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Rhön Klinikum Der Kampf der Klinik-Patriarchen

Das Rhön-Klinikum in Bad Neustadt an der Saale. Quelle: imago images

Sie haben Großes geleistet, erfolgreiche Unternehmen aufgebaut. Doch statt ihre Erfolge zu genießen, kämpfen drei Patriarchen gegeneinander. Der Anlass: die Übernahme der Rhön-Kliniken durch den Konkurrenten Asklepios.

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Der gelernte Müller Eugen Münch hat die Rhön-Klinik-Gruppe aufgebaut, Bernard große Broermann schuf den Klinikkonzern Asklepios. Und Ludwig Georg Braun hat aus dem mittelständischen Medizintechnik-Unternehmen B. Braun einen Weltkonzern gemacht. Doch statt in Ruhe ihre Erfolge zu genießen, kämpfen die Patriarchen nun gegeneinander – wieder einmal.

Schon 2012 torpedierten Broermann und Braun für einige Zeit den Verkauf der Rhön-Kliniken an den Dax-Konzern Fresenius und dessen Kliniktochter Helios. Der Streit erreichte eine solche Schärfe, dass Rhön-Gründer Eugen Münch Braun androhte, dessen Produkte, etwa Kanülen und Spritzen, in seinen Kliniken auszulisten. Am Ende konnte Fresenius dennoch den Großteil der Rhön-Kliniken übernehmen.

Nun kämpfen die Patriarchen wieder gegeneinander – diesmal in anderer Konstellation. Asklepios will die verbliebenen fünf Rhön-Kliniken, inklusive der Uni-Kliniken in Gießen und Marburg, übernehmen. Darauf haben sich Broermann und Münch geeinigt. Was wiederum Braun auf den Plan rief, mit rund 25 Prozent Großaktionär bei Rhön. Der Medizintechnik-Unternehmer fühlt sich offensichtlich übergangen – und versucht anscheinend, die Übernahme von Rhön noch mit rechtlichen Mitteln zu verhindern. Auch auf Verlangen von Braun hatte Rhön für Mittwoch zu einer außerordentlichen Hauptversammlung geladen. Wie in diesen Zeiten üblich, natürlich virtuell.

Im Netz war dann zu erleben, wie die Rhön-Vorstände rund zwei Dutzend detaillierte Fragen der „Aktionärin Braun Melsungen“ beantworteten. Braun hatte die Abberufung zahlreicher Aufsichtsratsmitglieder, darunter von Rhön-Gründer Münch, gefordert, sowie die Zahlung einer Sonderdividende. Die Satzung sollte nach den Vorstellungen Brauns so geändert werden, dass Beschlussfassungen nur noch mit einer Mehrheit von 75 Prozent der Stimmen möglich sind. Mit seinem Anteil hätte der Klinik-Zulieferer somit Entscheidungen auf künftigen Hauptversammlungen blockieren können. Am Ende konnte sich Braun mit seinen Forderungen nicht durchsetzen. Rhön-Gründer Münch bleibt Aufsichtsratsvorsitzender. Als Entgegnung sorgte Asklepios nun dafür, dass Annette Beller, Vorstandsmitglied bei Braun, aus dem Rhön-Aufsichtsrat abberufen wurde.

„Das Vorgehen von B. Braun hat niemandem geholfen“, erklärte Asklepios bereits kurz nach Ende der Hauptversammlung, „für uns ist es nach wie vor vollkommen unverständlich, warum ein großer Anteilseigner angesichts der massiven Herausforderungen für Rhön sich nur destruktiv verhält.“ Braun äußerte sich bislang nicht öffentlich. Und Rhön-Gründer Münch? Der sieht sich nun am Ziel – die von ihm betriebene Übernahme durch Asklepios kommt nun wohl zustande. Die Übernahmefrist läuft noch bis zum 17. Juni. Das Kartellamt hat bereits zugestimmt. Der Vorstand von Rhön hat seinen Aktionären die Annahme des Angebots empfohlen. Nur Sekunden, nachdem er die Hauptversammlung beendet hat, reißt Münch die Arme hoch.


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