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US-AutobauerWarum General Motors den Robotaxi-Traum aufgibt

Robotaxis gehören laut GM-Chefin Mary Barra nicht zum Kerngeschäft. Vorläufiger Gewinner ist die Alphabet-Tochter Waymo.Matthias Hohensee 11.12.2024 - 09:05 Uhr

Gerneral Motors ist mit seiner Tochtermarke Crusie bislang einer der großen Player auf dem Robotaxi-Markt.

Foto: imago images

Es sorgte für Schlagzeilen, als General Motors 2016 ein kleines Startup aus San Francisco namens Cruise erwarb und dafür 581 Millionen Dollar investierte. Denn das Startup war damals gerade drei Jahre alt, hatte nur 40 Mitarbeiter und seine Technik steckte noch in den Kinderschuhen. Seine Gründer Kyle Vogt und Dan Kan hatten es sich zum Ziel gesetzt, autonomes Fahren voranzutreiben und zunächst einen Audi A4 und später einen Nissan Leaf dafür umgerüstet. General Motors wurde darauf aufmerksam.

Für GM-Chefin Mary Barra war die Investition in das aufstrebende Startup eine strategische Wette auf die Mobilität der Zukunft und zugleich eine Absicherung gegen Newcomer wie Googles Selbstfahrtochter Waymo und Tesla. Sechs Jahre später – und nachdem es weitere 14 Milliarden Dollar eingesammelt hatte – trat Cruise sogar in San Francisco mit einem eigenen Robotaxi-Service direkt gegen Waymo an. Wer würde sich durchsetzen?

Am Dienstag beantwortete Barra die Frage. „Die Kosten für den Betrieb einer Robotaxi-Flotte, die sehr hoch sind, gehören nicht in unser Kerngeschäft“, sagte die GM-Chefin in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Während Waymo, das Robotaxi-Dienste in Phoenix, San Francisco und Los Angeles anbietet, weiter expandiert, zieht sich der größte Fahrzeughersteller der USA aus dem jungen Markt zurück.

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Zu sehr hatten die Verluste aus dem Kerngeschäft die Bilanz des Konzerns verhagelt. Im vergangenen Jahr verlor Cruise fast 3,5 Milliarden Dollar. Insgesamt hat General Motors laut Barra rund zehn Milliarden Dollar in Cruise gesteckt. Weitere Investoren wie Flextronics und CapitalX hatten ingesamt etwa 8,5 Milliarden Dollar nachgeschossen. General Motors, dem derzeit neunzig Prozent von Cruise gehören, will nun die restlichen Gesellschafter herauskaufen. Softbank hatte sich schon 2022 zurückgezogen.

Fokus nun auf Fahrassistenzsysteme

Statt eine Robotaxi-Flotte hochzuziehen, will Barra ganz gezielt in die Weiterentwicklung von Fahrassistenzsystemen sowie in das autonome Fahren von GM-Fahrzeugen investieren und dort gegen die Konkurrenz punkten. Der Plan ist, Cruise nach dem Rückkauf der Anteile umzustrukturieren und mit dem internen Entwicklungsteam von General Motors zu verschmelzen.

Damit folgt Barra ihrem Wettbewerber Ford. Dessen Chef Jim Farley war im Oktober 2022 wegen der hohen Kosten beim Selbstfahrunternehmen Argo AI ausgestiegen, das man mit Volkswagen vorangetrieben hatte. Auch Farley hatte angekündigt, die Mittel zunächst lieber in Fahrassistenzsysteme zu stecken.

Für Barra ist der Rückzug eine Niederlage. Immer wieder hatte die GM-Chefin das Festhalten an Cruise trotz dessen erheblicher Verluste und Zweifel an der Zuverlässigkeit seiner Technologie verteidigt und den beiden Gründern Vogt und Kan den Rücken gestärkt.

General Motor-Chefin Mary Barra sieht keine Zukunft für den Robotaxi-Service.

Foto: REUTERS

Unfall mit Personenschaden

Das änderte sich im Oktober 2023, als Cruise in San Francisco in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt wurde. Ein Auto hatte eine Fußgängerin beim Überqueren der Straße angefahren, die daraufhin auf die zweite Fahrspur geschleudert wurde und unter ein Robotaxi von Cruise geriet.

