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US-Zölle auf Filme„Das schlägt unmittelbar durch auf die Filmfinanzierung“

Donald Trumps jüngste Zolldrohung könnte die deutsche Filmindustrie erheblich treffen. Selbst dann, wenn gar keine Zölle kommen.Tobias Gürtler 05.05.2025 - 20:17 Uhr
Donald Trumps neueste Zollankündigung versetzt die Filmindustrie in Aufruhr. Foto: Getty Images, imago images

Zitieren lassen will sich an diesem Montag kaum jemand. Und doch, so viel lässt sich konstatieren: Die Reaktionen aus Teilen der deutschen Filmwirtschaft sind ebenso symptomatisch wie die Ankündigung, auf die sie sich beziehen: Wer weiß, ob Trump seine Meinung nicht ohnehin zeitnah ändert, so der Tenor. Es bleibe „zunächst abzuwarten, ob und welche konkreten Maßnahmen die USA gegenüber in Europa produzierten Filmen planen“, heißt es auch aus dem Büro der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM).

Ist es Besonnenheit, Abstumpfung oder Verdrängung, die daraus spricht? Vermutlich eine Mischung aus allen dreien.

Am Sonntag hatte der US-Präsident angekündigt, ausländische Filme künftig mit hohen Zöllen belegen zu wollen. „Die Filmindustrie in Amerika stirbt einen sehr schnellen Tod“, schrieb Trump auf der Social-Media-Plattform Truth Social. Seine Lösung: ein 100-prozentiger Zoll auf alle Filme, „die in unser Land kommen und im Ausland produziert wurden“. US-Handelsminister Howard Lutnick antwortete dem Präsidenten prompt, ebenfalls via Social Media: „Wir sind dran.“

„Sehr große Verunsicherung“

Unabhängig davon, ob die US-Regierung am Ende womöglich doch noch zurückrudert: Die potenziellen Auswirkungen dieses neuesten Akts im amerikanischen Zolldrama sind immens. Schon jetzt. Auch für die deutsche Filmindustrie. „In diesem schreckhaften Gebilde, das sich Filmfinanzierung nennt, ist Unsicherheit das Schlimmste, was passieren kann“, fasst Martin Diesbach, bei der Anwaltskanzlei Fieldfisher zuständig für Filmfinanzierungsfragen, die missliche Lage zusammen. Und Unsicherheit – davon gibt es jetzt eben mehr denn je.

Es herrsche bei Filmschaffenden gerade „eine sehr große Verunsicherung“, teilt dementsprechend der deutsche Filmproduzentenverband PROG mit. Umso mehr, da die Filmfestspiele in Cannes vor der Tür stehen. „Unsere Mitglieder und ihre Weltvertriebe hoffen auf eine erfolgreiche Auswertung ihrer Filme und ihrer europäischen Koproduktionen.“ Die USA seien „ein wichtiger Markt, eine Auswertung in den USA, im Kino und auf den diversen Streamingplattformen eine wichtige Einnahmequelle“.

Die Unsicherheit beginnt schon bei der Frage, worauf Trump die Ausgangsthese seiner Ankündigung stützt: Am „schnellen Tod“ der amerikanischen Filmindustrie seien „andere Länder“ Schuld, die „alle möglichen Anreize“ böten, „um unsere Filmemacher und Studios aus den Vereinigten Staaten abzuwerben“, schrieb Trump am Sonntag auf der Social-Media-Plattform Truth Social. Tatsächlich sanken die Ausgaben für Film- und Fernsehproduktion in den USA zuletzt, während andere Länder wie Kanada, Australien und das Vereinigte Königreich einen Anstieg verzeichneten, was zum Teil auf attraktive Steueranreize und niedrigere Produktionskosten zurückzuführen ist. Auch hierzulande wurde erst im Dezember ein neues Filmförderungsgesetz beschlossen.

