Lufthansa, Ryanair und Easyjet: Das steckt hinter dem neuen Airline-Verband A4E
Platz 12 - Lufthansa (Deutschland)
Einmal im Jahr stellt das Flugunfallbüro Jacdec für das Fachmagazin „Aero International“ ein Sicherheitsranking der 60 größten Fluggesellschaften auf. Die Sicherheit berechnet sich nach der Anzahl der Ausfälle pro Flugkilometer, gewichtet um die Schwere des Unfalls und einen Landesfaktor.
Die größte Airline Deutschlands verpasst wie im Vorjahr ganz knapp die Top Ten und steht unverändert auf Rang 12.
Foto: dpaPlatz 11 - All Nippon Airways (Japan)
All Nippon Airways ist die größte Fluggesellschaft Japans und Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance. Die Flottenstärke beträgt aktuell 213 Flugzeuge.
Foto: dpaPlatz 10 - Japan Airlines (JAL)
JAL ist nach All Nippon Airways die zweitgrößte japanische Fluggesellschaft und Mitglied der Luftfahrtallianz oneworld.
Foto: REUTERSPlatz 9 - Qantas Airways (Australien)
Qantas Airways ist die nationale Fluggesellschaft Australiens und Mitglied der Luftfahrtallianz oneworld. Die Fluggesellschaft wurde 1920 gegründet und verfügt über 118 Flugzeuge.
Foto: REUTERSPlatz 8 - Etihad Airways (Abu Dhabi)
Für Etihad bleibt es bei Rang 8: Vor zwei Jahren lösten bei einem Flug insgesamt fünf Rauchmelder in den Toiletten aus. Die Brände konnten jeweils vom Flugpersonal gelöscht werden. Verletzt wurde niemand, doch der Zwischenfall wirkte sich damals auf die Platzierung im Ranking aus: 2014 reichte es nur für Platz zehn.
Foto: APPlatz 7 - Emirates (Dubai)
Emirates blieb seit ihrer Gründung vor rund 30 Jahren von einem Flugzeug-Totalverlust oder einem tödlichen Unfall verschont. In den vergangenen Jahren war die Airline allerdings an mehreren Zwischenfällen beteiligt. Im Februar 2011 musste eine Boeing 777 in Hamburg den Startlauf abbrechen, nachdem die Piloten ohne Startgenehmigung abheben wollten. Dank des kontinuierlichen Flottenausbaus mit fabrikneuen Maschinen liegt das Flottenalter leicht unterhalb anderer Airlines aus der Region. Die Flotte besteht ausschließlich aus Großraumflugzeugen.
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Platz 6 - Eva Air (Taiwan)
Die taiwanesische Airline ist im vergangenen Jahr noch auf Platz drei gelandet. Sie gehört seit 2013 zu den kleineren Mitgliedern der Star Alliance. Bekanntheit erlangte die Airline vor allem durch ihre Hello-Kitty-Flugzeuge.
Foto: REUTERSPlatz 5 - KLM Royal Dutch Airlines N.V. (Niederlande)
In den vergangenen Jahren gab es keine gravierenden Zwischenfälle im Flugbetrieb von KLM. Es ist die größte niederländische Fluggesellschaft.
Foto: dpaPlatz 4 - Qatar Airways (Katar)
Für Qatar gibt es wie im vergangenen Jahr den vierten Platz im Ranking. Die Airline gehört zur Allianz Oneworld. Die Airline war weltweit die erste, die 2014 einen Airbus A350-900 in die Flotte aufnahm.
Foto: dpaPlatz 3 - Hainan Airlines (China)
In Europa ist die Airline der chinesischen Provinz Hainan eher unbekannt. Mit einer Flotte von 162 Flugzeugen gehört die Fluggesellschaft Hainan Airlines aber zu den sichersten der Welt: Statt auf Platz fünf wie im Vorjahr landet sie in diesem Jahr auf dem dritten Rang.
Foto: dpa Picture-AlliancePlatz 2 - Air New Zealand (Neuseeland)
Air New Zealand ist Mitglied der Luftfahrtallianz Star Alliance. Sie ist eine der größten Fluggesellschaften im Pazifikraum und zählt außerdem zu den größten Unternehmen Neuseelands.
Foto: APPlatz 1 - Cathay Pacific (China, Hongkong)
Die Krone geht wieder nach Hongkong: Cathay Pacific hat zwar nicht den Bekanntheitsgrad von Thai Airways oder Singapore Airlines, aber die Fluggesellschaft ist nach dem Jacdec-Ranking die sicherste der Welt. In den vergangenen Jahren gab es kaum ernste Zwischenfälle. Der Name der Airline leitet sich aus der alten Bezeichnung für China ab.
Foto: REUTERSWer vor einem Jahr prophezeit hätte, dass Ryanair-Chef Michael O’Leary mit einem Lufthansa-Boss gemeinsame Sache macht, wäre wahrscheinlich in der Flugbranche als Träumer bezeichnet worden – und vom oft rüpelhaften O‘Leary vielleicht sogar als Volltrottel.
Am Mittwochabend sitzt O’Leary im Sheraton-Hotel am Flughafen Amsterdam Schiphol bereits zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres mit Lufthansa-Lenker Carsten Spohr an einem Tisch. Easyjet-Chefin Carolyn McCall, Alexandre de Juniac von Air France-KLM und Willie Walsh der British-Airways-Mutter IAG sind ebenfalls dabei.
