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PräzedenzfallDrängen Mindestpreise für Taxifahrten Uber aus dem Markt?

Ein Gerichtsurteil lässt die Taxibranche aufatmen – und Freenow-CEO Thomas Zimmermann. Seine App kann im Wettbewerb mit Uber mithalten. Auch auf lange Sicht?Lisa Ksienrzyk 10.12.2024 - 08:13 Uhr

Freenow vermittelt Kundenanfragen an Taxifahrer. Seit dem Spätsommer ist die Hamburger App-Firma erstmals profitabel.

Foto: imago images
Chefgespräch

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Abspielen 50:21

Zwischen der altehrwürdigen Taxibranche und jungen Chauffeur-Diensten wie Uber herrscht seit jeher ein Streit. Moderne App-Geschäftsmodelle nehmen seit den 2010er-Jahren immer mehr Marktanteile ein. Taxi-Unternehmer gehen dagegen auf die Barrikaden. Und zwar wortwörtlich. In Frankreich zünden Fahrer in Protestaktionen gerne Reifen auf offener Straße an. In Deutschland wird der Straßenkampf dagegen hinter verschlossenen Türen ausgetragen.

Das Leipziger Verwaltungsgericht hat vor einigen Wochen ein Urteil ausgesprochen, dessen Bedeutung erst nach und nach sichtbar wird – und die Taxibranche weiterbringen könnte, als alle bisherigen Protestaktionen zusammen. Hintergrund des Richterspruchs war eine Regelung der Stadt Leipzig, die vor drei Jahren Mindestpreise für Fahrdienstleistungen festgelegt hatte und so Anbietern wie Uber und Bolt das Leben schwer machte. 

Begründet hatte die Stadt den Mindestpreis für Chauffeur-Fahrten mit dem Tarif des öffentlichen Nahverkehrs. Dagegen wollte nun eine lokale Mietwagenfirma vorgehen – und bekam Recht. Brisant waren die grundsätzlichen Aspekte, die das Urteil enthielt: Zwar dürfe der Preis nicht zu hoch sein und etwa über einem üblichen Taxi-Tarif liegen – grundsätzlich einzuwenden aber sei nichts gegen die Mindestpreise. 

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Dieser Standpunkt lässt nun die Taxibranche im ganzen Land hoffen. Sollten ähnliche Regelungen in anderen Städten folgen, könnte das ihre Position im Wettbewerb mit Uber deutlich verbessern.

Auch Thomas Zimmermann, CEO des Software-Unternehmens Freenow, begrüßt diese Entscheidung. Er findet es richtig, dass sich Uber und Bolt an solche Anforderungen halten müssen und keine Dumpingpreise anbieten dürfen, wie er im WirtschaftsWoche-Podcast „Chefgespräch“ erklärt. Die Hamburger Firma digitalisiert seit 2009 die Taxibranche, früher noch unter dem Namen MyTaxi. Seit fünf Jahren ist Freenow ein Gemeinschaftsprojekt der Autobauer Mercedes und BMW.

Auch, wenn sich die App mittlerweile zu einer Plattform für verschiedene Transportmittel weiterentwickelt hat – neben Taxifahrten können Nutzer auch E-Scooter und Carsharing-Autos buchen: „Unser Kerngeschäft liegt bei den Taxen“, sagt CEO Zimmermann. Und die hätten gegenüber den jungen Tech-Unternehmen noch immer erheblich Vorteile. „Das Taxi wird weiterhin stark genutzt, da es für Sicherheit, Qualität und schnelle Ankunftszeiten steht.“

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Bislang haben sich die Plattformmodelle vor allem über die Kosten vom Taxi differenziert. „Jetzt könnte man sagen, der Markt regele alles – und diesem Grundsatz würde ich auch zustimmen“, so der frühere Marketingchef der E-Gaming-Firma Goodgame. „Wenn ein Modell aber so stark subventioniert wird, dass es am Ende kein dauerhaftes Angebot zu diesem Preis geben und ein Taxi nicht darauf reagieren kann, sondern unter Druck gerät, dann ist das eine Problematik, die man sich regulatorisch angucken sollte. Und das passiert gerade.“

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Der Freenow-Chef glaubt, dass sich nach dem Gerichtsurteil mehr Kommunen dem Leipziger Weg annehmen werden. Die Frankfurter Oppositionspartei CDU forderte Ende November ebenfalls einen Mindestpreis für die Tech-Anbieter in der hessischen Landeshauptstadt. Noch zögern die Städte allerdings. Verdrängen lassen sich App-Anbieter wie Uber und Bolt vermutlich ohnehin nicht.

Für den Freenow-Chef nur ein Problem von vielen, das er seit seinem Amtsantritt im Frühjahr 2022 meistern muss. Zimmermann stieg vier Jahre zuvor als Chief Marketing Officer in das Unternehmen ein. BMW und Mercedes beförderten Zimmermann zum CEO, nachdem sein Vorgänger Marc Berg aus persönlichen Gründen aufhört hatte. Der 41-Jährige holte Freenow aus der Corona-Krise wieder heraus und schrieb in diesem Jahr erstmals schwarze Zahlen auf monatlicher Ebene, wie er im WirtschaftsWoche-Podcast „Chefgespräche“ erzählt.

Freenow verlangt für jede bezahlte Fahrt eine Provision vom Taxibetreiber. Der Betrag liegt zwischen sieben und 13 Prozent. Vom Kunde behält das Hamburger Unternehmen auch noch einmal Gebühren ein. Der Break-even zeigt, dass man mit dem Taxigewerbe profitabel wirtschaften kann – das ein Zeichen für die ganze Branche.

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