Internationale Logistik: DHL-Studie: Trumps Zölle können den Welthandel nicht stoppen
25 Prozent Zoll, 50 Prozent Zoll oder doch eine Vertagung? Mitten in den Schlingerkurs des US-Präsidenten Donald Trump um angekündigte, eingesetzte und doch wieder zurückgenommene Zölle für Kanada, Mexiko und den Rest der Welt sendet der Deutsche Logistikkonzern DHL eine beruhigende Nachricht: So schlimm wird es nicht kommen.
Der DHL Trade Atlas 2025 geht bis 2029 von einem jährlichen Wachstum des internationalen Welthandelsvolumens um 3,1 Prozent aus – eine leichte Steigerung im Vergleich zur vergangenen Dekade. Die erstaunliche Nachricht: Selbst wenn die US-Regierung alle von Trump währen des Wahlkampfs angedrohten Zölle umsetzte und die betroffenen Länder zurückschlügen, würde der globale Handel weiterwachsen – allerdings deutlich langsamer.
Beim DHL Trade Atlas handelt sich um eine gemeinsam mit der New York University (NYU) verfassten Studie, die Datensätze aus beinahe 200 Ländern und Territorien analysiert. Die Studie wurde erstmals vor drei Jahren ins Leben gerufen, um eine Perspektive nach der Corona-Pandemie und dem Angriff Russlands auf die Ukraine aufzuzeigen. Auch da hatte die Studie anhand der Handelsvorhersagen des Internationalen Währungsfonds eine überraschend optimistische Tendenz aufgezeigt. Als weltweit aufgestellter Logistikanbieter hängt das Geschäft der DHL maßgeblich vom Handelsvolumen ab. Die unsichereren Aussichten für den Welthandel belasten auch den DHL-Kurs. Zuletzt hatten die Ankündigung des Abbaus von 8000 Stellen in Deutschland, etwa einem Prozent der globalen Beschäftigten, für einen Kurssprung gesorgt.
„Während Bedrohungen des Welthandelssystems ernst genommen werden müssen, hat der internationale Warenaustausch äußerst große Resilienz gezeigt“, sagt Studienleiter Steven Altman von der NYU. Auch wenn die USA sich „zu erheblichen Kosten“ vom Welthandel zurückziehen könnten, würden andere Länder „höchstwahrscheinlich nicht mitziehen“. Kleinere Länder litten noch stärker unter einem Rückzug vom globalen Handel. Auch rät der NYU-Forscher, die USA in ihrer Wichtigkeit für den Welthandel nicht überzubewerten.
Zwar machen sie 13 Prozent der weltweiten Importe und neun Prozent der Exporte aus, sodass sie einen deutlichen Einfluss auf die Geschicke anderer Länder haben. Jedoch: „Sie sind nicht wichtig genug, um einseitig die Zukunft des Welthandels zu bestimmen“, so der DHL Trade Atlas. „Das sind sehr ermutigende Tendenzen“, sagt DHL-Express-CEO John Pearson, der mit Hilfe der Ergebnisse DHL Kunden bei einer Neubewertung ihrer Lieferketten beraten will: „Es geht um einen balancierten Ansatz zwischen Kosteneffizienz und Risikominimierung.“
Keine Abkopplung von China
Das protektionistische Säbelrasseln der USA hat sich laut Studie bislang nicht auf die Handelsströme ausgewirkt: Den Daten nach sei die Abhängigkeit der USA von chinesischen Waren beinahe unverändert hoch. Auch der 2022 und 2023 beobachtete Rückgang des Handels zwischen geopolitischen Blöcken hat sich 2024 nicht fortgesetzt. Zwar sei der direkte Handel zwischen den USA und China zwischen 2016 und heute von 3,5 auf 2,6 Prozent des Welthandelsvolumens gefallen, trotzdem könne nicht von einem Abkoppeln die Rede sei, so der Trade Atlas.
In den kommenden Jahren bis 2029 werden Indien, Vietnam, Indonesien und die Philippinen unter den Top 30 führend sein, was sowohl Wachstumsrate wie auch das absolute Volumen angeht, ermittelte Altman. China wird mit dem größten absoluten prognostizierten Handelswachstum von zwölf Prozent des zusätzlichen globalen Handels besser abschneiden als die USA mit plus zehn Prozent und Indien (plus sechs Prozent).
Die am schnellsten wachsenden Regionen sind Süd- und Zentralasien, Sub-Sahara-Afrika und die Asean-Staaten mit jeweils fünf bis sechs Prozent. Die übrigen Regionen wachsen um zwei bis vier Prozent.
Zwar ist Nearshoring als Trendwort in aller Munde. Doch der DHL Trade Atlas zeugt von der entgegengesetzten Entwicklung: Mit einem durchschnittlichen Lieferweg von 5000 Kilometern in den ersten neun Monaten 2024 ist ein neuer Rekord erreicht. Der regionale Handel dagegen fiel auf ein neues Tief von 51 Prozent.
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