Filmstudio

Was ist los in Babelsberg?

von Tobias Gürtler

Allerdings: Auch in Kalifornien und anderen US-Bundesstaaten gibt es weitreichende öffentlich finanzierte Förderungen sowie Steueranreize für Filmproduktionen. „Die Einschätzung der US-Administration hinsichtlich eines bestehenden Ungleichgewichts in der internationalen Produktionsförderung teilt die BKM daher nicht“, heißt es dazu von einer Sprecherin der BKM-Behörde.

Entscheidender als Trumps Ausgangsthese sind jedoch die möglichen Auswirkungen seiner Zollankündigung. Bei denen umso mehr Fragen offen bleiben. Zum Beispiel die, auf welche Filme denn künftig Zölle anfallen sollen und auf welche nicht. Gilt die Gebühr etwa auch für Filme, die bereits gedreht, aber noch nicht veröffentlicht wurden, oder nur für neue Produktionen? Und, noch viel entscheidender: Ab wann ist eine Produktion überhaupt „ausländisch“? Es gebe in Amerika derzeit „keine formale Definition dafür, was einen Film zu einem amerikanischen Film macht“, so der Branchenanalyst Stephen Follows. Die US-Regierung müsste also einen Weg finden, Filme als in- und ausländisch einzuordnen – und festzulegen, ab wann sie als ein Import gelten.

Was umso schwieriger ist, als Filme häufig internationale Projekte sind. Im Jahr 2020 etwa wurde ein durchschnittlicher Hollywood-Blockbuster in 1,6 Ländern gedreht, zeigt eine Analyse. Fast jeder vierte Hollywood-Film wurde seinerzeit mindestens in Teilen in Großbritannien gedreht, jeder fünfte mindestens in Teilen in Kanada. Und der ein oder andere auch in Deutschland – zum Beispiel im Studio Babelsberg.

Erst im vergangenen Jahr hatte dort der Hollywood-Regisseur Wes Anderson Teile seines neuesten Films „The Phoenician Scheme“ gedreht. Der Film, der am 30. Mai in die amerikanischen Kinos kommen soll, gilt offiziell als amerikanisch-deutsche Koproduktion. Fallen auch auf ihn Zölle an? Noch ist das völlig unklar.

Nach der Flaute ist vor der Flaute?

Jedenfalls dürften Folgeprojekte aus Hollywood in Deutschland jetzt schwierig werden – nachdem ohnehin jahrelang Hollywood-Flaute in Babelsberg angesagt war. Gerade erst, auch dank der im Dezember beschlossenen Reform der Filmförderung, schienen sich Unternehmenskreisen zufolge wieder große US-Produktionen in Babelsberg anzukündigen. Und schon könnten sie wieder in weite Ferne rücken. Dank Donald Trump.

Martin Diesbach betreut bei der Anwaltskanzlei Fieldfisher internationale Filmproduktionen bei der Produktion und Finanzierung, kennt die schwierige Gemengelage in der Branche also aus nächster Nähe. Er fürchtet jetzt, dass „ein paar laufende Projekte ein erhebliches Problem bekommen“. Die Unsicherheit darüber, wie die Zollpolitik in einem Jahr oder in zwei ist, habe das Potenzial, zu „einer großen Zurückhaltung von amerikanischen Käufern zu führen“, sagt Diesbach. „Und das schlägt unmittelbar durch auf die Filmfinanzierung.“ Das Problem sei „gar nicht so sehr, was am Ende kommt“ – sondern die generelle Unsicherheit. Gerade im Bereich Filmfinanzierung, wo die Planungshorizonte oft über Jahre hinwegreichen.

Umso mehr, als protektionistische Maßnahmen seitens der USA wohl auch im Filmsektor nicht ohne Gegenreaktionen bleiben würden. „Wir erwarten von der deutschen Politik, dass sie dem Säbelrasseln Trumps etwas entgegensetzt“, fordert bereits der Filmproduzentenverband PROG. Und das Büro der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien warnt schon einmal: „Klar ist, dass US-amerikanische Filme den europäischen Kino- und Streamingmarkt (Netflix, Amazon, usw.) bislang stark dominieren. Gegenseitige Marktbarrieren würden daher vor allem zunächst die USA selbst treffen.“

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