Imtech-Pleite Insolvenzverwalter sucht Käufer für Deutschland-Tochter

Die deutsche Tochter des Gebäudeausrüsters Imtech soll als Ganzes verkauft werden. Bisher haben sich bereits rund 40 Kaufinteressenten gemeldet.

Zentrale der Baufirma Imtech in Hamburg Quelle: dpa

Die Deutschland-Tochter des niederländischen Gebäudeausrüsters Imtech soll so schnell wie möglich einen neuen Eigentümer bekommen. Die Beratungsgesellschaft EY (Ernst&Young) sei mit der Suche nach einem Käufer für das insolvente Unternehmen beauftragt worden, teilte Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt am Dienstag in Hamburg mit. "Ziel ist es, Imtech als Ganzes zu verkaufen", sagte ein Sprecher Borchardts. Ein Teil der gut 40 Firmen, die sich beim Insolvenzverwalter schon gemeldet hätten, seien auch zu einer Komplettübernahme des Hamburger Unternehmens mit 4000 Mitarbeitern bereit.

Sanierungsexperten sehen vor allem Baudienstleister wie die französische Spie und Caverion aus Finnland als potenzielle Käufer. Ob der selbst angeschlagene Mannheimer Bilfinger -Konzern die Übernahme stemmen könnte, wird dagegen bezweifelt. Interessant für einen Käufer sei vor allem das lukrative Service-Geschäft, glauben Experten. Bis zu einer für November geplanten Eröffnung des Insolvenzverfahrens müsse zumindest klar sein, wer als Käufer infrage komme. "Das wird recht schnell gehen, denn das Interesse ist da", sagte ein mit dem Verkaufsprozess vertrauter Insider.

Imtech Deutschland war noch vor der Pleite der Mutterfirma in die Insolvenz gerutscht, unter anderem weil eine Zahlung von 21 Millionen Euro aus den Niederlanden ausgeblieben war. Mit der Pleite sind die Verbindungen zu Royal Imtech gekappt. Borchardt versucht seither, das Deutschland-Geschäft auf eigene Beine zu stellen und die 950 Baustellen am Laufen zu halten. Mit Hilfe großer Kunden und der Banken ist ausreichend Liquidität dafür vorhanden. Mit einem Massekredit, den Imtech Deutschland für die Fortführung des Geschäfts in den nächsten drei Monaten braucht, sei spätestens am Mittwoch zu rechnen, sagten mehrere Insider. Das Unternehmen arbeitet an Großbaustellen wie dem neuen Berliner Großflughafen und der Kölner Oper mit.

In den Niederlanden schreitet die Zerschlagung von Imtech unterdessen mit großen Schritten voran. Die Infrastruktur- und Verkehrs-Sparte mit annähernd 2000 Mitarbeitern geht an den niederländischen Finanzinvestor Egeria. Zusammen mit dem Hafen- und dem Skandinavien-Geschäft, die in der vergangenen Woche verkauft wurden, seien damit rund 9300 der 22.000 Arbeitsplätze beim Imtech gerettet, erklärten die Treuhänder dort. Der Erlös von bisher 143 Millionen Euro geht vor allem an Lieferanten und Dienstleister. Auch Teile des belgischen Geschäfts stehen kurz vor dem Verkauf.

Die Eigentümer von Royal Imtech gehen leer aus. Davon ist auch die Commerzbank betroffen, die im Herbst im Zuge einer Kapitalerhöhung 70 Millionen Euro in Imtech investiert hatte. Mit dem Geld waren laut Insidern Kredite zurückgezahlt worden, so dass sie nur noch bei Imtech Deutschland engagiert ist. Dort habe sie vor allem Kreditbürgschaften (Avale) vergeben. Diese könnten in der Insolvenz gezogen werden. "Dass die Commerzbank ganz ungeschoren davon kommt, ist unwahrscheinlich", sagte ein Insider.

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