Der Unfallverursacher ergriff die Flucht. Das Robotaxi bremste zwar abrupt, erkannte jedoch die darunter liegende Person nicht, fuhr an und zog sie ungefähr sechs Meter weiter mit. Den Vertretern der kalifornischen Straßenverkehrsbehörde soll das Cruise Management allerdings das Anfahren zunächst verschwiegen und das Video nur bis zum abrupten Bremsen gezeigt haben. Als der weitere Verlauf herauskam, entzog die Behörde kurzerhand Cruise die Robotaxi-Lizenz.

Wegen des Skandals mussten Vogt und Kan wenig später gehen. Allerdings hatte man vor, den Robotaxi-Service in San Francisco in Kürze wieder aufzunehmen. Im Juli kam Marc Whitten, ein ehemaliger Topmanager von Microsoft und Amazon, als neuer Chef von Cruise an Bord. Nun hat sich Barra dem Druck der Kritiker gebeugt.

Waymo mit frischem Kapital

Der unmittelbare Gewinner im Robotaxi-Markt in den USA ist nun der Selbstfahrpionier Waymo. Er führt nach eigenen Angaben wöchentlich über 150.000 Robotaxi-Fahrten in den USA durch. In einer jüngsten Finanzierungsrunde wurden weitere 5,6 Milliarden Dollar zu einer Bewertung von 45 Milliarden Dollar eingesammelt, unter anderem von Wagnisfinanzierer Andreeessen Horowitz, Tiger Global Management, Silver Lake und Fidelity Management. Die Runde führte der Waymo-Mutterkonzern Alphabet an.

Mit den frischen Mitteln soll nun das Servicegebiet in den bestehenden Märkten in San Francisco, Los Angeles und in Phoenix ausgebaut werden, außerdem will man nach Austin und Atlanta expandieren. Fuhr Waymo bislang hauptsächlich auf elektrischen I-Pace Fahrzeugen von Jaguar, wird man künftig Ioniq 5 Autos von Hyundai in die Flotte integrieren.

Insgesamt hat Waymo bislang elf Milliarden Dollar eingesammelt, also sieben Milliarden Dollar weniger als Cruise. Zwar wächst Waymo, aber über die Rentabilität des Dienstes herrscht Stillschweigen. Der technische Aufwand ist hoch. Die Karten im Servicegebiet müssen ständig aktualisiert werden, Lagezentren überwachen den Betrieb und müssen im Notfall menschliche Fahrer schicken.

Wie Uber, nur ohne Trinkgeld

Die Kosten für die Robotaxi-Fahrten sind vergleichbar mit denen von Uber und Lyft. Allerdings muss kein Trinkgeld entrichtet werden. Weil die Robotaxis von Waymo immer populärer werden, muss allerdings oft länger auf sie gewartet werden.

Mit dem Rückzug von Cruise ist Waymo derzeit der einzige kommerzielle Anbieter von Robotaxis in den USA. Die Amazon Tochter Zoox erprobt in San Francisco ihre Taxis, ist allerdings noch im Testbetrieb. Doch man hat vor, in Kürze gegen Waymo anzutreten.
Im Mai hatte Motional, das von Hyundai und dem Zulieferer Aptiv unterstützt wird, seinen kommerziellen Betrieb in Las Vegas gestoppt und Leute entlassen. In Austin testet Volkswagen mit einer Flotte seiner elektrischen ID.Buzz den Robotaxi-Betrieb. Der soll 2026 der Öffentlichkeit angeboten werden. Die Frage ist, ob das so bleibt, wenn traditionelle Autohersteller sich zurückziehen.

Wann kommt Tesla?

Der größte Herausforderer von Waymo wird wahrscheinlich Tesla. Dessen Chef Elon Musk stellte im Oktober in Los Angeles sein zweisitziges Cybercab vor, ganz ohne Lenkrad und Pedale. Das futuristisch wirkende Fahrzeug soll laut Musk noch vor 2027 in Betrieb gehen. Fürs nächste Jahr hat der Tesla-Chef allerdings autonomes Fahren für das Model 3 und Model Y angekündigt, zunächst in Kalifornien und in Texas.

Die Eigentümer sollen ihre Fahrzeuge in ein von Tesla betriebene Flotte einklinken können und werden am Umsatz beteiligt. Allerdings verspricht Musk das seit mehreren Jahren. Der Unterschied: Im Gegensatz zu Waymo, das neben Kameras auch auf Sensoren setzt, darunter Lidar, will Musk das autonome Fahren nur über Kameras und ohne die Unterstützung durch hochauflösende Karten erreichen.

General Motors legte am Dienstag nach US-Börsenschluss leicht zu, auch Tesla gewann.

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