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Nachfolge beim „Bild"-Konzern Friede Springer macht Döpfner zum Großaktionär

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, und Friede Springer, Verlegerin Quelle: dpa

Friede Springer setzt Verlagschef Mathias Döpfner als ihren Nachfolger ein. Obwohl damit zwar gerechnet worden war, enthält die Entscheidung doch Überraschendes.

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Es hat ja, gelinde gesagt, stets etwas leicht frivoles, wenn sich das öffentliche Interesse schon frühzeitig auf das Erbe einer Person richtet, die noch eigentlich sehr lebendig ist. Einerseits ist es verständlich, wenn etwa ein großes Unternehmen oder eine gewisse Macht damit verbunden sind. Andererseits geht es stets auch um Privates.

Friede Springer ist genau das passiert. Seit mindestens fünf Jahren schon kursieren Spekulationen und Geschichten darüber, was die Witwe des legendären Verlegers Axel Springer langfristig mit ihren Anteilen am Berliner Medienhaus vorhat. Langfristig im Sinne von: nach ihrem Tod.

2016 schien vieles auf eine Stiftung zuzulaufen, in die die Verlegerwitwe alle ihre Anteile einbringen wollte. Als Vorbild dafür wurde etwa die Essener Krupp-Stiftung genannt. Was auf den ersten Blick wie eine kluge Lösung klang, sorgte allerdings für Theater und viele Gerüchte. Denn offen blieb, wer denn diese Stiftung anführen würde. Diese Person, so die Lesart, würde mit einem Mal über sehr viel Macht beim „Bild“-Konzern verfügen. Karin Arnold, eine Berliner Rechtsanwältin und Notarin, sollte diese Rolle zufallen.

Im Umkehrschluss, so die Deutung vor wenigen Jahren, wäre die Rolle von Springers Vorstandschef Mathias Döpfner wohl arg geschwächt worden, wäre es zu dieser Konstellation gekommen. Zwar hatte Friede Springer in der Folge mehr oder weniger deutlich zu verstehen gegeben, dass ihr daran nun nicht gelegen wäre. Doch ein so klares Bekenntnis, wie es die 78-Jährige nun mit ihrer jüngsten Entscheidung ablegt, überrascht dann doch.

Döpfner, das meldete Springer nun, kauft direkt 4,1 Prozent der Aktien von Friede Springer. Außerdem wird die Verlegerwitwe ihrem langjährigen obersten Manager weitere gut 15 Prozent in Form einer Schenkung übertragen. Friede Springer und Döpfner kontrollieren damit künftig beide jeweils rund 22 Prozent der Springer-Anteile – allerdings wird Döpfner künftig auch das Stimmrecht von Springers Anteil bekommen, insgesamt also 44 Prozent. Mehr hat nur der US-Finanzinvestor KKR, der es auf 47,6 Prozent der Anteile bringt.

Aus Sicht der Verlegerwitwe hat die Lösung nun vieles für sich: Döpfner, der seit 2002 an der Konzernspitze steht, hat das Medienunternehmen massiv umgebaut, Regionalzeitungen und viele Zeitschriften verkauft und das Haus mit der Aura des innovativen Digitalkonzerns versehen. Springer gehört heute etwa zu den größten Betreibern von Rubrikanzeigen-Portalen weltweit – auch wenn der Titel des Weltmarktführers vor kurzem mit der Übernahme von Ebays Kleinanzeigengeschäft ausgerechnet an den norwegischen Konkurrenten Schibsted fiel. Seitdem wird mit einiger Spannung erwartet, wie Springer und KKR ihre Ankündigung umsetzen wollen, im Digitalgeschäft künftig noch schneller wachsen zu wollen.


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Friede Springer jedenfalls sorgt nun mit ihrer Grundsatzentscheidung für klare Verhältnisse: „Ich habe immer gesagt, dass ich für Kontinuität im Unternehmen sorgen werde.“ Die Zukunft des Hauses sei ihr ein Leben lang sehr wichtig. Friede Springer hatte 1965 als Kindermädchen bei der Familie Springer angefangen. 1978 wurde sie die fünfte und letzte Ehefrau des um 30 Jahre älteren Verlegers und „Bild“-Erfinders, von dem sie einmal sagte: „Ich bin ein Produkt von Axel Springer.“ Das Haus indes, das seinen Namen trägt, lässt sie nun tatsächlich los.

Mehr zum Thema: Der größte Coup - Adevinta hat Springer Ebay-Kleinanzeigen weggeschnappt.

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