestellt: Die Boeing 777 reduzieren den Ausstoß im Vergleich zu den bisherigen Maschinen um 18 Prozent. Allein in diese neuen Flugzeuge investieren wir rund eine Milliarde Euro.

Als Personalvorstand sind Sie für Mitarbeiter in der ganzen Welt verantwortlich. Wie oft fliegen Sie im Monat?
Das kann ich nur für das Jahr beantworten. Ich mache ungefähr zwei bis drei größere Flugreisen im Jahr. Wir machen heute schon viel über Videokonferenzen und virtuelle Meetings, dadurch bekommt man auch einen sehr direkten, persönlichen Austausch.

Gibt es intern Regeln, wann für eine Dienstreise das Flugzeug genommen werden darf?
Selbstverständlich haben wir interne Richtlinien für Dienstreisen. Darin ist zum Beispiel festgeschrieben, dass wir erst ab 400 Kilometer einen Flug in Betracht ziehen. Aber als globales Unternehmen besuchen wir natürlich auch mal Kunden in New York, Mexiko City oder Singapur. Da wird die Anreise mit Bus und Bahn dann schwierig. Wichtig ist die Balance und dass unsere gesamte Führungsmannschaft beim Thema Nachhaltigkeit als Vorbild agiert.

Waren Sie auch schon mal in Lesotho? Dort hat die Deutsche Post ihr eigenes Klimaausgleichsprojekt.
Das Projekt kenne ich, selbst vor Ort war ich noch nicht. Wir verteilen dort effiziente Kochöfen an die Einwohner, die durch diesen Einsatz Brennholz sparen und bis zu 80 Prozent weniger CO2 verbrauchen.

Warum braucht die Deutsche Post ihr eigenes Kompensationsprojekt?
Über unsere GoGreen-Produkte bieten wir unseren Kunden bereits seit 2008 an, ihre Briefe und Pakete emissionsneutral zu versenden. Die über den Versand entstehenden Emissionen gleichen wir über Kompensationsprojekte aus. Im vergangenen Jahr haben wir mit GoGreen rund 250.000 Tonnen CO2 ausgeglichen. Das Projekt in Lesotho hat dazu alleine fast 30.000 Tonnen beigesteuert.

Selbst wenn die Post ihre Klimaziele bis 2050 erreicht: Viele Güter werden von Subunternehmern befördert. Wie können Sie durchsetzen, dass auch Ihre Lieferanten klimaneutral werden?
Wir sehen hier einen positiven Dominoeffekt: Wenn wir als größter Auftraggeber in der Branche einen starken Nachhaltigkeitsfokus haben und mehr Effizienz bei Emissionen nachfragen, dann ziehen andere nach.

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