Thomas Cook Warum die Türkei so lukrativ ist

Sonnige Strände und gutes Essen gibt es in Spanien genauso wie in der Türkei. Doch am Bosporus macht der Reiseveranstalter Thomas Cook besonders viel Gewinn.

Sommerurlaub am Strand - aber an welchem? Wenn es nach den Reiseunternehmen geht, dann am besten in der Türkei. (Bild: dpa)

LondonDie Briten leiden gerade unter einer Kältewelle. Die Temperaturen in der Hauptstadt London liegen unter dem Nullpunkt und ein eisiger Wind fegt über die Insel. Da überrascht es nicht, dass Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser bei einem Gespräch mit Journalisten von „sonnigen Stränden in der Türkei“ schwärmt. Doch die Begeisterung des schweizerischen Managers, der den britischen Reisekonzern seit rund dreieinhalb Jahren führt, hat noch einen ganz anderen Hintergrund: Die Margen, die sein Unternehmen dort erzielen kann.

Seit Jahren steht vor allem Spanien ganz weit oben auf der Liste der beliebtesten Reiseziele von Touristen – deutschen sowie britischen. Auch, weil die politischen Unruhen in anderen sonnigen Regionen wie Tunesien oder der Türkei viele der Urlaubsreifen abschreckten. Als die Buchungen in Spanien anzogen, hatten die spanischen Hoteliers umgehend reagiert: Sie erhöhten die Preise. Reiseanbieter wie Thomas Cook konnten die höheren Preise aber nicht eins zu eins an ihre Kunden weitergeben und mussten notgedrungen niedrigere Margen in Kauf nehmen.Das lässt sich auch an den aktuellen Ergebnissen ablesen, die Fankhauser am Donnerstag präsentierte: Der Bruttogewinn stieg in den drei Monaten bis Ende Dezember auf 376 Millionen Pfund, doch die Bruttomarge fiel um deutliche 50 Basispunkte auf 21,5 Prozent. Und auch wenn sich die Lage in Spanien aus Sicht der Reiseanbieter etwas bessert, weil wieder mehr Touristen in andere Länder reisen wollen, muss Fankhauser einräumen, dass die Preise noch immer nicht wieder auf dem Niveau sind, wo sie einmal waren. „Die Margen bleiben unter Druck“.

Deswegen machen Tourismusmanager vermehrt Werbung für Ziele wie die Türkei, Ägypten oder Tunesien. Und das scheinbar mit Erfolg: Der Start in die Sommersaison sei „ermutigend”, sagt Fankhauser vor Journalisten. Insgesamt hätten mehr Menschen als im Vorjahr bereits ihren nächsten Urlaub gebucht. 34 Prozent des Angebots seien schon verkauft, drei Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Türkei, Ägypten und Griechenland seien gefragt. Auch nach Tunesien fliegt Thomas Cook seit neuestem wieder, und es gebe Nachfrage, erklärte Fankhause. Der Ansturm auf Spanien, der in den vergangenen zwei bis drei Jahren zu spüren war, scheine sich derweil „etwas zu normalisieren“.

Dass die Deutschen mehr Urlaub machen, als noch vor zwei Jahren, bestätigen auch die offiziellen Zahlen für die Branche. Im gerade beendeten Reisejahr gaben die Deutschen für ihren Sommerurlaub rund 14 Milliarden Euro aus, vier Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Im Gesamtjahr machten die Reiseveranstalter nach Hochrechnungen der Marktforschungsgesellschaft GfK mindestens zwei Prozent mehr Umsatz als im Vorjahr. Damals mussten die Anbieter nach Anschlägen in beliebten Reisegebieten und dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei einen Umsatzrückgang von fünf Prozent verbuchen.

Auch der bevorstehende Brexit hält die Briten nach Aussage von Fankhauser nicht von ihren Urlaubsplanungen ab. Er sei zudem zuversichtlich, dass die britische Regierung eine Lösung für die daraus entstehenden Probleme finden werde. Gleichwohl begrüße er die von vielen Unternehmen geforderte Übergangsphase für die Zeit nach dem EU-Austritt Großbritanniens.

Letztlich konnte Thomas Cook im ersten Quartal ein Umsatzplus von sieben Prozent auf 1,75 Milliarden Pfund erzielen, wodurch sich der operative Verlust des Konzerns in dem saisonal stets schwachen Quartal um zehn Millionen Pfund auf 42 Millionen Pfund verringerte.

Gut lief es bei der firmeninternen Airline-Gesellschaft mit Condor. Sie beförderte in dem letzten Quartal 3,5 Millionen Passagiere, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Die Maschinen waren damit zu 88 Prozent ausgelastet – ein deutlicher Fortschritt. Für das bevorstehende Sommergeschäft wurden die Kapazitäten im Flugplan um zehn Prozent aufgestockt. Zum Einsatz kommen zum Teil eigene Flugzeuge, die unter dem Dach der von Air Berlin übernommenen Tochter Air Berlin Aviation fliegen sollen.

Condor werde aber auch bei anderen Fluggesellschaften Maschinen und Crews ausleihen, hatte Thomas Cook kürzlich erklärt. Ob dazu auch Plätze in Niki-Maschinen zählen, wollte Fankhauser nicht sagen. Thomas Cook war bei dem Verkauf der österreichischen Gesellschaft nicht zum Zuge gekommen. Daraufhin hatte das Unternehmen angekündigt, unter Umständen Sitzplatzkontingente bei Niki zu erwerben und auch beim Betrieb und Vertrieb helfen zu wollen.

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