Die Anführer der fünf größten Fluglinien Europas wollen einen neuen Verband vorstellen. A4E - kurz Airlines for Europe - soll ihre Interessen in der EU vertreten. Grund dafür ist weder ein Wunder noch die Aufgabe von Grundsätzen. Die Fluggesellschaften brauchen schlicht ein besseres Lobbying. Und das geht nur gemeinsam. Billigflieger und etablierte Linien fühlen sich von der Politik gleichermaßen gegängelt.
Bisher haben die Lager „Billig“ und „Etabliert“ getrennt versucht, ihre Interessen durchzusetzen. Der Erfolg war gering: Der ELFAA genannte Verband der Flug-Discounter blieb so unbedeutend, dass selbst Branchenkenner den Namen googeln müssen. AEA, der Verband der Großen, nahm im vergangenen Jahr Kurs in Richtung Bedeutungslosigkeit. Schon früher gab es nie Einigkeit zwischen kleinen Staatsairlines, die Unterstützung in Form von Subventionen schätzen, und den Großen, die Liberalisierung wollen.
Im Herbst 2015 sorgte die Frage, wie mit den Fluglinien vom Persischen Golf umzugehen ist, dann für einen offenen Bruch. Lufthansa, Air France-KLM und auch die skandinavische SAS wollen die subventionierten Staatsgesellschaften aus den Emiraten gestoppt sehen. Dagegen kämpfen IAG, Air Berlin und Alitalia. Denn Qatar Airways ist bei IAG beteiligt und Etihad an Air Berlin sowie Alitalia.
Die Ziele von A4E
Zum einen wollen die Fluggesellschaften weniger Politik in der Fliegerei. Das klingt zunächst gut, kann aber für die Kunden unerfreulich werden. Denn die Airlines wollen neue, mildere Regeln für die von der EU vorgegebenen Regeln für Entschädigungen wenn Flüge verspätet sind oder ganz ausfallen. Bislang müssen die Gesellschaften nicht nur Verpflegung und Hotelübernachtungen zahlen, sondern auch bis zu 600 Euro Entschädigung. Das kostet jede Airline einen zweistelligen Millionenbetrag im Jahr.
Die Regelung stört die Airlines gewaltig. Zum einen werden Hotels und andere Hilfen auch dann fällig, wenn die Fluglinien die Verspätung nicht zu verantworten haben - etwa bei schlechtem Wetter. Zum anderen kann die Entschädigung besonders bei günstigeren Tickets schnell den Preis des Flugs übersteigen.
Erfreulicher für die Kunden ist dagegen der Vorstoß des neuen Flugverbands für mehr Markt für Flughäfen und die Luftraumüberwachung.
Bei den Fluglotsen nervt die Airlines, dass es zu viele davon gibt. So leistet sich Europa eine zweistellige Zahl von Überwachungsstellen. Die USA kommen mit gut einer Handvoll aus. Das sorgt für viele teure Umwege beim Fliegen. Dazu bemühen sich die Luft-Überwacher nicht genug um Sparsamkeit und Effizienz, glauben die Fluggesellschaften. In Deutschland dürfen sie ihre Kosten quasi einfach umlegen. Das soll die EU ändern und endlich einen gemeinsamen europäischen Luftraum schaffen. Ein lang gehegter Traum: „Die Initiave ist älter als ich“, klagt IAG-Chef Willie Walsh (54)
Dazu fordern die Airlines einen strengeren Umgang mit den Flughäfen. So stört die Airlines, dass kleinere Flughäfen Fluglinien mit Subventionen in die Provinz locken und ihnen so Kunden klauen. Das war zwar lange Zeit Kern der Ryanair-Strategie auf dem europäischen Festland.
Doch der irische Preisbrecher hat entdeckt, dass Großflughäfen letztlich lukrativer sind. Also zieht Ryanair um - und möchte, dass nun auch Ultrabilligflieger wie Wizzair mit der Subventionssuche in der Provinz aufhören.
Zudem wollen die fünf A4E-Mitglieder, dass die Politik auch Großflughäfen stärker dem Wettbewerb aussetzt, damit die ihre Kosten senken. Zum einen sollen die Regulierungsbehörden den Airports hohe Landeentgelte austreiben. Das tun die staatlichen Aufseher ungern, denn Großflughäfen wie Frankfurt oder Paris sind in Staatsbesitz und spülen ordentliche Gewinne in die klammen Kassen.
Zu guter Letzt soll die europäische Politik dafür sorgen, dass an mehr Flughäfen zusätzliche Unternehmen Dienstleistungen wie die Bodenabfertigung übernehmen. Das senkt schließlich die Kosten.
Was der Verband A4E bringt, ist noch offen. Zwar stößt der zweite Punkt mit den Abstrichen für Airports und Lotsen auf wenig offenen Widerstand, doch auf umso mehr versteckten. Kein Land will seine Airports schädigen oder riskieren, dass die Lotsen und Abfertiger ihre Jobs verlieren und noch häufiger für ihre Privilegien streiken.
Unklar sind auch die Aussichten bei weniger Passagierrechten. Zwar herrscht in der EU wohl Einigkeit, dass die Airlines nur für Dinge haften sollen, die sie selbst zu verantworten haben. Doch der Druck der Verbraucher- und Umweltschutzverbände gegen eine allzu flugfreundliche Politik ist hoch. „Aber am Ende ist es ein Fortschritt. Der Verband lohnt sich schon, wenn es nicht noch weitere Regulierungen gibt“, kommentiert ein Airliner.