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EU-Kommission Harter Kampf um Nürburgring-Beihilfebeschluss

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Pressevertreter unerwünscht

„Ohne die Rennstrecken wären die Hotels nicht existenzfähig; ohne die Hotels wäre eine profitable Bewirtschaftung der Rennstrecken mit Rennen, Rockkonzerten und anderen Aktivitäten mit großem Einzugsgebiet schwieriger“, heißt es in der Beschlussvorlage. Dabei geht die Kommission von problematischen Annahmen aus. Denn mit dem Dorint-Hotel gibt es am Nürburgring seit 25 Jahren ein privat finanziertes Hotel, das nicht im Besitz der Rennstrecken ist und trotzdem wirtschaftlich läuft.

Umgekehrt waren es gerade die millionenschweren Neubauten, die zur Pleite der Nürburgring GmbH im Jahr 2012 führten und die für sich genommen profitablen Rennstrecken in den Bankrott stürzten. „Der Prüfungsansatz der Kommission ist richtig“, sagt Bartosch, „dass die Feststellungen von den Tatsachen gedeckt sind, halte ich indes für eher zweifelhaft.“

Die Insolvenzverwalter geben sich derweil nach außen gelassen. „Wir gehen davon aus und sind überzeugt, dass der Investorenprozess EU-konform stattgefunden hat. Wir werden sehen, wie die Kommission diesbezüglich entscheiden wird“, lassen sie ihren Sprecher ausrichten. Ähnlich äußert sich Capricorn-Chef Robertino Wild auf Nachfrage. „Wir vertrauen darauf, dass der Investorenprozess EU-konform stattgefunden hat und werden Schritt für Schritt die Restrukturierung am Nürburgring angehen, um den Nürburgring in eine neue, sichere Zukunft zu führen“, teilt sein Sprecher mit.

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Wie die Beratungen innerhalb der EU-Kommission ausgehen werden, ist noch offen. Sollte die Kommission den Verkauf des Nürburgrings an Capricorn wie derzeit von Almunia & Co. geplant absegnen, droht allerdings noch ein anderes Problem. Dann nämlich, wenn Nexovation oder einer der anderen unterlegenen Bieter vor den europäischen Gerichten klagen sollte. In diesem Fall würde sich eine rechtskräftige Entscheidung auf Jahre hinziehen.

Für den Nürburgring wäre das der denkbar schlechteste Ausgang: Wenn bis Dezember dieses Jahres keine bestandskräftige Entscheidung darüber vorliegt, ob die Beihilfen auf den Käufer Capricorn übergehen oder nicht, ergibt sich aus dem Kaufvertrag eine Hängepartie mit ungewissem Ausgang. Capricorn dürfte den Ring dann statt als Käufer vorübergehend nur als Pächter übernehmen. Vor einer rechtskräftigen Entscheidung stünde eine Auseinandersetzung vor den europäischen Gerichten, die laut Bartosch mindestens fünf Jahre dauern würde.

Ganz so sicher, wie es der Titel der Veranstaltung in Frankfurt nahelegt, scheinen sich auch Lieser und Schmidt selbst ihrer Sache nicht zu sein. Die vom Verband der Restrukturierungsexperten eingeladene Presse wollten sie bei ihren Einlassungen zur „Rettung des Nürburgrings“ lieber doch nicht dabei haben. Sie seien vorab nicht darüber informiert gewesen – und ließen kurzerhand keine Journalisten zu.

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